Bürgerwind Pfaffenwinkel kritisiert Behörden

"Das ist skandalös!"

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So könnten die Windkraftanlagen auf den Bergwiesen einmal aussehen. Ob sie tatsächlich gebaut werden, steht noch nicht fest, denn der Bürgerwind Pfaffenwinkel-Planungsgesellschaft fehlt derzeit noch die Baugenehmigung.

Peiting – Zwei Jahre ist es her, dass die Interessengemeinschaft Bürgerwind Pfaffenwinkel das erste Mal an die Öffentlichkeit trat, um ihren Plan von Windkraftanlagen auf der Berg- und Köpfinger Wiesen vorzustellen. Bis Ende 2014, verkündeten Peter Krecu und seine Mitstreiter damals zuversichtlich, könnten die ersten Windräder in Betrieb gehen. Doch davon ist die mittlerweile gegründete Planungsgesellschaft weit entfernt. Die Schuld sehen die Verantwortlichen bei den Behörden und finden deutliche Worte. 

Eigentlich ist Peter Krecu ein umgänglicher Mensch. Der Geschäftsführer der Bürgerwind Pfaffenwinkel-Planungs-Gesellschaft nimmt sich gerne Zeit um über sein Projekt, das er gemeinsam mit Franz Schwaiger und 60 Grundstückseigentümern vor gut zwei Jahren aus der Taufe gehoben hat, zu reden. Das war auch am vergangenen Dienstag so, als er und seine Mitstreiter mal wieder zum Pressegespräch geladen hatten, um über den aktuellen Stand zu informieren. 

Doch diesmal konnte und wollte Krecu nicht verbergen, wie sehr ihn die Situation wurmt, ja geradezu maßlos ärgert, in der sich das ehrgeizige Projekt befindet. Seit zwei Jahren kämpfen er und seine Mitstreiter darum, die Baugenehmigung für Windkraftanlagen auf der Berg- und Köpfinger Wiesen zu bekommen. Sie haben unzählige Gespräche geführt, Gutachten erstellt, es geschafft, alle fünf Anrainer-Kommunen ins Boot zu holen, doch noch immer dreht sich kein einziges Windrad. 

Den Schuldigen für die Misere hat Krecu längst ausgemacht. Man kämpfe nicht so sehr gegen die Politik, sondern gegen die Behörden, wetterte er. Tatsächlich mutete die Kette der Ereignisse, die der Geschäftsführer dokumentiert hatte und am Dienstag Revue passieren ließ, fast schon unglaublich an. Im Mittelpunkt: der Denkmalschutz. 

Um nachzuweisen, dass die geplanten Anlagen den Blick auf das Weltkulturerbe Wieskirche nicht beeinträchtigen, hatte die Gesellschaft im August 2013 ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das versen-dete man im November 2013 sowohl auf deutsch als auch auf englisch an das Landratsamt. Letztere Version war für den Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos) bestimmt, der die Unesco berät. 

Im Mai dann die Enttäuschung: Sowohl das Landesamt für Denkmalpflege, als auch das Kultusministerium und Icomos, erfuhren Krecu und seine Mitstreiter, hätten das Gutachten abgelehnt. Gleichzeitig forderten sie einen Nachweis über die Sichtachsen zur Wieskirche. Ein entsprechendes Ergänzungsgutachten reichte die Planungsgesellschaft bereits drei Wochen später nach. 

Doch auch das langte den Behörden nicht. Im August folgte ein Ortstermin, bei dem sich Vertreter von Behörden und Icomos per Hubschrauber-Simulationsflug die geplante Höhe der Windräder demonstrieren ließen (der KREISBOTE berichtete). 

Hier platzte die Bombe, denn sowohl Susanne Fischer vom Landesamt für Denkmalpflege als auch Giulio Marano von Icomos gaben laut Krecu an, überhaupt kein Gutachten bekommen zu haben. Als der Geschäftsführer von Fischer wissen wollte, auf welcher Basis sie ihre negative Stellungnahme dann formuliert habe, habe diese eingeräumt, sich womöglich auf das Gutachten über den geplanten Windpark in Denklingen gestützt zu haben, das zufällig aus der Feder des gleichen Professors stammte. „Also haben wir ihnen das Gutachten nochmals in Papierform und per Mail übergeben“, so Krecu. 

Seitdem sind zwei Monate vergangen, auf eine offizielle Antwort wartet man immer noch. Stattdessen hat Krecu über Kreisbaumeister Horst Nadler erfahren, dass Icomos das Kultusministerium darum gebeten habe, die Unesco direkt einzuschalten. Sollte das Ministerium dem Vorschlag folgen, droht dem Projekt eine Verzögerung von bis zu drei Jahren. Krecu macht diese Vorgehensweise wütend. „Diese Arroganz und Ignoranz akzeptieren wir nicht. Wir werden Mittel finden, uns dagegen zu wehren.“ 

Beistand bekam er am Dienstag von den Bürgermeistern der beteiligten Gemeinden. „Wenn das alles so stimmt, dann ist das skandalös!“, polterte Peitings Gemeindechef Michael Asam. „Wir bemühen uns, alle Termine einzuhalten und dann so etwas.“ Auch sein Wildsteiger Amtskollege Joseph Taffertshofer sparte nicht mit deutlichen Worten. „Da sieht man, wie das System arbeitet. Da werden Gutachten gefordert, um dann die Entscheidung emotional aus dem Bauch heraus zu fällen.“ Er vermutete hinter dem Vorgehen gar Methode, um das Projekt zu verhindern. „Jetzt geht ihnen beim Artenschutz die Luft aus, dann kommt man mit dem Denkmalschutz.“ 

Tatsächlich schien für die Windkraftpläne bis vor kurzem der Artenschutz das gravierendste Problem zu sein. Zwar lehne das Umweltministerium die beantragte Ausnahmegenehmigung weiter ab, erlaube jetzt aber, dass das Landratsamt über sie entscheide, berichtete Krecu. „Das ist ein Quantensprung.“ Eine Lex Pfaffenwinkel sei dies nicht, betonte der Geschäftsführer. Ein ähnliche Vorgehensweise sei bereits im Landkreis Starnberg angewendet worden.

Und auch was den Regionalplan angeht, konnte Krecu Erfreuliches berichten. Dort waren die Bergwiesen aufgrund des Artenschutzes herausgenommen worden. Dass diese Beurteilung nicht mit der Wirklichkeit übereinstimme, habe man mittels eines umfangreichen ornithologischen Gutachtens nachweisen können, erklärte der Geschäftsführer. Dreimal habe man deswegen beim Planungsverband Oberland die Wiederaufnahme beantragt, doch erst ein gemeinsames Schreiben der fünf Bürgermeister habe jetzt zum Erfolg geführt. „Schriftlich haben wir aber noch nichts.“

Trotz der Verzögerungen und widrigen Umstände wollen Krecu und seine Mitstreiter an ihren Plänen festhalten. „Es gibt ein klares Votum unserer Gesellschafter, nicht aufzugeben“, betonte er und versprach: „Wir haben einen langen Atem.“

Christoph Peters

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