Rochlhaus in Thaining:

Bäuerliches Baudenkmal sichern

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Wurde freigelegt und erhält den Feinschliff: Das filigrane Bundwerk hinter der Traufe des Rochlhauses. Im Bild Sabine Seemüller von der gleichnamigen Schreinerei.

Thaining – Gut die Hälfte der Wegstrecke ist inzwischen zurückgelegt, was die Renovierungsarbeiten für das Rochl- haus angeht. Es ist das einzige bäuerliche Baudenkmal in Thaining. Die Sanierung, die im Sommer vergangenen Jahres begann und im Frühjahr 2016 abgeschlossen werden soll, ist außen so weit vorangeschritten, dass die ursprüngliche Anlage als Doppelhaus deutlich zu erkennen ist. Sofort ins Auge fällt dem interessierten Betrachter das wertvolle Traufbundwerk auf der Südseite, das vom Schreiner den Feinschliff erhält. Dort ist der Putz, der es bisher verdeckt hat, abgeschlagen worden.

Bauherr ist die Gemeinde Thaining. Bürgermeister Leonhard Stork ist zuversichtlich, dass zum „Tag des offenen Denkmals“ am 13. September die interessierten Besucher aus nah und fern bereits einen umfassenden Eindruck davon erhalten, wie das Rochlhaus nicht nur außen, sondern auch innen fachgerecht saniert wird.

Die restlichen Arbeiten, aber auch die Einrichtung der Räume in dem bäuerlichen Baudenkmal wird sich bis zum April 2016 erstrecken. Die Geschichte des Rochlhauses, des ältesten weltlichen Gebäudes in Thaining, reicht zurück bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Besondere an diesem Anwesen war, dass es als Doppelhaus existierte. Zuerst wurde auf der Ostseite das Gebäude mit der Hausnummer 80 errichtet und nur wenig später der schmale Teil auf der Westseite, der die Hausnummer 81 trug.

Mit der Sanierung wird das Rochlhaus in den Zustand gebraucht, wie es ursprünglich errichtet wurde. Haus 80 war ein so genanntes Mittertennhaus. Die in der Mitte gelegene Tenne war zugleich der Eingang. Von rechts ging man in die Wohnräume und nach links in den Stall.

Um das Jahr 1860 wurde das frühere Flachdach durch ein steiles Dach mit Ziegeln ersetzt. Im Inneren ist der Dachstuhl aus dem 18. Jahrhundert gut zu erkennen, der vom Rauch aus der Herdstätte zum Teil rußgeschwärzt ist. Völlig geändert wurde die Einteilung ab 1890, als ein gewisser Rochus Finsterwalder der Besitzer war. Damals wurde das Traufbundwerk mit Putz zugedeckt. Der Stall lag mittig; aus dem Anbau im Westen wurde eine Tenne.

Seit Anfang der 1960er Jahre stand das Rochlhaus leer; es verfiel zusehends. Die Gemeinde erwarb das denkmalgeschützte Anwesen 2005. Vier Jahre später war eine Notsicherung erforderlich, um einsturzgefährdete Bereiche zu bewahren.

Das Rochlhaus ist eingebettet in das dörfliche Ensemble. Schräg gegenüber steht die Kirche St. Wolfgang, ein spätgotischer Bau von 1430, der ab 1650 die einmalige barocke Ausstattung erhielt. In dem Kleinod hängen Bildtafeln von 1657, auf denen das Dorf zur damaligen Zeit zu sehen ist – unter anderem mit dem Rochlhaus.

Neue Nutzungen

Die ehemalige Tenne mit Galerie obendrauf wird jetzt zum Veranstaltungsraum. Dort können kleine Konzerte mit bis zu 60 Zuhörern, Vorträge und andere pädagogische bzw. kulturelle Angebote stattfinden. Der Trog in der Mitte der früheren Tenne bleibt dort stehen. Zudem wird im Rochlhaus eine Toilette eingebaut, die auch für Besucher der nahen St. Wolfgangs-Kirche gedacht ist.

Josef Alletsee von der Stuckateur-Firma Ehrig glättet die Wand in der Stube, wo die Restauratorin frühere Schichten freigelegt hat.

Die kleine Stube auf der Ostseite soll ebenso wie die Küche und die Austragsstube öffentlich genutzt werden. Die ehemaligen Schlafräume im Obergeschoss, wohin eine enge Kammerstiege hinaufführt, sind für einen flexiblen Bedarf vorgesehen. Der Heimatverein von Thaining bekommt im ehemaligen Haus 81 ein Zimmer und eine Küche. Er will sie ebenso wie Stall, Schupfen und die Kammern im Obergeschoss mit Exponaten aus der bestehenden Sammlung bestücken. Der Heimatverein ist es auch, der heuer am Denkmalstag das Thema „Geburt und Tod im Bauernjahr“ aufgreift.

Damit das Rochlhaus nicht abgerissen, sondern erhalten wird, ist in Thaining auch ein Förderverein aus der Taufe gehoben worden. Er zählt ungefähr 50 Mitglieder und hat sich das Ziel gesetzt, 10000 Euro an Spenden einzuwerben. Zum Beispiel finanziert der Förderverein die Fußbodenheizung für 2000 Euro, wie Vorsitzender Gabi Klinger erklärt. Auch sei ein Betrag von 18000 Euro an Fördervereins-Eigenleistungen angesetzt. Es sei jedoch schwierig, dies zu erreichen, fügt Gabi Klinger hinzu.

Gemeinsam finanzieren

Insgesamt ist die Sanierung des Rochlhauses mit 610000 Euro veranschlagt. Unterstützung kommt vom Bezirk Oberbayern, von der Bayerischen Landesstiftung und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Gemeinde Thaining muss 137000 Euro schultern, so Bürgermeister Stork. Ein Großteil, nämlich mehr als eine Viertelmillion, fließt freilich aus dem Entschädigungsfonds für die Denkmalpflege, der sowohl vom Freistaat Bayern als auch von den Kommunen getragen wird. „Das Rochlhaus ist nicht nur für Thaining von besonderer ortsgeschichtlicher, sondern für den ganzen Landkreis von architekturhistorischer Bedeutung“, schrieb Kunstminister Ludwig Spaenle in der Zuschusszusage. Es zähle zu den letzten Zeugnissen der „ehemals reichen barocken Bauernhauslandschaft“ in der Region.

Johannes Jais

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