Ausstattung der Fußgängerzone in Schongau

Trotz Beschluss von 1990: Es bleibt beim Tropenholz

Es bleibt beim Tropenholz für die neuen Bänke am Schongauer Marienplatz.

Schongau – Im Mai soll die Fußgängerzone am Schongauer Marienplatz eröffnet werden. Im Stadtrat standen deshalb jüngst die letzten Vergaben an. Für eine längere Diskussion sorgte dabei ein Beschluss aus dem Jahr 1990.

 Eigentlich versprach der Punkt drei auf der Tagesordnung der jüngsten Stadtratssitzung reine Formsache. Vergabe von Bauleistungen für die Umgestaltung des Marienplatzes stand da, im Detail ging es darum, welche Firmen die anfallenden Erd- und Straßenbauarbeiten, die Vegetationsarbeiten und die Elektroinstallation übernehmen sollen.

Entsprechend routiniert präsentierte Stadtbaumeister Ulrich Knecht das Ergebnis der Ausschreibung. Für den Erd- und Straßenbau hatte die Altenstadter Firma Helmut Haberstock mit 165 000 Euro das günstigste Angebot abgegeben. Bei den Vegetationsarbeiten war es das Garten- und Landschaftsbau Unternehmen Andergassen aus Schongau (13 000 Euro) und bei der Elektroinstallation die ESZI Elektro & IT GmbH aus Altenstadt (27 000 Euro). Allen drei Firmen erteilte das Gremium einstimmig den Zuschlag.

Damit wäre der Tagesordnungspunkt abgehakt gewesen, doch der Stadtbaumeister brauchte noch eine weitere Entscheidung des Gremiums. Die betraf die bereits im Bauausschuss beschlossene Ausschreibung der Holzbänke und des Holzpodests.

Da die Zeit drängte, um eine rechtzeitige Lieferung zu garantieren, hatte das Gremium in der Sitzung Mitte Februar Bürgermeister Falk Sluyterman ermächtigt, die Aufträge nach Einholung der Angebote zu vergeben.

Dass dies nicht geschehen ist, liegt an einem Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 1990. Dieser besagt, dass die Stadt nur heimische Hölzer bei Bauvorhaben verwenden darf und kein Tropenholz. Letzteres allerdings werde von den meisten Herstellern eingesetzt, erklärte Knecht, und sollte deswegen auch für die Bänke und das Podest am Marienplatz zum Einsatz kommen.

Erst ein Anruf des CSU-Ortsvorsitzenden Oliver Kellermann nach der Bauausschusssitzung habe ihn auf den 26 Jahre alten, aber immer noch gültigen Beschluss aufmerksam gemacht. „Wir haben dann reagiert und heimisches Holz ausgeschrieben“, berichtete der Stadtbaumeister.

Das Ergebnis: In Eiche käme man mit rund 50 000 Euro satte 17 000 Euro teurer als bei einer Ausführung in Tropenholz. „Das ist ein Riesenbrocken“, stellte Knecht fest, der daher vorschlug, beim ursprünglich angedachten zertifizierten Kambala-Holz zu bleiben.

Im Gremium gab es dazu unterschiedliche Meinungen. Friedrich Zeller (SPD) plädierte angesichts des großen Preisunterschieds dafür, dem Vorschlag zu folgen. Er verwies auf die Zertifizierung des Tropenholzes, das demnach aus einer nachhaltigen Bewirtschaftung stamme.

In die gleiche Kerbe schlug auch Bürgermeister Falk Sluyterman. „In den letzten 26 Jahren hat sich in diesem Bereich viel getan.“ Knecht sprach in dem Zusammenhang gar von einem „Quantensprung“.

Tropenholz gehe immer auf Kosten des Urwalds, hielt jedoch Bettina Buresch (ALS) entgegen. Sie ließ auch das Kostenargument nicht gelten. „17 000 Euro sind nicht viel, wenn man bedenkt, was wir für Straßen ausgeben.“ Alternativ könne man auch die Anzahl der Bänke senken, schlug sie vor.

Ihr Fraktionskollege Siegfried Müller fand, man könne sich nicht einfach über den geltenden Beschluss hinwegsetzen. „Wir müssen uns schon entscheiden: Heben wir ihn auf oder akzeptieren wir die Mehrkosten?“ 

Doch soweit wollte der Bürgermeister nicht gehen. „Wir können das als Einzelfall entscheiden.“ Bei der folgenden Abstimmung sprachen sich nur vier Stadträte für Eiche als Holz der Wahl aus. Die Tropenholzvariante wurde anschließend mit 14:8-Stimmen genehmigt.

Christoph Peters

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