"Wir müssen uns freischwimmen!"

Einen prall gefüllten Fresskorb erhielt Ex-Oberbürgermeister Ingo Lehmann von den SPD-Ortsvorsitzenden Susanne Schwarz und Steven Kalus (rechts). Foto: Kruse

Eine emotionale Verabschiedung von Ex-Oberbürgermeister Ingo Lehmann hat es bei der Mitgliederversammlung der SPD Landsberg nicht gegeben. „Man wird in Landsberg erst in den nächsten Jahren sehen, was Du an Arbeit und Kraft investiert hast“, gab der Ortsvorsitzende Steven Kalus Leh­mann mit auf den Weg. „Viele bayerische Städte wären froh, wenn sie einen Oberbürgermeister wie dich hätten.“

Der Gewürdigte, Lehmann, wollte den in der Tagesordnung vorgesehenen „Ausblick“ nicht liefern: „Ich werde jetzt sicher nicht als ,Elder Statesman‘ Ratschläge erteilen“, sagte er und räumte ein: „Ich habe mir den Abschied aus dem Amt anders vorgestellt. Aber man kann sich an den Zustand gewöhnen.“ Dem „Rückblick“ verweigerte sich der Ex-OB dann nicht. Und aus diesem leitete er eine teilweise düstere Zukunftsprognose ab. „Im Zeitalter immer massiverer anonymer Angriffe wird es immer schwerer werden, große Projekte durchzubringen“, warnte er. Dabei könne es auch nicht „immer danach gehen, was die Mehrheit will. Denn sonst hätten wir den Hauptplatz nie so weit gebracht, wie er jetzt ist, da hatten wir auch keine Mehrheit.“ Nur noch soft reden? Eine ausführliche Debatte gab es um anonyme Kritik am ehemaligen Oberbürgermeister und seinen Stadträten in Internetforen. „Diese Angriffe wirken indirekt und gehen in die Köpfe der Leser und der Journalisten, selbst wenn man sagt, da ist nichts dran“, so Lehmann, der für die Zukunft ahnt, „dass alle im Stadtrat nur noch ,soft‘ reden, weil sie Angst haben, dass sie ansonsten in der Öffentlichkeit niedergemacht werden. Wir werden uns überlegen müssen, wie wir mit dieser Aggressivität umgehen.“ Ruth Sobotta befürchtete ebenfalls: „Die Gefahr, dass Leser dadurch manipuliert werden, ist sehr hoch.“ Vorstandsmitglied und Jurist Felix Bredschneijder wies darauf hin, dass man Angriffen nicht schutzlos ausgesetzt sei. „Eine Praxis in Nürn­- berg hat es auf dem Rechtsweg geschafft, einen Eintrag auf einer Bewertungsplattform löschen zu lassen.“ Er sei Leh­mann dankbar, dass er die Debatte angestoßen habe. Kreisvorsitzender Dr. Albert Thurner nahm die Diskussion zum Anlass für eine Kampfansage vor allem an die Piratenpartei. „Wir werden uns dazu einiges überlegen und Argumentationslinien gegen die Pferdefüße aufbauen, die die Piraten im Programm haben – und das sind einige.“ Mit den Vorstellungen der Freibeuter mag sich auch SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Völkel nicht anfreunden. „Die Forderung nach völliger Transparenz bedeutet vor allem ein sehr großes Misstrauen.“ Noch kein Wahlkampf Für die SPD im Stadtrat gelte es nach zwölf Jahren mit OB Lehmann, „sich jetzt freizuschwimmen“. So kündigte Völkel an: „Wir werden unsere Positionen pointiert vertreten. Es wird nicht einfach werden, sie durchzusetzen, aber auch das werden wir hinkriegen.“ Für ihn habe der Stadtrats-Wahlkampf aber noch keineswegs begonnen. „Da muss man jetzt schon einmal die Kirche im Dorf lassen, das sind noch fast zwei Jahre, da muss erst einmal gearbeitet werden.“ Die Hauptbetätigungsfelder sprach Völkel auf Nachfrage der Mitglieder ebenfalls an. „Beim Radfahren in der Innenstadt können wir nicht allen Punkten zustimmen, die die Grünen und der ADFC vorschlagen, das wird ein heißes Thema werden.“ Zur Brücke am Mutterturm stehe man nach wie vor, „ich habe aber den Eindruck, bei anderen ist das nicht so. Ich befürchte, das Projekt wird gerade auf die lange Bank geschoben.“ Klare SPD-Position beim Heilig-Geist-Spital: „Die Frage ist, ob bei einigen die Aussagen aus dem Wahlkampf zu halten sind. Wir wollen dort die 30 Pflegeplätze erhalten“, so Völkel. „Das Spital gibt es in Landsberg seit 650 Jahren. Man kann jetzt nicht alles nur daran setzen, unbedingt schwarze Zahlen zu schreiben.“

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