Narren haben die Wahl

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Dieses Jahr könnte es verwirrte Narren geben...

Landsberg – Da war die Mehrheit des Stadtrats ganz anderer Meinung als Ordnungsamtschef Ernst Müller: Gegen seine „dringende Empfehlung“ genehmigte das Gremium, dass die Moritz Gastronomie GmbH am Lumpigen Donnerstag auf dem Schlüssel­anger ein Festzelt aufstellen darf. Damit haben Faschingsfreunde 2017 die Wahl: Waitzinger Wiese (gleich Amberger), Bosse-Wiese (gleich Moritz) oder das volle Programm an beiden Locations.

Seit einigen Jahren werde am Lumpigen Donnerstag auf der Waitzinger Wiese zur Durchführung einer Faschingsveranstaltung ein Festzelt errichtet. Da es sich dabei um eine öffentliche Einrichtung handele, habe der Stadtrat in seiner Sitzung vom 20. Januar 2016 beschlossen, dass bei mehreren Antragstellern ein „Rollierendes System“ zur Anwendung kommen solle. Dies bedeute, dass das Recht zur Durchführung der Veranstaltung zwischen den Antragstellern im Jahresrhythmus wechsele. Daher habe die Verwaltung mit Nikolaus Amberger, der 2016 nicht zum Zug gekommen war, für den Lumpigen Donnerstag 2017 einen Vertrag geschlossen, führte Müller zunächst aus.

Konkurrenz-Veranstaltung

Nunmehr beantrage aber die Moritz Gastronomie GmbH überraschend die Durchführung einer „entsprechenden“ – Müller sprach von einer „konkurrierenden“ – Faschingsveranstaltung auf dem Schlüssel­anger. Die wolle er aber nicht genehmigen. Der Schlüsselanger sei aus Sicht der Verwaltung für die Durchführung im Winter nämlich nicht geeignet. 2016 habe die Stadt einen Teil der Wiese dem Faschingsverein „Gaudiwurm Landsberg am Lech“ zum Aufbau eines Zeltes und zur Verköstigung der Teilnehmer am Faschingsumzug zur Verfügung gestellt. Dabei seien die Wasserleitungen eingefroren; außerdem habe das Gelände nicht ordnungsgemäß geräumt und gestreut werden können.

Da bei einem Festzelt auf dem Schlüsselanger mit „zwei- bis dreitausend zum Teil stark alkoholisierten Besuchern“ zu rechnen wäre, sei es aus sicherheitsrechtlichen Gründen nicht vertretbar, wenn das Veranstaltungsgelände dann möglicherweise schnee- oder eisglatt wäre und nicht nur für die Besucher, sondern auch für die Rettungskräfte eine erhebliche Gefährdung darstellen würde. Auch für den Platz selbst sei eine Winternutzung problematisch: Da der Untergrund locker sei, könnte es sein, dass das Material beim Einsatz schweren Geräte mit abgeräumt werde und die Kosten anschließend bei der Stadt hängen blieben.

Die Verwaltung empfehle deshalb dringend, den Schlüsselanger im Winter generell nicht mehr für Vermietungen freizugeben und deshalb auch den Antrag der Moritz Gastronomie GmbH abzulehnen.

Einmischung in Wettbewerb

Das leuchtete der Stadtratsmehrheit allerdings nicht ein. Claus Moritz, der an der Sitzung im Zuschauerraum teilnahm, sei ein erfahrener Gastronom und mit den Verhältnissen in Landsberg bestens vertraut. Er werde schon wissen, wie man einfrierende Wasserleitungen verhindere und ungefährliche Zugänge zum Festzelt gewährleiste. „Mischen wir uns da nicht in den Wettbewerb ein?“ fragte Felix Bredschneijder (SPD).

Auch Christoph Jell (UBV) merkte an, dass Moritz selber wissen müsse, ob er das schaffe oder nicht. „Wir werden jetzt von Ihnen vorgeschickt“, sagte Jell an Müllers Adresse. Andere Stadträte vermuteten aufgrund des Wortes „Konkurrenzveranstaltung“, dass Niki Amberger von der Verwaltung geschützt werden solle.

Ein Stadtrat hatte ganz andere Argumente als die anderen. Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte), im Hauptberuf Leitender Notarzt, wies darauf hin, dass die Rettungskräfte mit zwei verschiedenen Locations überfordert seien. Schon im vergangenen Jahr habe man externe Verstärkung anfordern müsse. „Wir sind schon mit einer Veranstaltung nicht fertig geworden, wie soll das dann mit zweien gehen?“ Auch Margit Däubler (SPD) konnte sich nur mit einem Faschingszelt anfreunden.

Wer die Waitzinger Wiese für ein Festzelt am Lumpigen Donnerstag nutzt, zahlt nach der städtischen Gebührenordnung 7.000 Euro an die Stadt. Für den Schlüsselanger war die Gebühr bisher nicht geregelt. Sie sei im Einzelfall zu verhandeln, heißt es in der städtischen Satzung. Der Stadtrat beschloss auf Anregung von Oberbürgermeister Mathias Neuner gleich mit, dass die Gebühr ebenfalls auf 7.000 Euro festgelegt wird. Claus Moritz wird damit leben können – ein Festzelt am Lumpigen Donnerstag ist nach allgemeiner Meinung um ein Vielfaches lukrativer.

Werner Lauff

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