"Wir wollen sie nicht isolieren!"

Bereits am Freitag fuhr der BRK-Lastwagen mit den ersten Einrichtungsgegenständen für die Asylbewerberunterkunft in der Schlesierstraße vor.

Die Weisung der Regierung Oberbayern ging am Mittwoch vergangener Woche im Landratsamt ein: 20 Asylbewerber aus Afghanistan, dem Kongo und aus Serbien sind in der ersten oder zweiten Dezemberwoche aufzunehmen. In zwei kreiseigenen Mehrfamilienhäusern in Kaufering wird das der Fall sein. Die Vorbereitungen laufen derzeit auf Hochtouren.

Unmittelbar nach Eingang der Zuweisung ließ Landrat Walter Eichner einen Sachverständigenstab bilden. Thomas Szczepkowsi, Leiter der Sozialverwaltung, Ernst Schilcher, Sachgebietsleiter für das Ausländerwesen, Christine Jarisch, Abteilungsleiterin Öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Tamara Weise, Leiterin der Liegenschaftsverwaltung, hätten „alles stehen und liegen gelassen“, um sich erst einmal ganz der neuen „Terminsache“ zu widmen. Schließlich wolle man den Neuankömmlingen, „die wohl alle Schlimmes hinter sich haben“, einen freundlichen Empfang bereiten, so Eichner. Das bedeute zunächst Wohnraum bereitzustellen, der ein menschenwürdiges Leben erlaube. Einen „glücklichen Umstand“ nennt es der Landrat, dass es gerade jetzt zwei kreiseigene Liegenschaften gäbe, auf die man in der besonderen Situation zurückgreifen könne: zwei Mehrfamilienhäusern in der Schlesierstraße in Kaufering. Dort stünde man gerade „mitten im Entmietungsprozess“, begründet Tamara Weise ihren Vorschlag, die beiden Gebäude als vorübergehende Unterkunft für die Asylbewerber zu nutzen. Eigentlich sollten die Häuser abgerissen werden. Doch nun kommt es anders: Vier der sieben mittlerweile leerstehenden Wohnungen in den Häusern Schlesierstraße 11 und 13 werden jetzt wieder instandgesetzt. Thomas Szczepkowski ist froh, mit dem Roten Kreuz einen starken Partner zur Bewältigung der umfangreichen Aufgaben an seiner Seite zu wissen. „Ehrenamtler des BRK werden die vier Wohnungen an Wochenenden herzurichten“. Auch das Sozialkaufhaus BiLL werde man mit ins Boot nehmen. „Wir brauchen Öfen, die komplette Einrichtung, und dann hapert’s noch in den Bädern.“ Eine Familie sei auch unter den Flüchtlingen, fügt Eichner hinzu. Das Kompetenz-Pflichtgefüge zwischen Staat und Kommunen beschreibt Thomas Szczepkowski mit der einfachen Formel: „Der Staat erlässt die Weisung und trägt die Kosten; die Kommunen übernehmen die Abwicklung.“ Teil der Vorbereitungen sei es, dafür zu sorgen, dass den Asylbewerbern bei ihrer Ankunft ein Muttersprachler zur Seite steht, erläutert der Leiter der Auslän­­- derbehörde Ernst Schilcher. „Irgendjemand muss da sein, der den Leuten erklärt, wie man die Waschmaschine betätigt, wo der Müll hinkommt – alles ist für die Leute neu, es gibt so viele Fragen.“ Laut Verteilerschlüssel ist der Landkreis Landsberg verpflichtet bis zu 81 Asylbewerber aufzunehmen. Dass es, nach Zusage der Regierung, zunächst bei den angekündigten 20 Personen bleibt, liegt daran, dass man das Ergebnis einer Überprüfung der Stadt Landsberg abwarten will, inwiefern die ehemalige Lechrainkaserne als künftige Gemeinschaftsunterkunft in Betracht kommt. Grundsätzlich seien solche „GUs“ zu bevorzugen, da in ihnen die Betreuung der Asylbewerber leichter zu organisieren sei, meint Eichner. Im Falle einer Unterbringung in der Lechrainkaserne müsse allerdings die Stadt sicherstellen, dass eine Anbindung der Unterkunft an den öffentlichen Personennahverkehr erfolgt. „Der Zugang zum ÖPNV“, ergänzt Christine Jarisch, sei ein ganz wesentliches Auswahlkriterium für die Standorte von Asylbewerberunterkünften. Deshalb kämen im Landkreis nur drei mögliche Orte infrage: Kaufering, Geltendorf und die Stadt Landsberg. Die Forderung nach einer „menschenwürdigen Unterbringung“, erläutert Jarisch, beziehe sich nicht nur auf die konkreten Wohnverhältnisse, sondern nehme die gesamte Lebenssituation der Asylbewerber in den Blick. „Die Menschen sollen jederzeit die Möglichkeit haben zum Arzt zu gehen. Wir wollen sie nicht isolieren.“

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Ein Blick über den Tellerrand

Dießen – „Wenn ich an seinem Ufer steh weiß ich, ich liebe ihn, den Ammersee“ – mit einer Hymne auf Dießen und den Ammersee, gesungen und gespielt …
Ein Blick über den Tellerrand

Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Landsberg – Er ist zweifellos der vielseitigste aber auch streitbarste Schauspieler und Filmemacher Deutschlands: Til Schweiger. Mit rund 50 …
Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Kommentare