Rollator-Tortur in Landsberg

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Laura Sauer (sitzend) und Maren Zwafelink mit „ihrem“ Rollator, der sie bei ihrem Projekt „Mit dem Rollator durch Landsberg“ durch die Landsberger Altstadt begleitet hat.

Landsberg – In sengender Hitze, bei Regen und auch bei Schnee zogen Laura und Maren durch Landsberg. Immer mit dabei: der Rollator. Die beiden Schülerinnen testeten im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend forscht“, inwieweit Landsbergs Altstadt für den demografischen Wandel gerüstet ist. Wenn es immer mehr alte Menschen gibt, wie gut können diese sich in Landsberg selbständig bewegen? Ihr Forschungsprojekt startete im vergangenen Jahr schon vor den Sommerferien. Jetzt haben die Beiden ihre Ergebnisse in einem 18 Seiten langen Dokument zusammengefasst. Die Mühen haben sich gelohnt, die Jury beim Regionalentscheid wurde überzeugt und der erste Platz errungen. 

Laura Sauer und Maren Zwafelink können zu Recht stolz auf sich sein: In ihrer schriftlichen Arbeit wird zuerst der Begriff des demografischen Wandels geklärt, danach das Gebiet und die Methode abgesteckt, bevor das ausgeklügelte Bewertungssystem festgelegt wird. Nach den Ergebnissen folgt dann das Resümee. Das umfangreiche Dokument ist angereichert mit Karten und Tabellen – exakt und korrekt, wie es die Wissenschaft fordert. „Das Thema hatte ich schon länger im Kopf“, erzählt die elfjährige Laura aus Landsberg, die eine Klasse am Ignaz-Kögler-Gymnasium übersprungen hat und deshalb zwei Jahre jünger als Maren aus Finning ist.

Vor einiger Zeit hatte ein Betreuungsleiter das Thema als Projekt für die Teilnahme an „Schüler experimentieren“, dem Teil von „Jugend forscht“ für Jugendliche unter 14 Jahren, vorgeschlagen. „Ich hatte überlegt, ob ich das eher für das Fahrrad mache anstatt mit dem Rollator, aber das gab es leider schon“, erzählt Laura. Und dann fragte sie Maren, ob sie Lust habe mitzumachen: „Ich mag zwar auch Kunst und Sport, aber zu dem Projekt mit Laura hatte ich auf jeden Fall Lust.“ Auch Laura findet das Gebiet, in das das Projekt „Demografischer Wandel“ fällt, nicht unbedingt am spannendsten: „Mir gefallen eher Mathe, Bio und Geschichte.“ Letztlich sei der demografische Wandel ein wichtiges Thema. „Und es ist interessant zu sehen, wie schwierig das mit dem Rollator ist. Das wird einem sonst nicht bewusst.“

Und so überlegten sich die beiden Mädchen, was genau sie testen wollten, führten Interviews mit einer Seniorin und mit einem Raumplaner, „und danach sind wir rumgewackelt“, lacht Maren. Außer der Alten Bergstraße haben die Beiden die ganze Altstadt von der Katharinenbrücke bis zum Sandauer Tor auf die Rollator-Tauglichkeit geprüft.

„Insgesamt waren wir sicher mehrere Tage unterwegs. Auf Hausaufgaben haben wir da nicht immer Rücksicht genommen“, gibt Laura zu. Von jeder Exkursion kehrten die Schülerinnen mit stapelweise Zetteln heim, auf die sie ihre Testergebnisse notiert hatten. „Jedes Mal, wenn wir mit den dicken Papierstapeln heimgekommen sind, hat meine Mutter gefragt, ob wir denn immer noch nicht fertig sind“, erzählt Maren.

Verbesserungsbedarf

Die Ergebnisse geben Landsberg noch einiges zu tun: Nahezu alle Geschäfte sind für Rollatorbesuche kaum geeignet: zu eng, keine Abstellmöglichkeiten für das Gefährt oder Stufen, die den Eingang versperren. Die Straßen und Bürgersteige sind oft zu schmal, um einen Menschen mit Rollator und Begleitung genug Platz zu bieten. Kopfsteinpflaster, Rinnen und hohe Bürgersteige sind zusätzliche Hindernisse. Und es gibt generell zu wenig rollatorgeeignete Straßenübergänge.

„Uns ist klar, dass vieles davon auch mit dem Denkmalschutz zusammenhängt“, gibt Laura zu. Dennoch plädieren beide Mädchen für Kompromisse: Man solle in Läden mehr Personal einstellen, sodass die Kunden erst gar nicht weit herumgehen müssten. Parkplätze an den Straßen könne man streichen und dafür die Gehwege verbreitern: „In den Parkhäusern gibt es Parkplätze genug“, sind sich beide einig. Und in Cafés könne man doch zumindest einen Teil der Tische etwas großräumiger aufstellen, dann käme man da auch mit einem Rollator durch. „Dass der Wille zu solchen Änderungen da wäre, haben wir innerhalb unserer Untersuchung oft erfahren, viele waren aufgeschlossen für Vorschläge und Ideen“, ist in dem Dokument von Laura und Maren als Resümee zu lesen.

Am gestrige Mittwoch gab es beim „Jugend forscht“-Regionalentscheid Voralpenland in Schongau, dann den Lohn für die viele Arbeit. Die Jury kürte die beiden Schülerinnen vom IKG auf den ersten Platz im Bereich "Geo- und Raumwissenschaften" der Alterssparte "Schüler experimentieren". Damit einher geht auch die Weiterleitung zum Landeswettbewerb.

Unabhängig von ihrem diesjährigen Abschneiden bei „Jugend forscht 2016“, Laura und Maren würden auch nächstes Jahr gerne wieder mitmachen. „Dann fallen wir schon in die richtige Jugend-forscht-Kategorie, weil Maren dann 14 ist“, erklärt Laura. Und für die fernere Zukunft? Da haben beide auch schon Ideen. „Ich will unbedingt was mit Musik machen“, sagt Maren, „vielleicht Startrompeterin werden“. Dafür übt sie schon fleißig in der Bigband. „Und ich werde Forscherin“, fährt Laura dazwischen, „oder Bildungsministerin. Oder vielleicht doch lieber Profifußballerin.“

Susanne Greiner

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