JVA zeigt Höhen und Tiefen

Das 100-jährige Bestehen eines Gefängnisses sei eigentlich kein Grund zum Feiern, sagte Regierungsdirektorin Monika Groß, Leiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Landsberg. Dennoch beging die JVA am Freitag ihr rundes Jubiläum mit einem Festakt in der Anstaltssporthalle. Aus diesem Anlass begaben sich Gäste aus Justiz und Kirchen, Politik und Ehrenamt auf das Gelände hinter Mauern und Stacheldraht.

Kaum ein Gefängnis in ganz Deutschland, das es zu so trauriger Berühmtheit gebracht hat wie Landsberg, befand Ministerialdirektor Hans-Werner Klotz in seiner Festansprache. Dabei hatte sich die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem regelrechten Wettbewerb mit anderen Orten befunden und hatte den Zuschlag für den Bau der Haftanstalt unter anderem deshalb bekommen, weil sie die erforderlichen Grundstücke unentgeltlich zur Verfügung stellte. Damals lag die JVA noch mitten im Grünen, weit weg von der Wohnbebauung. Klotz erinnerte daran, dass bereits in den 20er Jahren Gedanken der Humanität und Resozialisierung im Mittelpunkt des Strafvollzugs standen. Schulunterricht und Arbeit sollten zur „Besserung“ der Häftlinge führen und ihnen nach ihrer Entlassung „ein redliches Fortkommen“ ermöglichen. Diese Anliegen sind heute so aktuell wie eh und je. Nicht einmal jeder zweite Häftling habe eine abgeschlossene Berufsausbildung, weniger als ein Drittel sei vor der Inhaftierung einer geregelten Arbeit nachgegangen, so Klotz. „Viele müssen wir erst an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen.“ Der Landsberger Oberbürgermeister Ingo Lehmann betonte, die JVA sei in der Stadt gut angenommen. Tatsächlich liege der Komplex heute nahezu im geographischen Mittelpunkt Landsbergs. Als Problem sah er die Überbelegung: Derzeit teilen sich 767 Häftlinge den Platz, der eigentlich für 550 Menschen konzipiert ist. Landrat Walter Eichner erklärte, dass die JVA im bayerischen Strafvollzug einen so hervorragenden Ruf genieße, liege an den hier beschäftigten Menschen. Die Mitarbeiter erfüllten ihre schwere und anspruchsvolle Arbeit mit Bravour. Das sah Personalratsvorsitzender Klaus Wolf ebenso, allerdings ließ er auch Kritik anklingen. „Trotz offensichtlicher Mängel und unglücklicher Umstände wird hier ein absolut professioneller Dienst ge- leistet“, so Wolf. Dies werde unter anderem sichtbar an der auffällig geringen Zahl der Übergriffe gegenüber Vollzugsbeamten. Die JVA Landsberg symbolisiere „Höhen und tiefste Tiefen der Geschichte unseres Landes“, sagte der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Anstaltsbeirats. Dessen Ziel sei die Resozialisierung und die Vorbereitung der Häftlinge auf ein straffreies Leben. Im Juli soll eine Beiratssprechstunde eingeführt werden, kündigte Seidenath an. In einer PowerPoint-Präsentation ließ Rektor Klaus Weichert die wichtigsten historischen Stationen der JVA Revue passieren. Für die musikalische Umrahmung des Festaktes sorgte das Bläserquintett Holzart aus München.

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