Starkbierabend im Brauhaus

"So wie ihr – bloß kompetent"

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Zog im Brauhaus ordentlich vom Leder: Fastenprediger Michi Marchner.

Schongau – Warum lässt ein überzeugter FDPler ein Starkbier brauen? Damit er einmal im Jahr über fünf Prozent kommt. Dies war nur einer der markigen Sprüche, die Fastenprediger Michi Marchner bei der diesjährigen Fastenpredigt im Brauhaus servierte. Wirt Tyll-Patrick Albrecht bekam dabei ebenso sein Fett weg wie Bürgermeister Sluyterman und die diversen politischen Fraktionen.

„Ein herzliches Grüß Gott liebes Schongau, liebe belebte Schongauer und unbelebte“, begann der Pater seine Predigt, wobei er fast fünf Minuten brauchte, um wirklich alle angesprochen zu haben. Ist es doch gar nicht so selbstverständlich, dass man ein „lebendiges Exemplar der Bayernpartei in freier Wildbahn“ antreffe, wie Marchner mit Blick auf die anwesende Regina Schropp meinte. 

Sogar die CSU hätte sich reichlich ins Brauhaus getraut, auch aus Landsberg, stellte der Pater zufrieden fest, um letzten Endes den Bürgermeister willkommen zu heißen, dessen Namen er mittlerweile perfekt aussprechen könne. Kein Wunder, hatte doch Friedrich Zeller mit „Sluyter wie Euter und hinten mit Mann statt mit Zitzen“ eine gute Eselsbrücke geschaffen. 

Als er das erste Mal angetreten sei, erinnerte sich Marchner, da habe es noch gebrodelt in Schongau. „Der Bürgermeister verschlissen, die Altstadt verschlissen. Und die fantastischen Vier waren angetreten, um die Stadt aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen.“ Etwa der CSU-Kandidat Robert Stöhr: „Da fragt ma sich schon, wie weit hätt‘ der arme Kerl fahren müssen, bis er a Stadt gefunden hat, die sich regieren lassen will“. 

Oder der Visionär Ralf Schnabel, der Schongau damals zum Ufo machen wollte und am Lido einen Flying Fox hat installieren wollen. Das wildeste aber sei natürlich der Rastamann ohne Hosen gewesen, erinnerte Michi Marchner, der heute zweiter Bürgermeister sei. „Glück g’habt Kalbitzer“. Das müsse jetzt der arme Sluyterer ausbaden.

„Der kam, sah und hat’s grad noch so geschafft“. Und habe ein schweres Erbe anzutreten. Da könne es dann schon sein, dass dem armen Sluyterich der Verwaltungsbeamte durchgehe. Und man schon mal einen Satz um die Ohren bekomme wie „dass während der Betriebszeiten des geplanten Bikeparks mit Besucherverunfallungen zu rechnen ist“, frotzelte Marchner. „Wenn’s den Kalbitzer fragst, der sagt dir halt: ,Wenn’s einen vom Radl schmeißt, kriegt er im Plantsch a Pflaster’“.

Aber alles in allem sei der Sluyterich schon eine gute Wahl, gratulierte der Pater den Schongauern. Und man merke, dass er in sein Amt hineinwachse, im ersten Amtsjahr immerhin drei Kilogramm. Das mache dann bis zum Ende der Amtsperiode hochgerechnet noch mal 15 Kilo. „Und das ist dann doch ein echt stattlicher Bürgermeister“.

Er sei froh, dass er nur die Fastenpredigt halten müsse, denn mittlerweile habe Sluyterman auch erfahren, was es heißt, regieren zu müssen. „Aber vergerbelt’s mir den Sluyterich nicht“. 

Zu guter letzt kam Marchner dann noch auf das Kernthema zu sprechen, nicht die Stadtmauer, sondern den Brennpunkt Altstadt. Das Rettungsteam für die Stadtmauer sei am Weg, auch wenn diese schon 700 Jahre auf dem Buckel habe. Was aber alle bewege, sei: „Kommt der neue Investor?“ Denn der wolle die Fußgängerzone.

Für die Bedenken der Werbegemeinschaft hatte Marchner wenig übrig. „Liebe Werbegemeinschaft“, giftete der Prediger, „ich weiß nicht ob’s aufgefallen ist, aber das Ladensterben geht weiter“. Der Investor, das sei ein Geschäftsmann, „so wie ihr, bloß halt – kompetent!“ Der habe doch nichts gegen die Parkplätze. Aber der sage halt: „Macht‘s bitte die Drecksfußgängerzone. Dann kommen auch die Leute.“ 

Aber vielleicht komme ja doch eher der buddhistische Leerpfad, sponn Marchner weiter. Ein Pfad, der an den leeren Geschäften vorbeiführe: Drive In/nenstadt. Aber man sei halt doch katholisch hier. Und außerdem gbt‘s bei den Buddhisten kein Bier, so Marchner. Dann doch lieber Prost und mit dem neuen Fastinator angestoßen.

Oliver Sommer

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