Aggressiver Hund attackiert Artgenossen

Blutiger Angriff "Im Tal"

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Wird derzeit in der Tierklinik Weilheim behandelt: Der Pinscher Philipp der Schongauer Familie Pörner.

Schongau – Weil ihr Hund zum wiederholten Mal von einem Artgenossen angefallen wurde, fordert die Schongauer Familie Pörner Leinen- und Maulkorbpflicht für den aggressiven Vierbeiner. Im Ordnungsamt gibt man sich allerdings zurückhaltend.

Die Diagnose ist niederschmetternd, als er eingeliefert wird: Oberschenkel ausgekugelt, mehrere tiefe Wunden, aus denen Blut läuft. Zweimal muss Philipp operiert werden. Seit Weihnachten liegt der Pinscher in der Tierklinik in Weilheim, nachdem er beim Spazierengehen von einem anderen Hund angefallen worden war. Ob er jemals wieder ganz gesund wird, ist offen. Für seine Schongauer Besitzer Horst und Alicja Pörner sind es schwere Wochen. Denn Philipp zählt zur Familie, seit der dreizehn Jahre alte Pinscher noch ganz klein war. 

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Im Tal wohnende Paar in dieser Situation befindet. Schon 2011 war der Pinscher vom gleichen Kontrahenten gebissen worden, ein Jahr zuvor hatte er Horst Pörner angegriffen und verletzt. Aufgeregt zeigt Horst Pörner die Bilder, die er damals aufgenommen hat. Sie zeigen Bissspuren auf seinem Bauch und auf Philipps Körpers. Angezeigt habe er die Vorfälle nicht, sagt Pörner. Auch wenn sich der in der Barrenfeldstraße wohnende Besitzer des angriffslustigen Vierbeiners schon damals wenig einsichtig gezeigt habe. „Der hat sich sogar noch lustig gemacht“, ärgert sich Pörner. Die Rechnung für die Behandlung zahlte die Hunde-Versicherung. 

 Dass er auf eine Meldung bei Polizei und Ordnungsamt verzichtete, könnte sich jetzt allerdings rächen. Denn als die Pörners nach dem Vorfall am 23. Dezember jüngst beim Ordnungsamt vorsprachen, um Leinenpflicht und Maulkorb für den Übeltäter zu erwirken, gab man sich dort zurückhaltend. „In der Regel verweisen wir darauf, dass die Halter ihre Ansprüche, etwa die Bezahlung der Tierarztrechnung, privatrechtlich geltend machen müssen. Nur wenn eine Gefahr für die Allgemeinheit besteht, werden wir aktiv“, erklärt Hauptamtsleiter Bernd Liebermann. Dafür müssten allerdings mehrere Vorkommnisse gemeldet worden seien. „Wir schießen ja nicht mit Kanonen auf Spatzen.“ 

Alicja Pörner kann das nicht verstehen. Sie berichtet, dass der Hund schon mehrere andere Artgenossen angefallen habe. Einer davon ist der Zwergschnauzer der Familie Hofmann. Auch ihr Hund sei zweimal von dem Vierbeiner angegangen worden, erzählt Helmut Hofmann. Der erste Vorfall habe sich bereits 2009 ereignet. „Ich bin damals mit meinem Hund an der Leine bei der Berufsschule spazieren gegangen.“ Plötzlich sei der Mischling, der ohne Leine herumlief, angekommen und habe sich in den Zwergschnauzer verbissen. „Der hing so fest, dass ich das Maul gar nicht aufbekommen habe“, erinnert er sich. Bei dem Versuch, seinen Hund zu befreien, sei er ebenfalls gebissen worden. 

An das Herrchen des Angreifers hat auch er keine gute Erinnerung. „Er hat mich ausgelacht und gesagt, ich könne ihn ruhig anzeigen. Ihm als pensionierten Polizisten passiert sowieso nichts.“ Tatsächlich verlief Hofmanns Anzeige im Nichts. Im Oktober vergangenen Jahres fiel der Hund, der diesmal sogar angeleint war, erneut über Hofmanns Zwergpinscher her. Diesmal endete der Zwischenfall nicht so glimpflich. „Er musste in der Tierklinik Igling operiert werden“, sagt Hofmann. Die Kosten übernahm auch in diesem Fall die Versicherung. 

Wie auch die Pörners, meldeten die Hofmanns die Vorfälle nicht beim Ordnungsamt. Doch das will Helmut Hofmann jetzt nachholen. „Der Hund braucht eine Maulkorbpflicht. Nur anleinen reicht nicht“, fordert er. Nur mit Pfefferspray Alicja Pörner hofft, dass das Ordnungsamt dadurch endlich reagiert. Denn ohne Angst könne sie derzeit nicht vor die Türe gehen, erklärt sie. Zu tief sitze der Schock nach dem blutigen Angriff vor wenigen Wochen. Ähnlich geht es ihrem Mann: „Ohne Pfefferspray gehe ich nicht raus.“ chpe

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