Neues Museumskonzept

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Einen Blick hinter die Kulissen, in die an Kunstschätzen reiche Sakristei, konnten die Teilnehmer der Pressekonferenz werfen. Führungen können im Pfarramt vereinbart werden.

Dießen – Das Pfarrmuseum in Dießen soll zeitgemäßer werden. Drei Säle über der Winterkirche St. Stephan mit sakraler Kunst, naiven Bildern von Max Raffler (1902-1988), mit Holzschnitzereien von Michael ­Kaindl (1931-2000), einer internationalen Krippenschau und vielen Zeugen der oberbayerischen Volksfrömmigkeit bedürfen der Neuorientierung. Dafür engagieren sich Dießens Pfarrer Josef Kirchensteiner, die Arbeitsgemeinschaft Museum, die von der Pfarrgemeinde ins Leben gerufen wurde und Pressesprecherin Beate Bentele.

Wie Kirchensteiner und Bentele im Rahmen einer Pressekonferenz mit anschließender Führung erläuterten, befinden sich in Museum und Depot mehrere Tausend Objekte, die aus Platzmangel längst nicht alle gezeigt werden können. Eine Möglichkeit wären interessante Wechsel­ausstellungen. Zum Museum gehören auch Szenen, Installationen und Exponate, die als Außenstandorte in den benachbarten kirchlichen Anlagen zu erleben sind. Wie zum Beispiel die kunstvolle Rokoko-Krippe des Weilheimer Bildhauers Franz Xaver Schmädl (1705-1777) in der Taufkapelle des Marienmünsters, oder die temporären Schauen auf der Mysterien-Bühne, die zu Weihnachten und Ostern im Hochaltar zu sehen sind. Hier durften die Teilnehmer der Presseführung einen ganz besonderen Moment erleben, nämlich die Öffnung der Mysterien-Bühne für den Advent: Mit einer – heute elektrischen – Kurbel, wird das acht Meter hohe und tonnenschwere Altargemälde in einen Bodenschacht versenkt, um die Bühne dahinter sichtbar werden zu lassen, auf der ab sofort weihnachtliche Szenen zu sehen sein werden.

Auch der ganzjährig zugängliche Kreuzweg im Stephanshof, ausgestaltet mit den naiven, kraftvollen und dennoch feinsinnigen Figuren des Bauernschnitzers Michael Kaindl (1931-2000) ist erlebenswerter, meditativer Teil des musealen Bestandes.

Magisch angezogen werden die Besucher seit jeher von der Krippenschau im Museum. 200 Krippen, aus zwei Jahrhunderten und aus vielen Ländern der Erde, sind es momentan. Einen weiteren Akzent setzt die weltweit größte Sammlung von Raffler-Bildern, die der Greifenberger Maler in den letzten 20 Jahren seines Lebens für die Kirche gestaltet hat. Einzigartig ist auch die einmalige Werkschau des Bauernschnitzers Michael Kaindl aus Schöffelding in den Museumsräumen. Posthum genießen die Werke des Bauern und Gastwirts aus Schöffelding, zunehmende Anerkennung in der Kunstszene.

1989 vom Kunstfreund, Bauherrn und Pfarrer Monsignore Heinrich Winterholler (1931-1997) eröffnet, trägt das Pfarrmuseum neben der Handschrift des kunstsinnigen Pfarrers, auch die von Architekturprofessor Dr. Josef Wiedemann (1910-2001) von der Technischen Universität München. Sein architektonisches Wirken in Windach und im Klosterhof von Dießen ist im Architekturmuseum der TU München dokumentiert.

Mit fachlicher Kompetenz sollen das Pfarrmuseum und seine Außenstellen nun nach 35 Jahren einer museumsdidaktischen Neuorientierung zugeführt werden. Daneben müssen Elektrik und Raumklima verbessert und eine fachkundige Sanierung vieler Objekte, wie zum Beispiel der Geschwindt-Krippe, die 420 Figuren umfasst, angepeilt werden. „Das bedarf eines langen Armes über Gutachten und Finanzierungskonzepte“, betonen Kirchensteiner und Bentele.

Ein erster wichtiger Schritt sei eine wissenschaftlich fundierte Datenbank, eine sogenannte „Inventarisation“ als Grundlage für ein neues Museumskonzept. In diesem Zusammenhang hofft man nicht zuletzt auf Unterstützung der Landesstelle für nicht staatliche Museen. Damit ein neues Museumskonzept bald Wirklichkeit wird und Pflege und Erhalt der Sammlung Winterholler gewährleistet bleiben, hat die Pfarrkirchenstiftung ein Spendenkonto eingerichtet: Kennwort Pfarrmuseum Dießen, IBAN: DE 33 7005 2060 000 100925; BIC: BYLADEM 1LLD.

Ursula Nagl

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