Schongaus Realschulleiter Kröniger sagt Servus

Bewegende Abschiedsfeier

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Als König Ludwig II., Kaiserin Sissi und Prinzessin Sophie von Bayern verkleidet, bereiteten die Leiter der benachbarten Schulen, Wolfgang Gebler, Ulla Heitmeier und Rita Schuster, dem scheidenden Realschulleiter Karl-Heinz Kröniger (2. v. li.) einen festlichen Abschied.

Schongau – Wenn der Bundespräsident am Ende seiner Amtszeit verabschiedet wird, geschieht das mit dem großen Zapfenstreich. Fast ähnlich feierlich ging es am vergangenen Dienstag bei der Verabschiedung von Realschulleiter Karl-Heinz Kröniger zu.

Da intonierten niemand geringere als König Ludwig II. samt Kaiserin Sissi und Sophie von Bayern die Bayern-Hymne für den scheidenden 65-Jährigen. Der Auftritt der Schulleiter der benachbarten Schulen war nur einer der Höhepunkte des bewegenden Abschiedsfestes. 

Gut zweieinhalb Stunden dauerte der offizielle Teil der Veranstaltung, der im Anschluss an den Gottesdienst in der Aula der Realschule stattfand. Zweieinhalb Stunden, die einen tiefen Einblick in die Person Karl-Heinz Kröniger gaben und durch die sich eines wie ein roter Faden zog: Wehmut über das Ende einer Amtszeit, die 1993 begonnen hatte. 

Damals hatte Kröniger, der im Oktober vergangenen Jahres 65 geworden ist, den Schulleiterposten an der Pfaffen-winkel-Realschule angetreten, nachdem er dort vier Jahre Stellvertreter von Robert Bohrer gewesen war. Sein Studium hatte der gebürtige Regensburger 1976 in Regensburg absolviert, anschließend an den Realschulen in Weilheim und Peißenberg gearbeitet, ehe ihn das Kultusministerium zu sich bestellte. „Er muss damals sehr gute Noten gehabt haben, sonst hätte ihn das hohe Haus nicht für fünf Jahre geholt“, stellte der Ministerialbeauftragte Ernst Fischer in seiner Laudatio fest. Er lebe vor, dass für ihn der Lehrberuf ohne Begeisterung und Idealismus nicht vorstellbar sei, zitierte Fischer aus einer alten Beurteilung des Schulleiters, die auf Kröniger bis zuletzt zugetroffen habe. 

Wie sehr Kröniger die vergangenen Jahre an der Schongauer Realschule geprägt hat, machte Landrat Friedrich Zeller deutlich. „Sie hatten zwei legendäre Vorgänger. Jetzt sind Sie selbst zur Legende geworden“, sagte er, ehe er einige Verdienste des 65-Jährigen – darunter der nicht vorhandene Unterrichtsausfall, die gute Atmosphäre an der Schule und die Vielzahl an außerschulischen Aktivitäten – ansprach. 

Auch eine Anekdote hatte der Landrat parat. Als er an einem Samstag um 8.30 Uhr beim Friseur gewesen sei, habe bei diesem das Telefon geklingelt. „Dran war der Realschulleiter, der noch einen Praktikumsplatz für eine Schülerin suchte“, erzählte Zeller. „Das war typisch Kröniger. Sie sind eine Institution. Es ist traurig, dass ich Sie verabschieden muss.“ Als Geschenk hatte der Landrat einen blau-weißen Krug mit dem Landkreis-Wappen dabei.

Noch mehrmals durfte Kröniger auf die Bühne kommen, um ein Präsent oder Urkunde entgegenzunehmen. Von seinen Schulleiterkollegen Wolfgang Gebler (Gymnasium), Ulla Heitmeier (Grundschule) und Rita Schuster (Mittelschule), die sich extra in königliche Gewänder geworfen hatten, wurde der 65-Jährige zum königlich-bayerischen Hofrat ernannt. Der Elternbeiratsvorsitzende Huber begann seine Rede mit den Worten „liebe Trauergemeinde“, ehe das Lehrerkollegium das Wirken ihres Chefs in einem „Brennpunkt“ kabarettistisch Revue passieren ließ. 

Als besondere Überraschung traten Krönigers Kinder Katarina und Konstantin auf, die für ihren Vater zwei Lieder zum Besten gaben. 

Am Ende ergriff der Schulleiter schließlich selbst das Wort. Er erinnerte an „unvergessene Stunden“ und „wunderbare Momente“, dankte seiner Frau Doris und den Kindern, die seine Arbeit immer unterstützt hätten, wegen der sie aber auch oft auf ihn hatten verzichten müssen. Er habe in all den Jahren viele famose junge Menschen kennengelernt, blickte er zurück und betonte: „Mein Glaube an die Jugend ist nach wie vor ungebrochen.“ 

Die Frage, ob er es ohne Schule aushalten werde, könne er nicht beantworten, gab er zu und fügte augenzwinkernd hinzu: „Wenn der Herbst kommt, könnte es daher sein, dass Sie eine tiefgebeugte Gestalt um das Schulgelände schleichen sehen.“ 

Dann übergab er seinem Nachfolger Christian Zingler, der von der Realschule Landsberg kommt, symbolisch den goldenen Schulschlüssel. chpe

Bildergalerie:

Realschule Pfaffenwinkel verabschiedet Schulleiter Kröniger

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