Von Odysseus, Peny und Telemax

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Der Schauspieler Winfried Hübner las von den Irrfahrten des Odysseus – auf bayerisch.

Landsberg – Zehn Jahre irrte Odysseus auf den Meeren umher (plus der zehn Jahre, die er im Trojanischen Krieg verbrachte). Einen ganzen Tag lang würde es dauern, die 24 Gesänge des Homerschen Epos vorzulesen, erklärte Theaterleiter Florian Werner. 

Etwas kompakter gestaltete sich die bayerische Version, die der Schauspieler Winfried Hübner am Freitag im Stadttheater Landsberg vortrug.

Eine Bierbank, ein Weißbier, vor rotem Hintergrund. Die Geografie war von Anfang an festgelegt. Doch wer sich unter dem Titel „Odyssee auf bayerisch“ allen Ankündigungen zum Trotz eine Art Comedy vorgestellt hatte, wurde rasch eines besseren belehrt. Es war Homers „Odyssee“, es war bayerisch, es war „nur“ eine Lesung. Doch was für eine! Schauspieler Winfried Hübner – kurzfristig für den erkrankten Rüdiger Hacker eingesprungen – las von den Abenteuern des Helden in einer Übersetzung des Philologe Otto Kuen aus dem Altgriechischen ins Bayerische aus den 1980er-Jahren. 

Zu hören waren die Bettgeschichten der schönen Afra (beser bekannt als Aphrodite), die grausigen Geschichten vom Zusammenstoß mit dem Zyklopen, dem „Riesenlackel“, von der Begegnung mit den Sirenen und den Meeresungeheuern Scylla und Charybdis, der Zauberin Circe und den „Lotusfressern“. Und von dem fatalen Fehler, die Rinder des „Sunni Heli“ (Helios, der Sonnengott) zu schlachten. Und wie Odysseus und „seine Freind“ so lange rumirren mussten, nur weil der Poseidon so eine „greislicha Wuad“ auf ihn gehabt hat. Spannend anzuhören, aber anstrengend, da sich der erste Teil ziemlich lange hinzog und der bayerische Dialekt volle Konzentration beim Zuhören verlangte (nicht nur  „Nicht-Bayern“). 

Scheinbar zu anstrengend, denn leider verließen einige Zuschauer den ohnehin nur halbvollen Theatersaal bereits zur Pause. Doch die, die „durchhielten“, wurden belohnt. Denn in der zweiten Hälfte gewann die Geschichte deutlich an Fahrt, wurde auch die Vortragskunst Hübners noch augenfälliger, als er die Heimkehr des Helden lebendig werden ließ. Was alles passierte, als der Odysseus heim zu seiner Peny (Penelope) und dem Telemax (Telemachos, beider Sohn) kam, ließ Hübner vor den Augen des Publikums entstehen, zauberte nur mit seiner Stimme den heruntergekommenen Palast in den Saal, und sämtliche blutigen Details des „Hochzeitsschlachtfestes“. 

Ein Abend für die Phantasie, ein Abend für diejenigen, die sich gerne Geschichten erzählen lassen, ohne Effekte, ohne billige Gags, ein Stadttheaterabend zur „Entschleunigung“ mit einem wunderbaren Vortragskünstler. Patricia Eckstein

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