Wirtin mit Leib und Seele

Drei Generationen: Antonia Stangl (Mitte) feiert ihren 90 Geburtstag unter anderem mit ihrer Tochter Resi Gerum (links) und mit der jüngsten Enkelin Anna Lampl, stellvertretend für die acht Enkelkinder. Foto: Bentele

Wer die Telefonnummer 317 in Dießen wählt, hat ein bekanntes Dorfwirtshaus an der Strippe: Das Gasthaus zur Post im Ortsteil Dettenschwang. Im Jahr 1914 ist das Telefon eingerichtet worden – acht Jahre später, am 16. August 1922, kam hier Antonia Stangl auf die Welt. Bei ihrem 90. Geburtstag erzählt die legendäre Wirtin aus ihrem Leben: „Das einzige, was sich in der langen Zeit nicht verändert hat, ist die Telefonnummer.“

Antonia „Dona“ Stangl ist Wirtin mit Leib und Seele. Tag für Tag ist es ihr größter Wunsch, dass die Gäste zufrieden sind, dass es ihnen schmeckt und vor allem gut geht im Wirtshaus vis-á-vis von Kriegerdenkmal und Dorfkirche. Früh morgens steht sie auf und schürt den Küchenherd an. Dann stellt sie zusammen mit Tochter Resi Gerum den Speiseplan auf und die Einkaufsliste zusammen. Und zum Sonntag überlegt sie immer genau, „dass was b’sonders Guats auf den Tisch kommt.“ Die Küche ist ihr Reich, aber sie verwaltet auch die Kasse und schafft grundsätzlich an, was Sache ist. Zum 90. ist das Wirtshaus für die Öffentlichkeit zu, da feiert die große Familie und Dona erzählt, wie sie als junges Mädchen – damals noch Antonia Unsinn – in die Mittelschule nach Klosterwald geschickt wurde. Die Kriegsjahre beendeten die höhere Schulbildung. Antonia musste heim. Die Mutter war tot und mit 16 ging sie dem Vater in der Landwirtschaft und im Wirtshaus zur Hand. Nebenbei musste sie noch Onkel und Tante im fortgeschrittenen Alter mit versorgen. 1950 heiratete sie Xaver Stangl, der in Nachbarschaft aufgewachsen ist und als Metzger dann noch eine Metzgerei im Wirtshaus einrichtete. Ihre vier Kinder Hubert, Trudel, Lisa und Resi sind im Wirtshaus auf die Welt gekommen. Dona erzählt: „Kurz vor der Niederkunft hat man die Arbeit eingestellt, dann kamen für eine Woche Schwestern vom Dritten Orden zur Aushilfe. Danach ging’s weiter mit der gewohnten Arbeit.“ Wirtshaus, Landwirtschaft, Metzgerei, Postamt – und immer mit der Nase vorn im Dorf. Den ersten Fernseher gab’s beim Xari in der Wirtsstub’n. Der stand neben den Schießscharten vom Schützenverein. „Da ist es eng g’wesen in der Stubn.“ Das erste Telefon brachte viel Arbeit: Wenn in Dettenschwang jemand angerufen wurde, musste die Wirtsfamilie die Botschaften weiter­geben. Und Bayerns ehemaliger Finanzminister Kurt Faltlhauser kehrt noch heute gerne bei „seiner Dona“ ein. Während und nach dem Krieg lebte er zeitweise bei seiner Tante Anni Faltlhauser, die in Dettenschwang Lehrerin war. Aufgezogen und verköstigt wurde er von Antonia Stangl.

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