Anwohner äußern bei Informationsabend Bedenken zum Thema "Bikepark"

Hässlich, laut und unnötig?

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Optischer Schandfleck und zu laut oder dringend nötig und naturverträglich: Zum Thema Bikepark scheiden sich die Meinungen.

Schongau – Zerstörte Natur, zu viele Autos und lästiger Lärm: Das waren die häufigsten Bedenken, die diejenigen, die in der Nähe des geplanten Bikeparks wohnen, am Montag äußerten. Sie sollten bei der Informationsveranstaltung im Ballenhaus gehört werden. Aber auch Befürworter des Projekts kamen zu Wort.

Erstaunlich: Der Großteil der über 100 Anwesenden hatte die 40 längst überschritten. Jugendliche, für die der Bikepark primär realisiert werden soll, kamen nur wenige. Und so war es nicht verwunderlich, dass mehrere Anwohner der Schärflshalde den jungen Schongauern mangelndes Interesse am Bikepark unterstellten. 

„Wir sind früher auch so Radl gefahren“, ließ ein älterer Herr seinen Frust schon vor der Diskussion raus. „Jeden Schmarrn brauchen wir nicht.“ Seine anwesenden Nachbarn teilten diese Haltung.

Die kategorische Ablehnung versuchte Stadtbaumeister Ulrich Knecht umzukehren. „Wir hoffen, Bedenken auszuräumen und größere Akzeptanz zu schaffen“, legte er sein Anliegen gleich zu Beginn offen dar. „Es ist wichtig, alle Belange zu berücksichtigen“, stellte er in Aussicht, Lösungen für die Anwohner zu finden. 

Vor einem Jahr wurde im Stadtrat bereits beschlossen, das Projekt „Bikepark“ ins Auge zu fassen. Im Herbst folgten erste Konzepte, im Januar dann ein konkreter Entwurf. „Man kommt nicht aus Jux und Tollerei auf so eine Fläche“, erklärte Knecht die Wahl der Lage neben Plantsch und Eisstadion. Sie sei wegen der geologischen Gegebenheiten und der Nähe zu den anderen Freizeitanlagen ideal. Er glaube an die Sinnhaftigkeit, denn Radfahren sei keine Trendsportart, die nur kurze Zeit aktuell ist, sondern „immer in“.

Natürlich müsse es Benutzungsregeln und -zeiten geben, räumte Knecht ein. Die sollen sicherstellen, dass der Lärmpegel in Maßen gehalten wird. Damit auch tatsächlich alles im Rahmen der vorgeschrieben Dezibel-Grenzen bleibt, wurde sogar ein Schallschutzgutachten in Auftrag gegeben. Trotz des positiven Ergebnisses von Thomas Hils, das im Bauausschuss im Mai bereits besprochen und nun erneut vorgestellt wurde, blieben die Anwohnern skeptisch.

„Power-Slides“, das Fahren auf Schotter – der gar nicht verwendet werden soll –, volle Auslastung und andere Extreme wurden den Untersuchungen zugrunde gelegt. Auch die Autos, die kommen, wurden eingerechnet. Sogar mögliche Schreie beim Sprung über Hügel bedachte Hils. Ebenso die Vorbelastung durch Schwimmbad und Eishalle. „Wenn man das ansetzt, wird man die Grenzen außerhalb der Ruhezeiten einhalten können“, sicherte der Experte zu. Lediglich für die Ruhezeiten Zeiten, beispielsweise am Sonntagnachmittag, müsste noch eine Lösung gefunden werden, wobei bei der Berechnung auch mit der Maximalauslastung gerechnet worden sei. Für die Zweifel an dem Gutachten zeigte Bürgermeister Falk Sluyterman kein Verständnis. „Es ist überzeugend.“

Wer denn nun tatsächlich den Platz nutzen soll, wollten mehrere Bürger wissen. Und bis wann man als jugendlich gilt. „Man ist so alt, wie man sich fühlt“, antwortete Sluyterman und erntete bei etwa der Hälfte der Anwesenden Applaus. Schließlich gebe es auch die Möglichkeit, als Elternteil mit den Kindern auf den Platz zu gehen. Das wurde auf dem Podium mehrmals bekräftigt.

30 bis 40 Jugendliche habe Tobias Kalbitzer selbst zu Thema befragt. Die meisten seien einem Bikepark gegenüber positiv eingestellt. „Sie würden ihn annehmen und wünschen ihn sich“, ist sich der zweite Bürgermeister sicher.

„Wischiwaschi“, fand eine Anwesende diese Aussage und befürchtete, dass man für Auswärtige viel Geld verschenke. Dass es gut sei, wenn Biker aus den Nachbarorten kommen, darüber herrschte hingegen bei den Befürwortern Einigkeit. Sie begrüßten den steigenden Attraktivitätsfaktor in der Region. „Beispielsweise Peiting oder Altenstadt könnten sich beteiligen“, schloss Knecht sogar eine Kooperation nicht aus.

Ein weiterer Kritikpunkt der Gegner war die Beeinflussung der Natur. Nicht nur der Wildwechsel werde eingeschränkt, sondern auch die Landschaft zerklüftet. „Wir nehmen eine freie Fläche und machen sie zu einer Schutthalde“, prophezeite Fritz Lutzenberger ein landschaftliches Fiasko. „Sonst gehen die Biker in den Wald“, glaubt Jugendreferentin Ilona Böse aber sogar an einen Vorteil für die Natur. Ohnehin sei die naturschutzrechtliche Bestandsaufnahme zu dem Ergebnis gekommen, dass beachtenswerte Bereiche, wie eine Wildbienenkolonie, ohne Weiteres in den Park integrierbar seien, erläuterte Knecht.

Dafür, dass kein Müll rumliegt und die Bahnen in Ordnung sind, sollen sich darüber hinaus einerseits die Biker selbst andererseits „Bikepark-Paten“ kümmern. Solche seien bereits mehrere gefunden. 

Eine potenzielle Wertminderung der Häuser macht den Anwohner ebenfalls Sorgen. Sluyterman reagierte auf diesen Einwand selbst. „Eigentum verpflichtet und Einschränkungen in einem gewissen Rahmen muss man entschädigungslos hinnehmen.“ So sei es sogar im Grundgesetz verankert.

„Man könnte, wenn der Stadtrat will, ein ‘Go’ geben“, sagte Knecht. Dennoch werde die Stadt bei der weiteren Planung die Anregungen aufnehmen. Gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt, da noch Änderungen möglich sind. „Wir sind am Beginn.“

Von Ursula Gnadl

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