IHK schlägt Alarm:

Den Betrieben gehen die Azubis aus

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Während anderswo „die Azubis ausgehen“, stehen Ausbildungsplätze bei Hirschvogel Umformtechnik in Denklingen (Foto) nach wie vor hoch im Kurs.

Landkreis – Trotz aller Anstrengungen in der Lehrlings- Akquise haben die Unternehmen im Landkreis 2014 weniger Ausbildungsverträge ab- geschlossen: Insgesamt stellten die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung bis Jahresende 408 Auszubildende neu ein, drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dies geht aus der aktuellen Ausbildungsstatistik der IHK für München und Oberbayern hervor. Damit liegt die Region über dem oberbayerischen Durchschnitt, wo die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge insgesamt um ein Prozent gesunken ist.

„Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen. Doch es gehen ihnen schlichtweg die Azubis aus und stellt die Betriebe bei der Fachkräftesicherung vor riesige Probleme“, sagt Herbert Klein, Vorsitzender des IHK-Gremiums Landsberg-Weilheim-Schongau. Dieses Dilemma spiegelt sich auch in der aktuellen Online-Umfrage der IHK München unter 900 Unternehmen zum Thema Ausbildung wider: Danach plant die Hälfte der Befragten die Anzahl ihrer Ausbildungsplätze in diesem Jahr konstant zu halten, zwölf Prozent wollen weniger Stellen anbieten. Ein Viertel der befragten Firmen begründet die Reduzierung des Lehrstellenangebots in in diesem Jahr mit dem Mangel an Bewerbern.

„Das Problem geht quer durch alle Branchen“, weiß Klein. Besonders groß sei der Azubimangel im Landkreis Landsberg in den gewerblich-technischen Berufen (minus 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) gewesen und hier vor allem bei den Betrieben der Me­talltechnik (minus 7 Prozent). Aber auch Hotellerie und Gastronomie sowie die Banken hätten deutlich weniger Lehrlinge gefunden.

Insgesamt wurden der Arbeitsagentur im vergangenen Jahr (Stichtag 30. September) 661 freie Ausbildungsplätze für den Landkreis Landsberg gemeldet. Davon blieben jedoch mehr als 150 unbesetzt. Gleichzeitig wurden nur noch 73 unversorgte Ausbildungsbewerber verzeichnet.

„Es ist höchste Zeit, zu handeln“, mahnt Klein. Erforderlich seien vor allem gesellschaftliches Umdenken und die Abkehr vom vorherrschenden Akademisierungswahn. „Die duale Ausbildung muss wieder als attraktive und echte Alternative zum Studium wahrgenommen werden“, fordert der IHK-Gremiumsvorsitzende. Noch immer würden die Karrierechancen nach der betrieblichen Ausbildung und die Fortbildungsmöglichkeiten über Meisterkurse bis zum Hochschulstudium unterschätzt.

Aber auch die Betriebe müssten die Ausbildung noch stärker zur Chefsache machen und auch neue Bewerbergruppen ansprechen. Klein empfiehlt allen Unternehmen, frühzeitig auf Schüler zuzugehen, auch Absolventen mit weniger guten Noten eine Chance zu geben und neue Angebote wie Duales Studium und Teilzeitausbildungen einzuführen. Darüber hinaus müssten auch Studienab- brecher stärker in den Fokus der Ausbildungsbetriebe rücken.

Insgesamt sind derzeit 247 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Landsberg in der Ausbildung aktiv und stehen für fast 50 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.

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