"Wir probieren’s einfach mal aus!"

Enttäuschend: Gerade mal zehn Gastronomen aus Landsberg interessierten sich für Details zur Umsetzung der neuen Außenbewirtungssatzung der Stadt. Foto: Kruse

Eine „Bereicherung des Nacht- und Kulturlebens und ein Stück Lebens­- qualität“ erhofft sich Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) durch neue Außen­bewirtungs-Satzung. Auf Beschluss des Stadtrates dürfen die Gastronomen ihre Gäste eine Stunde länger, also bis 23 Uhr, unter freiem Himmel bewirten. Dass die Sache rechtlich gesehen auf dünnem Eis stattfindet, machten Neuner und Ernst Müller, Referatsleiter des Amtes für Öffentliche Sicherheit und Ord­- nung deutlich. „Wir appellieren deshalb an die Vernunft der Gäste und der Wirte“, so der OB bei einer Info-Veranstaltung für die Gastronomie.

Der Wunsch, bei schönem Wetter länger draußen sitzen zu dürfen, war oft an Mathias Neuner herangetragen worden – „gar nicht einmal so sehr von den Wirten, sondern von Gästen.“ Mit Verwaltung und Stadtrat machte der Oberbürgermeister jetzt den Weg frei, in Kraft getreten ist die neue Satzung bereits: „Sie können das sofort ausprobieren.“ Müller erläuterte den Hintergrund der Liberalisierung. „Wir haben die gesamte Außenbewirtung den Biergärten gleichgestellt. Aber wir können das Bundes-Emissionsschutzgesetz damit nicht aushebeln.“ Das schreibt vor, dass jeder Bürger ab 22 Uhr das Recht auf seine Nachtruhe hat. Für den Fall, dass es dadurch mit Anwohnern Konflikte gibt, schildert Müller ein mögliches Szenario: „Gibt es wiederholte Beschwerden, werden wir eine Lärmmessung durchführen müssen. Dann kann für einen einzelnen Betrieb die Sperrzeit für die Außenbewirtung wieder auf 22 Uhr festgelegt werden.“ Verwaltung und Politik hoffen aber, dass es so weit gar nicht kommt. Referatsleiter Müller an die Wirte: „Wir müssen sensibel damit umgehen. Nehmen Sie Beschwerden ernst, sprechen Sie mit den Anwohnern, dadurch lässt sich das Problem erfahrungsgemäß oft schon erschlagen. Und kommunizieren Sie frühzeitig mit dem Ordnungsamt.“ Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Nachbarn vor Gericht oft Recht bekommen und die Öffnungszeiten so stark verkürzt wurden, dass ein Club in Landsberg schließen musste. Eindeutig sind daher auch die Spielregeln. Müller: „Der Ausschank ist bis 22.30 Uhr erlaubt, um 23 Uhr müssen die Gäste weg sein.“ Auch das Aufräumen müsse bis dahin beendet sein, und: „23 Uhr heißt 23 Uhr, nicht viertel nach elf oder halb zwölf. Große Kulanzzeiten wird es nicht geben, das muss ich klar sagen.“ Das sei auch mit der Landsberger Polizei so abgesprochen, sie werde weiterhin gelegentliche Kontrollen vorneh­men. OB Neuner hofft, dass sich „die Lust draußen zu sitzen und das Recht der 2000 Einwohner der Innenstadt auf einen ruhigen Schlaf“ ausbalancieren lassen. Falls das nicht klappt, sei die Satzung „jederzeit revidierbar“. Erst einmal sieht er die Neuerung aber positiv. „Ich freue mich, länger draußen sitzen zu können. Ein Miteinander ist in dieser Sache meiner Meinung nach Ziel und durchaus möglich. Jetzt probieren wir's diesen Sommer einfach mal aus.“

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