Ärger über 20-Minuten-Regelung in der Schongauer Altstadt

Geheimsache Frei Parken

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Viele Schongauer nutzen noch immer den gelben Zettel der Werbegemeinschaft, um beim Parken in der Altstadt darauf hinzuweisen, dass sie die 20-Minuten-Regel in Anspruch nehmen. Nötig ist das allerdings nicht.

Schongau – Seit gut zehn Jahren kann man in der Schongauer Altstadt 20 Minuten kostenlos auf den eigentlich gebührenpflichtigen Stellplätzen parken. Doch die an sich willkommene Regelung sorgt immer wieder für Ärger. Die Stadt ist daran nicht ganz unschuldig.

Wütend schwenkt Martin Erhard (Name geändert) den Strafzettel in seiner Hand. Gefunden hatte er ihn an seinem Auto, das er in der Münzstraße geparkt hatte. „Das ist eine Unverschämtheit“, echauffiert sich der Schongauer. Was war passiert? 

Vorschriftsmäßig hatte Erhard einen Parkschein für eine Stunde gelöst und ihn sichtbar hinter die Windschutzscheibe gelegt. Als er jedoch nach einer Stunde und 20 Minuten zurückkam, hatte ihn die Parküberwachung bereits aufge-schrieben. „Dabei darf ich doch 20 Minuten umsonst parken“, ärgert sich Erhard über das zehn Euro teure Park-Knöllchen. 

Der Schongauer ist nicht der erste, der über die 20-Minuten-Regelung stolpert. Eingeführt hatte die der Stadtrat schon vor gut zehn Jahren. Wer nur kurz etwas in der Altstadt besorgen will, sollte dafür nicht extra ein Parkticket kaufen müssen, war der Gedanke, mit dem die Stadt auch dem Einzelhandel entgegenkommen wollte. 

20 Minuten kann man seitdem die gebührenpflichtigen Stellplätze kostenfrei nutzen. Diese Frist gilt allerdings nur für den Beginn der Parkzeit. Verlängern lässt sich damit ein gekauftes Parkticket nicht. Das bestätigt eine Nachfrage im Ordnungsamt. „Der Kontrolleur weiß ja nicht, ob die 20 Minuten nicht schon vor dem Kauf des Parktickets in Anspruch genommen wurden“, erklärt Martin Kessler. 

Wer also länger als 20 Minuten parken will, muss entweder sofort ein Parkticket lösen oder nach 20 Minuten zu seinem Auto zurückkehren und dies dann nachholen. 

Nur: Geschrieben steht das nirgends. Weder an den Parkautomaten noch sonstwo in der Stadt wird auf die eigentlich löbliche Regelung und ihre richtige Handhabung hingewiesen. Auf der Homepage der Stadt findet sich nur ein magerer Hinweis tief versteckt in einer Datei, die die vielen verschiedenen Parkzonen erklärt. Und auch dort fehlt die Erläuterung, dass die Frist nur für die ersten 20 Minuten gilt. 

Besucher, die von außerhalb kommen, haben somit fast keine Chance, das kundenfreundliche kostenlose Kurzzeitparken zu nutzen – es ist quasi ein System für Eingeweihte. „Es ist richtig, dass die Stadt dafür keine spezielle Werbung macht“, gibt Kessler zu. 

Genau das sollte sie aber, findet Franz Köpf. Immer wieder kämen Kunden in sein Geschäft am Marienplatz, die von der kostenfreien Parkmöglichkeit nichts wüssten, berichtet der Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Andere wiederum würden immer noch nach jenen gelben Zetteln fragen, mit denen die Werbegemeinschaft vor Jahren in einer Aktion die Werbetrommel für die 20-Minuten-Regelung gerührt hatte. 

Diese sei ein Erfolg gewesen, sagt Köpf, doch da die Schilder immer wieder zu Missverständnissen – wie etwa jenem Irrtum, dem auch Erhard aufgesessen ist – geführt hätten, habe die Stadt darum gebeten, „das nicht mehr zu machen.“ 

Vielleicht wolle die Stadt ja auch gar nicht, das die Regelung zu bekannt würde, unkt der Geschäftsmann, schließlich würden durch mehr Nutzer zwangsläufig die Einnahmen an den Automaten sinken. 

Eine gerechte Lösung für das Problem könnte die in anderen Städten wie Kaufbeuren und Füssen längst eingeführte „Semmel“-Taste am Parkautomaten sein. Wer sie drückt, erhält ein kostenloses Ticket über 20 Minuten. Doch das lehnen sowohl Kessler als auch Köpf ab. Schließlich müsste man dann erst einmal zum Automaten und noch einmal zurück zum Auto, um das Ticket zu hinterlegen – zu viel Aufwand für eine kurze Besorgung.

Christoph Peters

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