Nur Stimmungsmache?

Windkraft-Widerstand aus Dienhausen

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Weit mehr als 60000 Quadratmeter Grund werde für den Bau des Windparks im Bereich Denklingen-Dienhausen verbraucht, kritisiert der unbekannte Briefschreiber.

Denklingen – Im Rathaus rätselt man derzeit über einen unbekannten Briefeschreiber, der „im Namen der Gemeinde Dienhausen“ offensichtlich gegen den geplanten Windpark Stimmung machen will. Obwohl „an die sehr geehrte Frau Horber“ gerichtet, ist das Schreiben bei ihr nie angekommen...

Vielmehr landete es in der Redaktion des KREISBOTEN – deklariert als „anonymer Leserbrief“. So bleibt die Rathauschefin zunächst auf Vermutungen angewiesen, wer ihr denn nach Heckenschützenmanier über die Presse den Windpark ausreden will. „Mister Anonym“ berief sich dabei auf die kürzlich abgehaltene Pressekonferenz von Viktoria Horber und Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg. Beide gaben einen Überblick über den Stand des Windparkprojektes und erklärten dabei unmissverständlich, dass sie voll hinter dem Projekt stünden – der KREISBOTE berichtete ausführlich darüber.

Die öffentliche Auslegungsfrist für den sachlichen Teil-Flächennutzungsplan zur Steue­rung der Windkraft endete am 16. August. Die Gemeinden Apfeldorf, Kinsau, Reichling, Rott, Vilgertshofen und der Markt Dießen hatten ihre Planungshoheit auf die Gemeinden Denklingen und Fuchstal mit die Ziel übertragen, eine „Konzentrationszone für Windkraft“ westlich des Lechrains auszuweisen und die Errichtung von Windkraftanlagen an anderer Stelle auszuschließen. Jeder Bürger konnte die Planungsunterlagen einsehen und Einwände erheben.

Aus den Rathäusern in Denklingen und Fuchstal ist nun zu vernehmen, dass das Interesse an einer Einsichtnahme eher gering war. Erwin Karg hat rund 25 Bürger gezählt, die sich im Rathaus die Unterlagen angesehen haben. In Denklingen war es sogar noch weniger. Viktoria Horber spricht von „unter zehn Interessenten“. Allerdings waren die Unterlagen auch über das Internet einsehbar. Bei der Informationsveranstaltung über den geplanten Windpark in der Fuchstalhalle am 11. Dezember 2012 waren es immerhin 320 Bürger aus den beiden Gemeinden, die ihr Interesse an dem Projekt bekundeten. „Aus Fuchstal hat es von den Einwohnern keinen einzigen formellen Einspruch gegeben“, verriet Erwin Karg.

Denklingens Rathauschefin wollte sich zur Zahl der privaten Einsprüche nicht äußern, da sie erst ihren Gemeinderat davon unterrichten will.

Jeder kann kommen

Für anonyme Briefe hat weder der Fuchstaler Bürgermeister noch seine Amtskollegin aus Denklingen Verständnis. Erwin Karg: „Ich kann es verstehen, wenn sich jemand Sorgen macht. Aber dann kann er zur mir kommen und wir reden darüber.“ Horber: „Wenn jemand Probleme hat, soll er sich doch trauen, mit uns zu sprechen.“ Erwartungsgemäß und wie bereits im KREISBOTEN berichtet, kam aber aus Fuchstals Nachbargemeinde Unterdießen Einspruch gegen das Projekt. Neben den Bürgern wurden in dem Verfahren auch die 114 „Träger öffentlicher Belange“ zur Stellungnahme aufgefordert. Dazu zählen andere Gemeinden, die Bundeswehr, Be­-treiber von Kommunikationseinrichtungen, Naturschutzbehörden, oder diverse Natur­- schutz- und Umweltverbände.

Für die Bundeswehr wurde die Frist bis Ende August verlängert, sagt Bürgermeister Erwin Karg. Erst dann gehen die Unterlagen an die Fachleute des Regionalen Planungsverbandes München, die dann eine Auswertung und Abwägung vornehmen. „Das kann etwas dauern“, sagt der Rathauschef. Viktoria Horber überlegt derzeit, eine weitere Informationsveranstaltung für die Anwohner abzuhalten. Das ganze Thema soll in der Gemeinderatssitzung nach den Ferien am 3. September behandelt werden.

Auch in Fuchstal wird Bürgermeister Erwin Karg das Thema auf die Tagesordnung bringen, aber erst wenn die Ergebnisse der Auswertung vorliegen. In beiden Gremien gibt es eine Mehrheit für das Projekt, in Fuchstal sogar einstimmig. In Denklingen lagen die bisherigen Abstimmungsergebnisse für das Windpark bei 12:3.

Nicht zu verhindern

Man ist sich in den Rathäusern darüber im Klaren, dass der Gesetzgeber Windkraftwerke als „privilegierte Vorhaben“ grundsätzlich für zulässig erklärt, sofern keine öffentlichen Belange entgegenstehen. Fuchstals Bürgermeister hatte in der Pressekonferenz vor einigen Wochen eindringlich gewarnt, dass, falls Fuchstal und Denklingen den Windpark nicht bauen, andere Investoren auf der Matte stehen würden.

Viktoria Horber wird noch deutlicher: „Wir können keine Wind­räder verhindern. Es besteht sogar die Gefahr, dass Denklingen von einzelnen Windrädern eingekreist wird, falls der Windpark scheitert.“ Horber und Karg wollen das Projekt in den eigenen Händen behalten und ihre Gemeinden an der Wertschöpfung beteiligen. Für diesen Zweck wollen Denklingen und Fuchstal eine GmbH gründen, die aber auch anderen Gemeinden sowie privaten Investoren offensteht.

Anonymer Frust

Denklingen/Dienhausen – In einem anonymen Brief haben sich „Gemeindemitglieder aus Dienhausen“ an Bürgermeisterin Viktoria Horber gewandt. Als „Idiotenprojekt“ bezeichneten der oder die Schreiber den geplanten Windpark im Sachsenrieder Forst. Man fühle sich nicht ernst genommen und es müsse jetzt gehandelt werden, meinen die offensichtlichen Windkraft-Gegner.

Mit sarkastischem Unterton appellieren die Autoren an Horber als Gegnerin des Vorhabens – obwohl sie sich als starke Befürworterin des Projekts zeigt. „Stellen Sie doch mal den Fürsprechern dieses Idiotenprojekts die Frage, warum so viele Millionen Euro investiert werden sollen, um unsere einzigartige Natur zu zerstören (...)“, wettern die Briefschreiber. Anlass des Schreibens war der Bericht „Die notwendigen Verfahren laufen“ im KREISBOTEN vom 7. August, in dem Horber betonte, sie sehe im Windpark einen „Mehrwert für die Gemeinde“. Eine schützenswerte Flora und Fauna werde vernichtet und das hätten Horbers Kollegen nicht verstanden. „Jeder, weiß, dass Sie so ein Vorhaben nie unterstützen würden“, behaupten die anonymen Autoren. „Wir Bürger fühlen uns mit unseren Sorgen und Ängsten von der Politik und der Verwaltung nicht ernst genommen! Unsere letzte Hoffnung sind Sie!“, so der Brief an Horber. Unterschrieben ist der Brief an die Bürgermeisterin mit „Ihre Gemeinde“.

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