Hochansteckend:

Masern bremsen Prüflinge

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Nur keine Infektion vortäuschen…

Kaufering – Ausnahmezustand an der Realschule Kaufering: Ein Zehntklässler hat die Masern, was ausgerechnet am Tag vor der Abschlussprüfung bekannt wurde. Für die Schule eine organisatorische Herausforderung.

Weil ein Dutzend weitere Abschlussschüler gar nicht oder nicht ausreichend geimpft waren, mussten sie die Prüfung getrennt von ihren Mitschülern schreiben. Dafür wurden zusätzliche Räume samt Ausstattung und Aufsichtslehrern benötigt. Lachende Dritte waren die jüngeren Schüler: Zwei Jahrgänge erhielten auf Grund des Personalengpasses einen Tag schulfrei.

Doch der Reihe nach. Am Dienstag vergangener Woche wurde der Masernfall bekannt. Der betroffene Zehntklässler war, so das Gesundheitsamt, noch mehrere Tage in die Schule gekommen, obwohl er bereits erkrankt war – eine Gefahr für sechs seiner Mitschüler, die ohne Impfschutz sind, und sechs weitere, die nur eine statt der üblichen drei Impfungen haben. Die Schule schaltete das Gesundheitsamt ein, denn Masern sind eine hochansteckende Krankheit, die unter Umständen zu Mittelohr-, Lungen- oder Gehirnentzündungen führen kann.

Nach dem Infektionsschutzgesetz hätten die nicht geimpften Zehntklässler nun zu Hause bleiben müssen. „Aber wir wollten für die Schüler die Prüfung nicht platzen lassen“, sagt Dr. Lorenz Schröfl, Leiter des Gesundheitsamts Landsberg. Allerdings mussten die Jugendlichen von den anderen isoliert werden. So schrieb jeder die Abschlussarbeiten allein in einem Raum des Kauferinger Sportzentrums. Die sechs Schüler mit teilweisem Impfschutz durften immerhin zusammen bleiben.

Bis zum Anschlag

Gruppen-, Umkleide- und Gymnastikräume des Sportzentrums wurden auf die Schnelle mit Schreibtischen und den notwendigen technischen Geräten ausgestattet, etwa mit CD-Playern für Hörverständnisaufgaben in den Fremdsprachen. Rektor Peter Adam: „Wir mussten generalstabsmäßig um­organisieren und haben gearbeitet bis zum Anschlag.“ Er selbst brachte seinen privaten CD-Player von zu Hause mit.

Drei schwangere Lehrerinnen musste Adam aufgrund der Ansteckungsgefahr sofort nach Hause schicken. Weil außerdem zusätzliche Lehrkräfte für die Beaufsichtigung der Prüflinge gebraucht wurden und auch die Pädagogen nicht alle ausreichend geimpft waren, fehlten dem regulären Schulbetrieb auf einen Schlag 13 Lehrkräfte. „Wir konnten am Tag vor der Prüfung unsere ganzen Pläne bezüglich Aufsicht und Zeitmanagement in den Abfall werfen“, so Adam. Kollegen von der Johann-Winklhofer- und der Wolfgang-Kubelka-Realschule halfen aus, sogar aus Fürstenfeldbruck kam Unterstützung. Trotzdem musste so viel regulärer Unterricht ausfallen, dass zwei der unteren Jahrgänge je einen Tag frei bekamen.

„Separieren war die einzige Möglichkeit, dass die Prüfung für alle stattfinden konnte“, so Schröfl. Das Gesundheitsamt handelte in Abstimmung mit dem Kultusministerium, dem Gesundheitsministerium sowie dem Landesamt für Gesundheit. „So etwas ist immer eine Einzelfallentscheidung. Wir haben mit einer gehörigen Portion Vernunft gehandelt.“

Zwei neue Fälle?

Im übrigen habe sich gezeigt, dass das Vorgehen „tausendprozentig richtig“ war. Denn inzwischen gibt es zwei neue Masern-Verdachtsfälle. Zwei Zehntklässler lagen am Montag mit Fieber im Bett und konnten die Mathe-Prüfung nicht mitschreiben, müssen im September zur Nachprüfung.

Ulrike Osman

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