BR berichtet über Altstadt-Probleme

Schongau im TV: Kleinstadt-Idylle mit Makeln

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Heile Welt: die Schongauer Altstadt von oben.

Schongau – Eine halbe Stunde lang hat sich am vergangenen Montag im Bayerischen Fernsehen alles um Schongau gedreht, genauer gesagt um die Altstadt und die Probleme, mit denen sie zu kämpfen hat. Ein sehenswerter Beitrag, der manch interessanten Blick hinter die bunten Fassaden bot.

Schongau, ein „voralpenländisches Kleinod an der romantischen Straße“, das „Tor zum Pfaffenwinkel“ mit „Kleinstadt-Idylle“: Ein Reiseführer hätte die Vorzüge Schongaus nicht besser beschreiben können, als es der BR-Beitrag zu Beginn tut. 

Sind die Anfangsbilder noch Werbung pur, würden die nächsten jedoch nur schwerlich Eingang in einen Touristenführer finden. Die Kamera zeigt leerstehende Häuser, das zweite Gesicht der Schongauer Altstadt. Eine „Tristesse, die man nicht mit dem Postkarten-Idyll in Einklang bringen mag“, kommentiert der Sprecher. „Hier ist das Leben abhanden gekommen, die Altstadt stirbt, sagt man.“ 

Genau um dieses Altstadtsterben dreht sich der Bericht, den das BR-Team im Sommer 2014 drehte. Viele lässt er zu Wort kommen, versucht so, ein möglichst differenziertes Bild aufzuzeichnen. Einer der Interviewten ist Fritz Weinberger. Selbst früher im Stadtrat macht der Schongauer Architekt auch Fehlentscheidungen in der Vergangenheit für die aktuelle Situation verantwortlich. 

„Beim Gewerbegebiet Schongau West ist uns ein Fehler unterlaufen“, sagt er selbstkritisch. Man habe dort das Ausufern der Fläche zugelassen, was man im Nachhinein nicht mehr regulieren könne. 

Doch falsche Entscheidungen sind für Weinberger nur ein Teil des Problems. Maßgeblichen Anteil am hohen Leerstand in der Altstadt haben für ihn die Erben. „Sie sind nicht unter Zugzwang, sie haben kein Investment getätigt, müssen also nichts erwirtschaften“, erklärt er.

Als Beispiel nennt er den denkmalgeschützten Gasthof zur Sonne, der seit vielen Jahren ungenutzt verfällt. Passend dazu liefert der Beitrag eindrucksvolle Bilder aus dem Inneren des ehemaligen Hotels Schrimpf am Marienplatz. 

Es ist eine Reise in längst vergangene Zeiten, die Kamera fängt leerstehende Gästezimmer ein, die aussehen, als wären sie gerade noch genutzt worden. Totes Investment – mitten in der Altstadt. So war zumindest der Stand der Dinge, als der Film gedreht wurde. Mittlerweile hat der Besitzer Pläne für eine neue Nutzung publik gemacht (siehe Bericht auf Seite 4). 

Natürlich wird auch Bürgermeister Falk Sluyterman interviewt, auch wenn er zum Zeitpunkt des Drehs erst kurz im Amt ist. Er wirft seinen Vorgängern vor, es versäumt zu haben, einen „Magneten“ in die Alstadt zu holen. Ein Vorhaben, das jetzt umso schwerer ist, wie Unternehmer Klaus Kirstein bestätigt, der sich seit zwei Jahren vergeblich um eine Belebung des ehemaligen Gonizianerhauses bemüht. 

Auch Stephan Hild darf ein paar Sätze sagen. Der UWV-Stadtrat, der gerade das Gebäude der ehemaligen Bäckerei Feustle saniert, ärgert sich darüber, dass viele sich der Vorteile Schongaus nicht mehr bewusst seien. Andreas Huber vom gleichnamigen Modegeschäft zeigt sich optimistisch, dass „man aus Schongau viel machen kann.“ Deswegen gehe er gern mit gutem Beispiel voran. Und Geschäftsmann Ludwig Wieser? Der findet, dass mehr Ideen von der Stadt ausgehen müssten. 

Apropos Ideen: Natürlich widmet sich der Beitrag auch der im vergangenen Jahr neu gegründeten Gruppe Schongau belebt. Zu sehen sind Bilder vom Papierfliegerwett-bewerb und dem „Dinner in weiß“. Als „extrem positiv“ bewertet Weinberger die Initiative und ist überzeugt: „Die Wirkung wird ganz massiv kommen.“ So endet der Film hoffnungsvoll. „Die Zeit scheint in Schongau reif für den Weg zurück in die Stadt“, stellt der Sprecher fest. Den Beweis müssen die Schongauer jetzt nur noch selber antreten.

Christoph Peters

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