Wunderbare Poesie des Alltags – Der weiße Neger Wumbaba: Axel Hacke begeistert im Stadttheater

Der Journalist und Schriftsteller Axel Hacke hat schon ein ganz besonderes Publikum. Nicht die kulturbeflissenen Theatergänger aller Altersstufen sind es, sondern vor allem hübsche Damen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren. Sie waren vergangene Woche in großer Zahl ins Theater der Lechstadt geströmt, um dem Meister des geschliffenen Wortes und der geistreichen Sätze zuzuhören. Manche staunt wie bequem es sich dort sitzt. War wohl noch nicht oft hier. Außerdem schafft Autor Hacke es offensichtlich mit Leichtigkeit das Haus zu füllen. Es gab bei seiner Lesung im Theater wirklich keinen einzigen Sitzplatz mehr, auch der letzte war verkauft.

Vor der nicht geöffneten Abendkasse standen verzweifelte Besucher. Sie hätten gerne noch eine Karte erwischt. Wären wohl auch bereit gewesen, etwas mehr zu bezahlen. Sogar eine eigene völlig unbequeme erste Reihe vor der ersten Reihe hat der Veranstalter aufgestellt. Wer dort saß, hatte das Erlebnis von Hacke pur – und am nächsten Tag einen steifen Nacken. Zwei Halbzeiten liest der attraktive Mann, dazwischen gibt’s eine Pause. Eine Viertelstunde. „Wie beim Fussball“, sagt er. Hacke, geboren 1956 in Braunschweig, schreibt sehr komische Geschichten. Seit vielen Jahren hat er sich mit seinen Texten im Magazin der Süddeutschen Zeitung eine treue Fangemeinde geschaffen. Seine Unterhaltungen mit Bosch, dem getreuen Kühlschrank, kennen hunderttausende Leser. Wie gerne würde Bosch sich doch mal mit anderen Kühlschränken beim Einkaufen treffen. Etwas anderes, Neues erfahren. Oder auch mal einen Rotwein kühlen. Hacke stellt aus Mitleid ihm dann eine Rotweinflasche in den Kühlschrank. Selbst wenn man das nicht macht. In der Geschichte von der Nachweihnachtszeit, dieses Zeitintervall, das unbedingt aus dem Schatten von Vorweihnachtszeit und Weihnachten gerissen werden muss, stellt Hacke fest, dass außer ihm und seiner Frau Paola offenbar noch drei weitere Personen in seinem Haushalt wohnen: „Herr man“, „Frau jemand“ und „Herr einer“. „Jemand sollte, einer könnte, man müsste mal.“ Diese Sprüche kennen wir alle. Das Passiv für Partner Darüber hinaus fasst Hacke Beziehungsmuster in dem wunderbaren Neologismus, dem sogenannten „Partnerschaftspassiv“ zusam- men. Da heißt es dann: „Die Christbaumkugeln müssten weggeräumt werden.“ So kann man dem Partner Dinge sagen, ohne ihn direkt anzusprechen… Seine Beobachtung der deutschen Sprache lässt ihn von „der wunderbaren Kraft des Deutschen“ sprechen, „wenn man die Grammatik weglässt“. Hier nimmt Hacke mit Freude auf die berühmte Rede des ehemaligen FC Bayern-Trainers Giovanni Trappatoni Bezug. Das Gelächter ist groß, Szenenapplaus ihm sicher. Das Ding vom Chef Was für wunderbare Sachen er doch von seinen Lesern per Post zugeschickt bekommt. Die unsäglichen Übersetzungsfehler in Speisekarten, wo zum Beispiel bei „Onionrings“ „Zwiebel ruft an“ steht, oder „Das Ding vom Chef“ schon eher anzüglich wirkt, was auch immer sich hinter dieser Speise verbirgt. Auf einer Karte in Abbano hatte ein Leser ein Gericht gefunden, das „Schwanz des Angler“ heißt. Da ist Vorsicht geboten. Schließlich die „Verhörer“ in der zweiten Halbzeit. Sie sind ja schon legendär, wie der weiße Neger „Wumbaba“. Hacke hat eine Hitliste aufgestellt. Die führt der bestaunenswerte „Herr Bert Grönemeyer“ mit seinen „Fruchtzwergen im Bauch“ an. Auf Platz 4 tummelt sich Udo Jürgens, der „müde ist von den andern“, wie er seiner Angebeteten zuflüstert. Der Südafrikaner Howard Carpendale singt auch nicht „deine Spuren im Sand“, sondern von „Schweinespuren im Sand“. Das Publikum biegt sich vor Lachen und gibt kräftigen Applaus. Helmpflicht für Raben Hackes Stärke ist das genaue Beachten der Fehler beim Schreiben und Sprechen, aber auch eine ungebändigte Lust am Phantasieren und Weiterentwickeln eines Gedankens. Bei ihm haben die Raben, die Nüsse knacken ein eigenes Leben, stehen vor Zebrastreifen und warten bis ein Auto kommt und ihnen die Nüsse öffnet, deren Mus sie sodann zu sich nehmen. Diese Geschichte nimmt ihren Ausgangspunkt von einer realen Gegebenheit, der Beobachtung, dass Raben es offensichtlich verstanden haben, sich Nüsse, derer sie mit ihren Schnäbeln nicht habhaft werden, durch Autoreifen knacken zu lassen. Hacke landet schließlich bei nationalen Eigenheiten wie der Helmpflicht für nüsseknackende Raben in Deutschland. Das Geheimnis seines Erfolges bei öffentlichen Auftritten ist wohl seine angenehme Sprechstimme und die gute Art vorzutragen. Das mögen Frauen. Einen gutaussehenden Mann, der wohlgeformte kluge Sätze sagen kann und das noch mit einer Stimme, die sie zart umschmeichelt. Auch in Landsberg…

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