Landsberger gehen auf die Straße

Nicht zum "Nulltarif"

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Demonstration gegen Björn Höcke (AfD) vor dem Sportzentrum.

Landsberg – 350 Landsberger haben am Freitag am Hauptplatz im Rahmen einer Kundgebung von SPD, Bürgerbündnis und Grünen gegen die rechtspopulistischen Thesen von Björn Höcke protestiert. Bei dessen Auftritt im Sportzentrum bekundeten anschließend weitere 150 Personen, darunter viele junge Menschen, ihre Ablehnung der Politik der „Alternative für Deutschland“ (AfD). Beide Demonstrationen verliefen gewaltfrei.

Redner bei der Kundgebung vor dem Marienbrunnen waren Oliver Wild (Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Landsberg), Moritz Hartmann (Kreisjugendring), Detlev Möller (Evangelisch-Lutherische Kirche), Hasan Coskun (Türkisch Islamische Gemeinde) sowie die Landtagsabgeordneten Ludwig Hartmann (Grüne) und Herbert Kränzlein (SPD). Alle sechs waren sich einig: „Unsere Demokratie gibt es nicht zum Nulltarif; sie muss von den Bürgern gestaltet werden“; dazu gehöre auch, „seine Meinung lautstark und kreativ kundzutun“ (Moritz Hartmann).

Aus "niederen Instinkten"

Rechtes Gedankengut sei nicht nur am rechten Rand, sondern in der Mitte der Gesellschaft zu finden; „das ist ein Alarmzeichen für die Demokratie“ (Moritz Hartmann). Die meisten der rechtspopulistischen Thesen basierten auf Angst und Irrationalität – sie „kommen aus den niederen Instinkten des Menschen“. Dazu gehörten auch „die einfachen Antworten der AfD, die alle schon mal da gewesen sind“. Sie führten „in eine Alternative der Unmenschlichkeit, der Zerstörung, des Hasses und Niedergangs“ (Detlev Möller).

Viele Forderungen der AfD seien mit den Werten des Grundgesetzes nicht vereinbar; wer beispielsweise Angehörige bestimmter Religionsgemeinschaften ausgrenze, entziehe den Menschen selektiv Grundrechte. Das könne auch nicht mit islamistischen Anschlägen begründet werden – „die große Mehrheit der Muslime distanziert sich von Gewalt“. Die Demagogie der AfD dürfe in Landsberg keinen Nährboden erhalten (Hasan Coskun).

„Die AfD ist bereit, auf Menschen zu schießen, die Schutz bei uns suchen. Das ist menschenverachtendes Gedankengut.“ Das Grundgesetz werde mit Füßen getreten. Die AfD umgarne die kleinen Leute; ihr Parteiprogramm aber sei „ein Kniefall vor der Macht des Kapitals“ (Ludwig Hartmann). Besonders Björn Höcke, der als Gallionsfigur auftrete, sei „ein Brandstifter“. Und Alexander Gauland wiederhole sogar den Bismarckschen Satz, die großen Fragen der Zeit würden „durch Eisen und Blut entschieden“ (Herbert Kränzlein).

Einen Aufruf des Stadtrats zur Teilnahme an der Kundgebung gab es nicht; ein entsprechender Antrag von SPD und Grünen erhielt am vergangenen Mittwoch nur acht Ja-Stimmen, weil das Gremium neutral bleiben müsse. Außerdem lenke die Kundgebung zu viel Aufmerksamkeit auf die AfD, hieß es während der Debatte.

Spalier am Sportzentrum

Als die Kundgebung am Hauptplatz endete, waren am Sportzentrum bereits 80 Bereitschaftspolizisten eingetroffen, weil zwei weitere Gegendemonstrationen zur AfD-Versammlung angemeldet waren. Eine davon war eine Veranstaltung, deren Teilnehmer sich mit Spruchbändern als „Spalier“ vor dem Eingang zum Sportzentrum aufstellten. Eva Jung und René Amado Lehmann hatten diesen „Stillen Protest“ angemeldet, dem sich 70 Demonstranten anschlossen. Die ver.di-

Jugend Augsburg war unter Leitung von Michael Frosch Initiator der zweiten Veranstaltung, einem Demonstrationszug, der mit zunächst 30 Teilnehmern vom Hauptplatz aus startete; nach und nach schlossen sich weitere Personen an. Insgesamt protestierten letztlich 150 Personen vor dem Sportzentrum.

Die Teilnehmer mussten unterhalb des Eingangs bleiben, der „1. Stock“ war verboten. Dennoch waren sie laut genug, um in der Wandelhalle, in der die AfD-Versammlung stattfand, gehört zu werden. Einigen der Demonstranten gelang, die strenge „Sicherheitskontrolle“ der AfD zu überwinden und sich unter die 120 geladenen (überwiegend älteren) Besucher zu mischen. Eine vorherige Anmeldung war zwar gewünscht, aber es ging auch ohne. Eine Frau im khakifarbenen Parka erschien der AfD allerdings offenbar doch zu subversiv und musste draußen bleiben.

Drinnen gab es das Übliche: Klagen über die „Sprachpolizei“, Rücktrittsforderungen an die Kanzlerin wegen „Manipulationen und Tricksereien“, Hohn über die „Marienkäferpartei“, die „zeitgeistkastrierte CDU“. Indessen drang von draußen der Sprechchor nach innen: „Eure Kinder werden so wie wir!“

Susanne Greiner/Werner Lauff

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