Keine "isolierten Ghettos"

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In der Schlesierstraße in Kaufering will der Landkreis 2016 Sozialwohnungen bauen.

Landsberg – Bezahlbare Wohnungen werden in Stadt und Landkreis immer knapper. Andererseits steigt die Zahl der Neubürger, aber auch der sozial Schwachen und der anerkannten Flüchtlinge, die günstigen Wohnraum suchen. Wie die Situation entspannt werden kann, war am Dienstag Thema einer Gesprächsrunde, zu der der Arbeitskreis Freie Wohlfahrtspflege eingeladen hatte.

In den Räumen der BRK-Geschäftsstelle trafen sich Vertreter der Wohlfahrtsverbände mit Landrat Thomas Eichinger, OB Mathias Neuner und Roman Dienersberger, Sachgebietsleiter Wohnungswesen bei der Regierung von Oberbayern. 

Alois Handwerker, Geschäftsführer der Caritas in Landsberg, gab zunächst einen Überblick über die aktuelle Lage sozial Schwächerer auf dem Wohnungsmarkt. Für sie würden die Schwierigkeiten immer größer. Über 100 Personen, die unter den Oberbegriff „Menschen in besonderen Lebenslagen“ fallen, stehen derzeit allein in der Stadt auf der Liste der Wohnungssuchenden, aus den Landkreisgemeinden gibt es keine entsprechenden Zahlen. 

Zu den Betroffenen gehören Obdachlose, psychisch Kranke, Menschen mit Behinderung, Großfamilien und Senioren, anerkannte Flüchtlinge, die mangels Alternative noch immer in den Asylbewerberunterkünften leben (sogenannte Fehlbeleger), aber auch Alleinerziehende, Singles, Schüler und Studenten. Manche würden bis zu drei Jahre suchen. 

Über 450 Sozialwohnungen verfügt der Landkreis, einige weitere werden hinzukommen. Landrat Eichinger sprach von „kleineren Maßnahmen, die aber fundamental keine Entlastung bringen“. Das Entscheidende sei aber nicht die Schaffung von sozialem Wohnraum, sondern von Wohnraum überhaupt. „Günstiger Wohnraum wird frei, wenn neuer geschaffen wird.“ Dadurch ergebe sich auch eine bessere Durchmischung der Bevölkerung. Auch OB Neuner will keine „isolierten Ghettos für arme Leute“. Er rechnete vor, dass die Stadt 30 bis 40 Millionen Euro jährlich in den Wohnungsbau stecken müsste, um allein den Zuzug aufzufangen. „Das ist völlig unmöglich.“ Was die Kommune aber tun könne, sei, Bauflächen auszuweisen. Man befinde sich aber auch im Spannungsfeld zwischen Flächenfraß, der zu vermeiden sei, und allzu massiver Nachverdichtung. 

Laut Roman Dienersberger hat der Freistaat aktuell seine Fördermittel für Wohnungsbau auf 270 Millionen Euro im Jahr aufgestockt, die nach zwei unterschiedlichen Modellen verteilt würden. Die Kommunen könnten zusätzlich eigene Förderprogramme auflegen, kostengünstige Grundstücke anbieten und als Projektträger auftreten. Alois Handwerker kann sich vorstellen, dass Genossenschaften oder Stiftungen sozialen Wohnungsbau vorantreiben. 

Eine landkreisweite Genossenschaft, die auch bereits bestehende Sozialwohnungen verwalten könnte, brachte Kreisrätin Renate Standfest ins Gespräch. Von privaten Investoren ist für Landrat Eichinger jedenfalls nichts zu erwarten. „Sozialer Wohnraum ist kein Geschäftsmodell.“

Ulrike Osman

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