Zurück aus der Zwangspause

Derzeit herrscht reger Betrieb auf dem Gelände des ehemaligen Klausner-Sägewerks im Frauenwald. Die neuen Betreiber haben die Produktion wieder aufgenommen. Foto: Peters

Noch prangt groß „Klausner“ auf dem Firmenschild vor dem Gelände des Sägewerks im Industriegebiet Landsberger Frauenwald. Doch schon bald müssen sich die Mitarbeiter an einen neuen Namen gewöhnen: Denn nach dem Willen des neuen Besitzers Ilim Timber soll das Werk in Zukunft „Ilim Timber Bavaria“ heißen. Die russische Unternehmensgruppe teilte mit, dass die Verhandlungen über den Erwerb der beiden ehemaligen Klausner-Werke in Wismar und Landsberg abgeschlossen seien.

Mit der Übernahme will das Unternehmen, das bisher hauptsächlich im russischen und asiatischen Raum tätig war, auch in Europa Fuß fassen. Insgesamt beträgt der Kaufpreis über 100 Millionen Euro, für die der neue Eigentümer auch die Rechte an den bestehenden Verträgen des bisherigen Besitzers erhält. Dies betrifft vor allem die im Jahr 2005 mit den Bayerischen Staatsforsten geschlossenen umstrittenen Lieferverträge, die den Klausner-Werken in Landsberg und Wismar 500000 Festmeter Holz pro Jahr garantieren – zu einem Einkaufspreis zwischen 45 und 60 Euro pro Festmeter Fichte, was deutlich unter dem derzeitigen Marktpreis von teils über 90 Euro liegt. Im Landsberger Sägewerk hat man die Produktion bereits wieder aufgenommen, nachdem der Betrieb seit Januar 2009 stillgestanden war. Jeden Tag fahren Lkws voller Holz auf das Gelände. Eine Vollauslastung werde man aber in diesem Jahr nicht mehr erreichen, teilte das Unternehmen auf Nachfrage des KREISBOTEN mit. Trotz des fast eineinhalb Jahre dauernden Produktionsstopps konnte die Firma Entlassungen vermeiden. Viele Mitarbeiter seien in anderen Klausner-Werken beschäftigt worden, eine Kerntruppe an Schlossern und Elektrikern habe außerdem die Anlagen in betriebsbereitem Zustand gehalten, erklärt Kornelia Kämmerer, Assistentin der Geschäftsführung um Werksleiter Hauke Jungjohann. Derzeit arbeiten die 120 Mitarbeiter in einer Schicht. Mit steigender Produktion soll der Beschäftigtenstamm demnächst sogar erweitert werden. Dafür spricht, dass in Landsberg künftig auch die gesamte Verwaltung der deutschen Werke der Ilim Timber-Gruppe abgewickelt werden soll. Erst mal hochfahren Das Unternehmen plant derzeit ein neues Verwaltungsgebäude, mit dessen Bau laut Kämmerer allerdings in diesem Jahr nicht mehr begonnen wird. Als Übergangslösung werden gerade Container auf dem Gelände errichtet, die die Verwaltung bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes beherbergen sollen. Es seien vorerst die einzigen geplanten Bauvorhaben auf dem riesigen Gelände, sagt Kämmerer: „Wir konzentrieren uns jetzt darauf, das Sägewerk wieder hochzufahren.“ Die offizielle Inbetriebnahme feiert das Unternehmen am Freitag mit Gästen aus der russischen Botschaft sowie Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Ilim Timber ging 2007 aus dem größten russischen Forstunternehmen Ilim Pulp hervor. Die Gruppe produziert jährlich mehr als 520000 Kubikmeter Nadelschnittholz, über 145000 Kubikmeter Furnier und rund 45 Millionen Quadratmeter Faserplatten. Sondergebiet Holz Landsberg – Der Sägewerksbetrieb im Gewerbe- und Industriepark Frauenwald 3 ist dauerhaft gesichert. Bereits im Juli sprach sich der Stadtrat für eine entsprechende Änderung des Bebauungs- und Flächennutzungsplanes aus, die seit vergangener Woche rechtskräftig ist. Das 30 Hektar große Areal von Klausner Holz Bayern, heute Ilim Timber Bavaria, im Westen des Frauenwaldes war bislang „eingeschränktes Industriegebiet“. Somit wären neben dem Sägewerk alle Arten von Gewerbebetrieben zulässig gewesen. Ein­schränkungen hätte es ledig­lich durch die Festsetzung der Emissionskontingente für Gewerbelärm gegeben. Obgleich es laut OB Ingo Lehmann (SPD) „keine Anhaltspunkte in eine andere Richtung“ gibt, war man sich im Stadtrat einig, ein „Sondergebiet Sägewerk/Holz“ festzusetzen. Danach lässt der Bebauungsplan nur noch Holz verarbeitende Betriebe sowie zugehörige Verwaltungsgebäude, Außenanlagen und Stellplätze zu. Oberstes Ziel der Planänderung sei es, so der Wortlaut in der Beschlussdrucksache, aus­zuschließen, dass „das Areal einer mit den Zielen der Stadtplanung nicht konformen Nutzung zugeführt wird.

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