Andreas Holzhey kauft Schongauer Bahnhof

Haltestelle: Zukunft

+
Andreas Holzhey, Geschäftsführer der Bürgerbahnhof Oberland GmbH, und Schongaus scheidender Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl vor dem Bahnhofsgebäude.

Schongau – Endlich scheint etwas vorwärtszugehen am Schongauer Bahnhof. Nach jahrelangen Verhandlungen hat das altersschwache Gebäude einen neuen Besitzer. Die Bürgerbahnhof Oberland GmbH soll dem Bahnhof neues Leben einhauchen. Wie das geht, hat sie in Murnau bereits vorgemacht.

Natürlich kommt Andreas Holzhey mit dem Zug, direkt aus Murnau. Um kurz vor 9 Uhr steigt der Geschäftsführer der Bürgerbahnhof Oberland GmbH am Schongauer Bahnhof aus der Regionalbahn, in der Hand eine schwarze Aktentasche. Es nieselt leicht, das grautrübe Wetter am Montagmorgen lässt die heruntergekommenen Bahnsteige und das im verblassenden gelb gestrichene Bahnhofsgebäude noch trostloser wirken als sonst. 

Noch immer ist ein Bahnhof für viele Reisende das Tor zu einer Stadt. Hier kommen sie an, hier machen sie sich ihr erstes Bild. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, welchen Eindruck der Schongauer Bahnhof in seinem derzeitigen Zustand bei Zugreisenden hinterlässt. Die Lechstadt ist keine Ausnahme. 

Viele deutsche Kleinstädte kämpfen mit den Folgen der Bahnprivatisierung. Über Jahre hat das ehemalige Staatsunternehmen Bahnhöfe zu tausenden an Investoren verkauft, die damit hofften, das schnelle Geld zu machen. Doch nur in guten Lagen lohnte sich das Geschäft, auf den kleineren Stationen blieb man sitzen. An einer Sanierung hatten die Käufer kein Interesse, weshalb die Bahnhöfe vielerorts vor sich hinsiechen. 

Immer mehr Kommunen bemühen sich deshalb, die Bahnhöfe, die sich meist in zentralen Lagen befinden, zu kaufen, doch die Verhandlungen mit den Investmentgesellschaften, die ungern auf ihre Rendite verzichten, sind zäh. In Schongau hat sich ein langer Atem ausgezahlt. Jahrelang hatte Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl mit der luxemburgischen Gesellschaft Patron Elke S.a.r.l., hinter der wiederum der britische Fonds Patron Capital steckt, verhandelt. 

Zuletzt saß auch Andreas Holzhey mit am Verhandlungstisch. Der Plan: Während die Stadt die umliegenden Flächen kauft, erwirbt der gebürtige Schongauer mit seiner Firma das eigentliche Bahnhofsgebäude. Die Rechnung ging auf. Für eine Summe im „unteren sechsstelligen Bereich“ wechselte das sanierungsbedürftige Gebäude seinen Besitzer. 

Als Gerbl am Montagmorgen um kurz nach 9 Uhr unter dem Vordach des Bahnhofsgebäudes seine Freude über das Geschäft zum Ausdruck bringt, während es nicht aufhören will zu nieseln, steht Holzhey still daneben. Fast scheinen ihm die Worte des Bürgermeister ein wenig unangenehm zu sein. Gerbl, für den das Geschäft quasi die letzte große Amtshandlung ist, spricht von „guten Händen“, in denen der Bahnhof jetzt liege und davon, dass es endlich weitergehe mit dem Ort, an dem er einst als Lehrbub seine Ausbildung bei der Bahn begann. 

Und so versucht Holzhey die Euphorie erst einmal zu dämpfen. Noch gebe es kein Konzept, keinen Plan, was einmal in dem sanierten Bahnhofsgebäude Platz finden könnte, sagt er. Dann gibt er doch ein paar Details preis. Gastronomie? Eher nicht. Ein Service-Center? Muss sein. Überhaupt sei er für Vorschläge offen. Wichtig sei jedoch erst einmal, dass man jetzt die Chance habe, etwas Vernünftiges auf die Beine zu stellen und der Bahnhof nicht zweckentfremdet werde, betont er. „Es wird hier sicher nicht schon in zwei Jahren ausschauen wie in Murnau.“ 

Den Schongauern freilich dürfte die Aussicht schon reichen, dass ihr Bahnhof einmal so ähnlich aussehen könnte wie jener in der Gemeinde am Staffelsee. Vor drei Jahren hatte Holzheys Firma das 1879 errichtete und dementsprechend in die Jahre gekommene Bahnhofsgebäude gekauft und anschließend aufwendig saniert. Mit Erfolg: Beim alljährlichen Wettbewerb Bahnhof des Jahres der Allianz pro Schiene gewann der Murnauer Bahnhof im vergangenen Jahr den Sonderpreis Tourismus. Ähnliches gelang zuvor bereits dem Landsberger Bahnhof, der sich mittlerweile ebenfalls im Besitz der Bürgerbahnhof Oberland GmbH befindet. 

Wie sich ein derartiges Projekt stemmen lässt, weiß Holzhey also. Doch die Voraussetzungen sind in Schongau schwieriger als in Landsberg und Murnau. Und das liegt nicht nur an den wesentlich niedrigeren Fahrgastzahlen. Noch fehlt es an einem schlüssigen und umsetzungsfähigen Konzept der Stadt für Park & Ride-Parkplätze und einen Busbahnhof am Bahnhof, hier ist der neue Stadtrat gefordert. 

Dazu kommen die Bahnsteige, die sich in einem jämmerlichen Zustand befinden. Mit den Bemühungen, die Bahn zu einer Sanierung zu bewegen, ist die Stadt bislang immer wieder gescheitert. „Wenn ich das herausgerissene Gleis 1 sehe, habe ich Tränen in den Augen“, sagt Gerbl. Immerhin: Das scheidende Stadtoberhaupt zeigt sich zuversichtlich, dass durch den Kauf Bewegung in die Sache kommt. „Das bringt die Verantwortlichen an den Verhandlungstisch.“ 

Diese drei Baustellen, das Umfeld, das Bahnhofsgebäude und die Bahnsteige, gilt es nun möglichst zeitgleich anzugehen. „Das ist die große Herausforderung“, bestätigt Holzhey. „Es wäre nicht so gut, wenn hier jetzt zehn Jahre Baustelle wäre.“ Warum er sich trotz der Widrigkeiten engagiert, darauf hat Holzhey eine einfache Antwort. „Es ist mein Heimatbahnhof und dadurch hängt mein Herzblut dran.“ Reich werde er dadurch nicht, fügt er fast entschuldigend hinzu. „Wenn es sich trägt, bin ich schon zufrieden.“

Christoph Peters

Meistgelesene Artikel

Närrisches "Wohlfühlparadies"

Peiting/Hohenfurch – Bürgermeister Guntram Vogelsgesang wurde kurzerhand in Quarantäne gesteckt und ab ging die Post. Mit einem rauschenden Ball in …
Närrisches "Wohlfühlparadies"

Schongauer Grundschule hat ein Schimmel-Problem 

Schongau – An Baustellen mangelt es in der Schongauer Grundschule aktuell nicht. Doch als wäre der Teilabriss samt Neubau nicht schon schwierig …
Schongauer Grundschule hat ein Schimmel-Problem 

Parkplatz am Buchenweg wird heuer gebaut

Schongau – Was lange währt, wird endlich gut: Am Dienstag hat der Stadtrat endgültig grünes Licht für die Umsetzung von zwei Projekten gegeben, die …
Parkplatz am Buchenweg wird heuer gebaut

Kommentare