Bleibt der ländliche Raum auf der Strecke? Landvolkshochschule Wies: Tagungsteilnehmer aus 18 Staaten formulieren Appell

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ROLAND LORY; Wies – Vertreter aus 18 europäischen Staaten haben jetzt anlässlich einer Tagung Politik, Kirche und Gesellschaft aufgefordert, die ländlichen Gebiete stärker in den Blick zu nehmen. Diese Regionen seien „ein wertvoller Lebensraum, den es durch eine nachhaltige und eigenständige Entwicklung zu erhalten gilt“, heißt es in einer Resolution, die in der Landvolkshochschule Wies verabschiedet wurde. Veranstalter der Konferenz war das Landesbildungswerk der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) in Bayern. Mehrere Tage lang befassten sich gut 80 Vertreter verschiedener Verbände und Initiativen mit der ländlichen Entwicklung in Europas Regionen. In der Resolution forderten sie Politik, Kirche und Gesellschaft auf, Bedingungen zu schaffen, „dass eine vielfältige, multifunktionale bäuerliche Landwirtschaft auch in Zukunft existieren kann. Zudem soll die regionale Vermarktung von Lebensmitteln gefördert werden.“ Dazu gehörten deren klare, verständliche und ehrliche Kennzeichnung, eine Stärkung des Verbraucherbewusstseins, eine direktere Kommunikation zwischen Erzeuger und Verbraucher aber auch eine Kontrolle der Marktmacht, die die Lebensmittelkonzerne innehätten. Eine weitere zentrale Forderung lautet, „Arbeitsplätze auf dem Land zu schaffen und zu erhalten.“ Zudem appellierten die Teilnehmer, „die Menschen ernst zu nehmen und in ihrer regionalen Kultur zu fördern.“ Pfarrer und Schulleiter Rainer Remmele erläuterte im Kreisboten-Interview, dass in den ländlichen Regionen vieles im Umbruch sei. Er verwies dabei etwa auf die Bildung von Pfarreiengemeinschaften und auf Schulen, die leer stehen. Für den Pfarrer ist klar: „Dort wo Schulen sind, werden sich Familien ansiedeln. Und dort wo eine gute Infrastruktur ist, sprich Daten-Autobahn aber auch guter öffentlicher Nahverkehr, werden sich Arbeitsplätze ansiedeln.“ Remmele glaubt, dass die bäuerliche Landwirtschaft hier in der Region langfristig überleben kann, „wenn alle, die davon betroffen sind innovativ und kreativ die Sache in die Hand nehmen.“ Außerdem müsse man die Verbraucher davon überzeugen, dass eine nachhaltige Entwicklung Deutschlands nur mit einer nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft möglich sei. Freilich gab es auch sehr skeptische Stimmen. So machte sich etwa Brigitte Frank (KLB Augsburg) „große Sorgen um die Zukunft in den Dörfern.“ Die Bäuerin befürchtete, dass es in ein paar Jahrzehnten nur noch eine Agrarindustrie geben werde. Für ganz wichtig hält es Remmele, „nicht nur zu überlegen, wie können wir Wirtschaftswachstum um jeden Preis herbekommen, sondern wie können wir Lebensqualität entwickeln.“ Und die Kirche? Für Remmele steht fest: „Wir müssen Anwalt für die Menschen sein, Anwalt für die Schwachen sein. Wir müssen auf der Seite derer stehen, die keine guten Lebensbedingungen haben. Und wir müssen all jene ermutigen, die Talente und Fähigkeiten mitbekommen haben, die Welt so zu entwickeln, dass möglichst viele Menschen gute Lebensbedingungen haben - in Afrika wie in der Region Schongau, in West- wie in Osteuropa.“

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