Im Zeichen der "Blauen Blume"

Die Suche nach der „Blauen Blume“ ist zentrales Symbol der Romantik und steht für das Streben nach Erkenntnis der Natur und des Selbst. Diese Erkenntnis konnten in Landsberg Musikbegeisterte in den vielen Konzertveranstaltungen finden, die im Rahmen der „Nacht der Romantik“ am Freitag stattfanden.

17 Veranstaltungen, acht Chöre, ein Philharmonisches Orchester, mehrere kleinere Ensembles sowie hochkarätige Solisten, gekrönt von einer Uraufführung – diese „Kurzformel“ beschreibt bereits den außergewöhnlichen Charakter dieser fünften Klassiknacht. Leider mussten die im Freien geplanten Programmpunkte vor dem starken Regen ins Rathausfoyer „flüchten“, sodass ein Teil des besonderen Flairs, das die vorherigen Klassiknächte ausgezeichnet hatte, nicht aufkommen konnte. Dafür waren Rathaussaal, Pfarrzentrum und natürlich die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt umso besser besucht. Die Besucher hatten die Qual der Wahl zwischen bis zu drei zeitgleich stattfindenden Konzerten verschiedenen Charakters, zwischen Orchester, Chor, Klavierkonzert, Kammermusik, Rezitationen und geistlichen Werken. Den glanzvollen Auftakt bildete Anton Bruckners „Romantische Symphonie“ mit dem Philharmonischen Orchester Bacau unter der Leitung von Johannes Skudlik, im Pfarrsaal brillierte der Pianist Benjamin Moser mit einer Hommage an Frédéric Chopin. Ein reizendes Intermezzo bildete der Landsberger Kinderchor unter der Leitung von Marianne Lösch mit roman­tischen Volksliedern wie „Lustig ist das Zigeunerleben“. Zu „Ehren der Himmelskönigin“, der Patronin der Landsberger Stadtpfarrkirche, interpretierten Klaus Donaubauer (Tenor) und Jürgen Geiger (Orgel) Ave-Maria-Vertonungen. Vom Himmel auf die Erde, zu Mutter Natur, ging es gegen­über im Pfarrsaal, wo Alexander Netschajew romantische Lyrik rezitierte. Ludwig Uhlands, Ludwig Tieck, Wilhelm Müller und Friedrich Hölderlins unsterbliche Verse füllten den Raum, begleitet von den ätherischen Klängen der Harfe, gespielt von der mehrfach ausgezeichneten Kirsten Ecke. Ein Höhepunkt war zweifellos das „Gloria in excelsis Deo“ in der Stadtpfarrkirche. Der Tenor Adrian Xhema, der Landsberger Oratorienchor, und das Philharmonische Orchester Bacau feierten die Ehre Gottes mit Musik von Charles Gounod, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Gustav Mahler und Giacomo Puccini. Den Gegensatz zum jubelnden Gotteslob bildeten die Brahms-Phantasien im Pfarrsaal. Illustriert von Projektionen des gleichnamigen Bilderzyklus von Max Klinger zeigte sich hier ein weiterer Aspekt der Romantik, die Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen, Verborgenen. Im Dunklen, nur erhellt von den Projektionen und den Punktleuchten am Notenpult interpretierten Claudia Reinhard (Sopran), Stephanie Hampl (Mezzo), Manuel Warwitz (Tenor) und Michael Mataj (Bass) das „Schicksalslied“ mit den Text von Friedrich Hölderlin so eindringlich, dass manchem der zahlreichen Zuhörer Schauer über den Rücken liefen. Die Krönung des Abends aber war die Uraufführung des „Landsberger Te Deum“ , einem Auftragswerks des Münchener Komponisten Enjott Schneider anlässlich der Wiedereröffnung der Stadtpfarrkirche und seinem „Freund, musikalischen Wegbegleiter und Inspirator“ Johannes Skudlik ge­widmet. Wie Stadtpfarrer Thomas Rauch in seiner Begrüßung betonte, sei die Musik ein „Schlüssel zum Verständnis des Glaubens, sie öffnet Herz und Seele“. Diesen Anspruch hat das „Landsberger Te Deum“ voll erfüllt. Kaum vorstellbar, dass sich jemand dem vereinigten Klang der rund 200 Mitwirkenden entziehen kann. Acht Chöre, der Landsberger Oratorienchor, das Vocalensemble, Capella Cantabile, der Landsberger Kammerchor, der Jugendkammerchor, Jugendchor, Kinderchor und die Camerata Ignatiana erzeugten einen atem­beraubenden Klang im majestätischen Kirchenschiff, unterstützt vom Philharmonischen Orchester Bacau. Und über allem schwebt die kristallklare Stimme der amerikanischen Sopranistin Sandra Moon, der weiche Tenor von Adrian Xhema ging dagegen (leider) manchmal etwas unter. Der bekannte Filmkomponist Enjott Schneider („Schlafes Bruder“, „Herbstmilch“, „Armageddon“, „Stauffenberg“) hat in seinem „Landsberger Te Deum“ im Wesentlichen zwei Themen aufgegriffen: das Lob der Gottesmutter als Patronin der Stadtpfarrkirche und die mittelalterliche Tradition der Stadt. Ersteres findet sich in den marianischen Klängen des „Salve Re­gina“ – sehr schön interpretiert von sehr jungen Mädchenstimmen, letzteres in der Einbeziehung von Landsknechtstrommeln und Feldpfeifen. So ent­- stand ein facettenreiches Stück, eine Mischung aus zarten, romantischen Tönen, vitalem ambrosischen Lobgesang und einem ganz eigenen, in Teilen volkstümlichen Ausdruck. Die rund 1200 Besucher dankten dem Komponisten mit Standing Ovations für dieses Geschenk an die Stadt und ihre Stadtpfarrkirche. Ein wunderbarer Abschluss eines besonderen Musikerlebnisses, das wieder gezeigt hat, wie lebendig, wie qualitativ hochwertig die Kultur einer vermeintlich kleinen Stadt sein kann.

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