Anwohner protestieren 

Wellness-Hotel am Granerhof: Mehr Betten als gedacht

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Bürgermeister Peter Erhard (li. vo.), das Ehepaar Vollmer (rechts daneben) und Architekt Matthias Trübsbach (re.) versuchten, den Anwohnern ihre Bedenken zu nehmen.

Böbing – Bürgermeister Peter Erhard ist zuversichtlich: „Die Installation von einem Hotel wird begrüßt“, war sein Eindruck nach der letzten Informationsveranstaltung im Januar. Beim Anschlusstermin am Freitag direkt vor dem Gut Granerhof stieß das Projekt aber auf Kritik. Bereits im Vorfeld hatten sich Anwohner mit ihren Bedenken an den Gemeinderat gewandt (der Kreisbote berichtete).

Zahlreiche Gemeinderäte, viele Anwohner und auch die Besitzer des Granerhofs – das Ehepaar Vollmer – kamen samt Architekt und Anwalt zum Treffen, dass Erhard angestoßen hatte. Verlegung der Straße, Weihernutzung, die Ausmaße des Bauvorhabens: Die Punkte, die auf der Themenagenda standen, wollte Erhard gemeinsam mit den Betroffenen besprechen. „Nach wie vor sind wir nicht im öffentlichen Verfahren“, betonte der Bürgermeister gleich zu Beginn. 

„Immer wieder Gesprächsrunden“ möchte er aber bereits im Vorfeld einberufen, um mit den Betroffenen gemeinsam eine Lösung zu finden. „Die Anwohner sind wichtig. Ich hoffe, das ist rübergekommen“, versuchte Erhard zu verdeutlichen, dass er die Sorgen ernst nehmen möchte und gab weiter an den planenden Architekten Matthias Trübsbach.

„Wir haben die Straße rund 20 Meter verlegt“, erklärte dieser die geänderten Pläne, in die er bereits einige Kritikpunkte der Nachbarn eingearbeitet hatte. Dabei ging er auch auf die genaue Straßenführung ein. Rund 2,5 Meter tiefer als das natürliche Gelände soll sie liegen, damit die Scheinwerfer der Fahrzeuge nicht in die umliegenden Häuser strahlen. Auch ein Gehweg hat Trübsbach derzeit vorgesehen. 

Der fand allerdings wenig Anklang. „Wo sollen die Leute den hingehen? Da ist ja nichts“, gab eine Anwohnerin zu bedenken. Doch der Architekt meinte ohnehin, eventuelle Parkstreifen, Randbegrünungen oder Fußwege seien optional. „Das sind Dinge, die sich noch ergeben.“ 

Auch die exakte Zahl der Parkplätze ist noch nicht in Stein gemeißelt. „Wir müssen genug Stellplätze nachweisen“, erklärte Trübsbach. Derzeit sind 170, zum Großteil in einer Tiefgarage, vorgesehen. „Das wird sich in den Planungen noch ändern.“ 

240 Betten geplant 

Uneinigkeit herrschte dann aber vor allem bei der Größe des Hotels. „Ich bin bisher von 140 Betten ausgegangen“, berief sich Bernhard Bayer, der zu den Hauptbetroffenen zählt, auf frühere Informationen und sofort klinkten sich auch andere Nachbarn ein. Zwischen Bauherren und Anwohnern herrschte Uneinigkeit darüber, ob bei den vergangenen Treffen von Zimmern oder Betten gesprochen wurde, wenn es um die Zahlen zur Größe des Wellness-Hotels ging. 

Nach einigen scharfen Wortwechseln waren die Bewohner umso überraschter, als Trübsbach klarstellte: Derzeit wird mit 128 Zimmern und 240 Betten kalkuliert. Mehr sollen es nun nicht mehr werden. Hinzu sollen rund 100 Angestellte kommen, die die Straße nutzen. „Das wären über 400 Autos am Tag“, überschlug Bayer, der sich bereits im Vorfeld mit den Zahlen beschäftigt hatte. 

Außerdem gab er die erhöhte Abwasserproblematik durch die gestiegene Bettenzahl zu bedenken: rund 1400 Liter pro Gast und Tag habe er durch Vergleiche mit anderen Hotels errechnet. „Ich weiß nicht, welches Buch Sie gelesen haben“, schaltete sich schließlich auch Manfred Vollmer selbst ein und ließ es sich dabei deutlich anmerken, dass er Bayers Berechnungen für falsch hält. 

Erhard versuchte, zu schlichten. „Beim Wasserwirtschaftsamt ist derzeit die neue Planung in Überarbeitung“, sagte er. Sobald die Ergebnisse da seien, könne man eine verlässliche Einschätzung abgeben. „Ohne die Abwasser-situation zu bewerkstelligen, kriegt man keinen Bebauungsplan genehmigt“, warb auch Trübsbach dafür, die Zahlen des Amtes abzuwarten. 

Danach fuhr er fort mit den Flügeln des geplanten Gebäudes. Diese würden der bisherigen U-Form entsprechen, jedoch sei das Gebäude mehrere Meter verschoben und ein Stück länger. „Etwa bis zur jetzigen Straße“ soll das neue Hotel reichen. „Von oben schaut man immer drüber“, habe er auch versucht, das Haus so in die Landschaft einzufügen, dass die zwei bis drei Stockwerke nicht stören. 

„Das ist ein riesiger Klotz, der in der Gegend steht“, rief ein Anwohner sauer. „Die Kiste beherrscht das Landschaftsbild.“ „Es ist ein nicht zu verachtender Eingriff“, räumte der Bürgermeister ein. Neben der etwaigen Geruchsbelästigung der Gäste durch die Metzgerei, möglichen Probleme mit Mücken und dem bestehenden Schwarzbau – über den das Gericht noch entscheiden muss – ging es dann auch um die Nutzung des Sees. 

„Ich bin überzeugt, dass wir eine verträgliche Lösung finden“, sagte Erhard. „Dass der Zugang zum See öffentlich ist, ist Wunsch der Gemeinde“, hakte Vollmers Rechtsanwalt Friedrich Schleich ein. Der Bürgermeister könnte sich eine „Öffnung zu normalen Tageszeiten“ vorstellen. „Nächtliche Grillfeiern soll es nicht geben.“

„Wir werden alles tun, um Probleme, die entstehen, zu berücksichtigen“, versprach Trübsbach. „Es gibt nix Schlimmeres, als vor einem weißen Blatt zu diskutierten“, bat Erhard um das Verständnis der Anwohner, die er auch weiterhin einbeziehen möchte. 

Die waren teilweise aber nicht zufrieden mit den frisch gewonnenen Informationen, vor allem bezüglich der Größe des Hotels. Bayer verlieh seinem Unmut Ausdruck: „Ich fühle mich auf gut Bayrisch g‘sagt verarscht!“

Ursula Gnadl

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