Seehofer, Stoiber und der Schorsch

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Zum Schluss des Abends singt auch ein Horst Seehofer: Wolfgang Krebs und die Bayerischen Löwen.

Kaufering – Schon der (musikalische) Auftakt der Bayerischen Löwen ist furios – in der Besetzung mit zwei Trompeten, zwei Basstrompeten und der Tuba. Im zweiten Lied bringen die fünf Musikanten aus Straubing das Loblied auf die Technik im Haushalt: „Mit’m Thermomix geht ois fix“. Dann ist es aber Zeit für den bayerischen Defiliermarsch. Wolfgang Krebs, bekannt als Parodist von Stoiber und Seehofer, tritt in der Lechauhalle in Kaufering „vor 3000 Gästen“ auf die Bühne; diese Zahl sei vom ADAC geliefert worden, frotzelt der Kabarettist.

Bleiben wir bei der Wahrheit: Es sind gut 300 Leute an diesem Abend, der unter dem Motto steht „Marsch und Ministerpräsidenten – so a Riesengaudi“. Die Baustellen und der Stau auf der A 96 von München nach Landsberg seien der Grund dafür, dass doch noch etliche Stühle leer geblieben seien, sorgt Krebs für Heiterkeit im Saal. Als Ministerpräsident werde ein Horst Seehofer dafür sorgen, dass in Landsberg und Kaufering noch mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Dann brauche keiner mehr „in die Stadt zu fahren, in die eh keiner will“, lästert der Kabarettist, der selbst auf dem Land wohnt, in seiner Rolle als Landesvater.

Viel Politisches kommt an diesem Abend auf das Tablett. Da meint ein Horst Seehofer über Umweltministerin Ulrike Scharf: „Der Name ist Programm“. Sie sei die schärfste in der Staatsregierung. Die ehemalige Chefin der Staatskanzlei, Christine Haderthauer, bekommt ebenso ihr Fett weg wie Verkehrsminister und Wahlkreisabgeordneter Alexander Dobrindt. Der verkaufe das Thema Maut gar schlecht. Und im Fernsehen, da tauge der Dobrindt allenfalls „als Dummy für den siebten Sinn.“ Krebs lässt den bayerischen Landesvater auch über die politische Zukunft spekulieren. Mit Blick auf die Wahl 2018 erklärt dieser eindeutig zweideutig: „Ich kandidiere nicht mehr – aber auch nicht weniger“.

Aus dem Lachen gar nicht mehr heraus kommen die Zuhörer in der Lechauhalle, wenn Krebs den Ex-Ministerpräsidenten Stoiber gibt, in dessen Rede ein Versprecher auf den anderen folgt. „Das Fundament ist die Basis aller Grundlagen“, gibt Krebs in seiner Paraderolle zu verstehen. Er nimmt den Begriff vom „ausgeglichenen Saustall“ in den Mund und ver- bessert sich stotternd: „ausgeglichener Haushalt“. Bester Politwitz ist der Ausspruch: Griechenland hat die Demokratie erfunden. Darauf verzichten wir in Bayern seit Jahren aus gutem Grund.“

Mittlerweile „vögeln es die Pfeifen von den Dächern“, was Stoibers politische Bedeutung („die Lady Gaga der bayerischen Politik“) als Zugpferd in Bierzelten angeht. Insofern sei es angezeigt, die Lechauhalle in Kaufering in die Edmund-Stoiber-Halle umzubenennen. Der Übergang am Lech sollte bei gleicher Gelegenheit zur Franz-Josef-Strauß-Brücke deklariert werden. Ein Lob für Kaufering hat der Stoiber in seiner Rede auch parat, wenn er von „diesem schönen Ort hinter den Lärmschutzwänden spricht. Günther Beckstein, den Krebs viele Jahre parodiert hat, kommt beim Auftritt in Kaufering gar nicht mehr vor. Jeweils nur mit ein oder zwei Sätzen imitiert der 48-jährige Kabarettist den Ex-Kanzler Kohl, den früheren Außenminister Genscher und den so staatsmännisch auftretenden Bundesprä- sidenten Gauck.

Vereinsmeier

Die dritte Hauptrolle neben Seehofer und Stoiber kommt in Krebs aktuellem Programm der Figur des Scheberl Schorsch zu, der als Vorsitzender aller 30 Vereine in seinem altbairischen Heimatdorf die geballte Intelligenz auf sich vereint. Und der ebenfalls einen Wortdreher nach dem anderen hervorbringt – etwa Schnitzelschnackselheizung“ anstatt der Hack- schnitzelheizung. Oder der nach dem alles andere als wohlklingenden Choral „Ich hatt‘ einen Kameraden“ mit Kranz auf die Bühne kommt und die Trauerrede für den verstorbenen „Dankwart“ halten darf, die er mit den Worten „Liebe Hintergangenen“ einleitet.

Der Abend mit Wolfgang Krebs und den Bayerischen Löwen in Kaufering: Der Polit-Parodist aus dem Allgäu zeigt sich ebenso in Top-Form wie die fünf frisch und frech spielenden Musikanten der Formation Bayerische Löwen, die auch den „Kini“ aufs Korn nehmen. Die fünf Männer können auch vorzüglich A cappella singen.

Deftige Sprüche und knackige Wortverdreher des Haut- ptakteurs wechseln mit deftigen Stücken des Bläser- und Sängerquintetts – eine stimmige Mischung. Und dass Wolfgang Krebs neben den Polit- größen Seehofer und Stoiber auch die Nummer mit dem gar so gschaftig daherredenden Vereinsvorstand Schorsch Scheberl im Programm hat, ist allemal eine Bereicherung. Der Kabarettist schaut eben nicht nur Politgrößen, sondern genauso dem normalen Volk aufs Maul.

Johannes Jais

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