Ehemalige Strumpffabrik wird zur Herberge für 120 Flüchtlinge

Altenstadt: Gemeinderat sagt Ja zum Asylbewerberheim

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Nordansicht der künftigen Unterkunft. Den Gemeinderäten ist es wichtig, dass die Flüchtlinge genug Platz haben, um sich im Freien aufhalten zu können.

Altenstadt – Einstimmig – mit sechzehn zu null – haben die Gemeinderäte von Altenstadt die Pläne für den Umbau einer Industriehalle der ehemaligen Strumpffabrik zur Asylbewerberunterkunft befürwortet. Zu diesem Votum für die große „Notlösung“ gehören freilich einige Forderungen an das Landratsamt.

So soll fixiert werden, dass der Mietvertag zwischen dem Eigentümer und dem Landkreis Weilheim-Schongau höchstens fünf Jahre läuft. Auch soll vereinbart werden, dass für die große Unterkunft mit bis zu 120 Flüchtlingen neben einer dauerhaften Tagesbetreuung mit Sozialarbeitern und Hausmeister sowohl abends als auch an Wochenenden eine Rufbereitschaft gewährleistet ist. 

Außerdem wird laut Gemeinderatsbeschluss der Landkreis aufgefordert, bei einer so großen Zahl an Asylbewerbern den Außenbereich zu vergrößern, indem er etwa eine Wiese auf der Nordseite der Gewerbeimmobilie anmietet. 

Wichtig ist den Räten auch, dass Räume für Sozialarbeit, Aufenthalt und Freizeit im Gebäude für diese Zwecke festgeschrieben werden und nicht später zu Wohn- bzw. Schlafräumen umfunktioniert werden. 

Doch damit nicht genug. Bürgermeister Hadersbeck und die Gemeinderäte erachten es als wesentlich, dass angrenzende Gewerbebetriebe wegen der Gemeinschaftsunterkunft keine Beeinträchtigung hinnehmen müssen – Stichwort ist die Lärmemission. Auch müssten mit Blick auf die Nachbarn Ruhezeiten und Sauberkeit berücksichtigt werden. 

Das große Gebäude, das 55 mal 56 Meter misst und im Herbst 2015 wohl die größte Gemeinschaftsunterkunft im ganzen Landkreis sein wird, gehört Ralf Gebauer und Saika Merx aus Weilheim. Sie wollen die Immobilie im Norden Altenstadts in den nächsten Wochen so umbauen lassen, dass sie als Asylbewerber-Unterkunft genutzt werden kann. 

Dazu werden Räume – vorwiegend im Erdgeschoss (Wohnen, Schlafen, Kochen, Zimmer für Sprachunterricht) sowie im Souterrain (Freizeit, Sanitärräume) an den Landkreis vermietet. (Siehe dazu den Bericht in der letzten Mittwochsausgabe des Kreisboten). 

Wegen der Größe der geplanten Gemeinschaftsunterkunft die bis Mitte September fertiggestellt werden soll und wofür nach den Worten des Eigentümers Ralf Gebauer noch mehrere tausend Quadratmeter Trockenbauwände eingezogen werden müssen, drängen die Gemeinderäte von Altenstadt darauf, dass eine Parkgarage für Fahrräder errichtet wird. Auch soll für die Müllcontainer eine In House-Lösung angestrebt werden; die Behälter sollen also unter Dach im Untergeschoss platziert werden. 

„Wir wohnen da, wir schlafen da, wir haben Mieter im Gebäude“, verlangte Nachbar Mathias Hauf, der Rederecht in der Sitzung bekam, zumindest „klare Regelungen“. Seine Familie ist südlich des Gebäudes im ehemaligen Vatter-Anwesen zu Hause. Zudem führt er einen Beflockungsbetrieb. Es dürfe zu keinen Einschränkungen für die Nachbarn und fürs Gewerbe kommen. Hauf verwies unter anderem auf Emissionen eines Blockheizkraftwerks auf seinem Gelände, das Tag und Nacht laufe. 

Im Altenstadter Gemeinderat gab es eine Vielzahl von Wortmeldungen zu der Gemeinschaftsunterkunft, die allge-mein als „Notlösung“ deklariert wurde. Diese reichten von der Ausweitung des Aufenthaltsbereiches (Peter Filser und Sepp Reich) über die Ansprechpartner an Abenden und Wochenenden (Kathrin Högg) bis zur Situation mit den Fahrrädern und Müllcontainern (Helmut Horner). Gemeinderat Johann Deschler, Kreisbrandmeister im Bezirk West, verwies auf den Brandschutz, was bei „80 Personen plus“ sehr genau geprüft werden müsse. 

Bürgermeister Albert Hadersbeck freute sich letztlich über das einstimmige Votum zum Bauplan. Zugleich warb er bei den Gemeinderäten für eine „Begleitung“ der Flüchtlinge, die dort untergebracht werden und mindestens eineinhalb bis zwei Jahre dort verbleiben – so lange, wie ein Asylverfahren dauert.

Johannes Jais

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