Zwischendurch auf die Schanze im Hof

Startet nächste Woche bei der Freeski-WM in Deer Valley: Johannes Drexl. Foto: Kauke

„Hoch hinaus“ ist das Motto, das Johannes Drexl beim Freeskiing anstrebt. Wenn sich andere Jungs in seinem Alter zum Fußballspielen oder Skateboard fahren treffen, zelebriert er seine 10 bis 15 Meter hohen, mit Drehungen, Saltos und Verwindungen gespickten Sprünge in den kalten Winterhimmel. Der 20-jährigen Kauferinger lebt noch in seinem Elternhaus, einem großen Hof zwischen Kaufering und Scheuring. Seine Leidenschaft zum Freeskiing hat er erst vor ein paar Jahren entdeckt und betreibt dieses Hobby mit großem Engagement und Erfolg: Nächstes Wochenende startet er für Deutschland bei der ersten Freeski-WM in Deer Valley im US-Bundesstaat Utah.

Was aber ist eigentlich Freeskiing? In den meisten Skigebieten gibt es mittlerweile sogenannte „Funparks“. Hierfür werden große Schneemassen zu enormen Schanzen aufgebaut, riesige Rinnen geformt und verschiedene Parcours im Schnee fixiert. Diese Elemente braucht man, um verschiedene Tricks fahren und springen zu können. Für Johannes ist es mehr als nur ein Hobby: „Ich stecke unglaublich viel Zeit in Training und Wettkämpfe, die fast das ganze Jahr über stattfinden“. Angefangen hatte alles ganz anders. Als Kind wurde er bereits intensiv mit den „Brettern“ vertraut und war viele Jahre Mitglied im Skiclub in Mittenwald und Garmisch. Dort wurde er bis zu dreimal wöchentlich für die alpinen Disziplinen trainiert. Bereits in dieser Zeit wurde der junge Johannes auf die etwas „anderen Skifahrer“ aufmerksam. „Ich habe immer bewundert, wie man auf Skier solche Manöver, Sprünge und Tricks fahren kann. Besonders wie die diese Jungs die Schanzen hochgeschossen sind und dann in dieser Höhe alle möglichen Figuren in den blauen Winterhimmel zauberten, hat mich total begeistert.“ Mit 15 Lenzen war dann die innere Entscheidung gefallen, Johannes hängte das alpine Skifahren an den Nagel. Anfänglich hatte er in einer Trainingsgemeinschaft die Kunst des Freeskiing erlernt. Aus verschiedenen Gründen hat sich Johannes nach einiger Zeit von allem „losgesagt“ und ist auf die Suche nach Sponsoren gegangen. Mit großem Erfolg! Aufgrund seiner hervorragenden Leistungen wurde er als Talent entdeckt und die ersten Verträge wurden abgeschlossen. Bemerkenswert ist aber, dass er trotz dieser Leidenschaft immer wusste, dass es auch ein Leben neben diesem tollen Sport gibt. „Mir war es wichtig, einen guten Schulabschluss zu erreichen“, erzählt Johannes, legte die Mittlere Reife ab und absolvierte er eine Ausbildung zum „Elektroniker Betriebstechnik“. Derzeit drückt er wieder die Schulbank und bereitet sich auf das Abitur vor. „Wenn das alles geschafft ist, dann werde ich erst mal ein komplettes Ski-Jahr einlegen.“ Eine Freeskiing-Karriere währt nur etwa bis zum 25. Lebensjahr, dadurch ist das Zeitfenster für Erfolge relativ klein ist. Was danach folgt, stehe noch in den Sternen. Zum großen Glück blieb Johannes Drexl bisher von größeren Verletzungen verschont. „Zwei Armbrüche, ein paar Mal Gehirnerschütterung“, das hält einen nicht auf. Grundlage für einen verletzungsarmen Sport ist das harte und stetige Training, ein regelmäßiges körperliches Fitnessprogramm und das Beherrschen der Skier. Bevor ich eine neue Figur springe, erzählt Johannes, steht ein langes Programm auf dem Plan. Angefangen wird im Sommer mit Sprüngen vom Drei-Meter-Brett. Dort studiere ich erst die Grundfiguren ein. Wenn das einigermaßen sitzt, geht es auf die Sommer-Schanze. Diese Sprünge gehen ins Wasser und seien somit tatsächlich ungefährlich. Spannend wird es dann das erste Mal auf Schnee. Dann zeigt sich, ob alles so sicher gestanden wird. Johannes: „Wir springen nie Figuren, die wir nicht vorher intensiv geübt haben. Das wäre viel zu gefährlich!“ Und genau das ist es, wovor der dynamische Kauferinger auch die „Jungen Wilden“ warnen möchte. „Alles sieht so einfach und spielerisch aus wenn wir springen, aber es steckt bis zu einem halben Jahr hartes Training dahinter.“ Reich wird man bei diesem Sport nicht, aber durch Sponsoring und gewonnene Wettkämpfe kann Johannes Drexl sein Hobby recht gut finanzieren. Bilder dazu findet man Internet unter http://johannesdrexl.blogspot.com/. Übrigens: Der 20-jähriger Kauferinger hat schon bei mehreren Videoproduktionen mitgewirkt. Die letzten Aufnahmen wurden in Finnland gemacht und sind als Vorfilme in Kinos zu sehen. Nebenbei fährt Johannes Drexl für Film und Foto auch noch durch die Tiefschneewildnis was sich im Fachjargon „Freeriding“ nennt. „Wenn ich dann mal zuhause bin und immer noch Lust zum Üben verspürt, dann gehe ich einfach in den Hof auf meine eigene Schanze und springt die Figuren in ein großes Luftkissen.“ Wer will da noch behauptet, das sei alles nur ein Hobby…

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