Unesco droht mit Entzug des Welterbestatus der Wieskirche

Bürgerwind Pfaffenwinkel vor dem Aus

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Die Unesco befürchtet, dass die rund zehn Kilometer entfernt stehenden und hinter einem Wald verborgenen Windkraftanlagen einen störenden Einfluss auf das Welterbe Wieskirche haben könnte.

Peiting – Die Unesco hat eine niederschmetternde Stellungnahme zu den geplanten Windkraftanlagen auf Peitinger Flur abgegeben. Bei einem Pressegespräch musste der Vorstand der Bürgerwind Pfaffenwinkel Planungs-GmbH, Peter Krecu, die Nachricht verkünden, die faktisch das Aus für die Windkraft im Pfaffenwinkel bedeutet. In dem Gutachten der Unesco heißt es lapidar, dass „die Erlaubnis zur Errichtung der geplanten Windräder verweigert werden sollte“. Eine Mitschuld an der Entwicklung geben die beteiligten Bürgermeister auch der Genehmigungsbehörde.

Bevor Peter Krecu auf das Schreiben aus dem Staatsministerium einging, rekapitulierte er nochmals kurz die Leistung der Bürgerwind-GmbH und ihrer Gesellschafter und ließ die vergangenen Wochen Revue passieren. Bislang, so Krecu, habe man für die diversen Gutachten, insbesondere zum Immissionsschutz, dem Ertragsgut-achten und zum Natur- und Umweltschutz, sowie für die rechtsanwaltliche Begleitung 270000 Euro aufgebracht. 

Risikokapital, das die Gesellschafter gestemmt hätten, wie Krecu erinnerte, dessen sei man sich immer bewusst gewesen. Dazu kommt die ehrenamtliche Arbeit aller Beteiligten, insbesondere von Krecu und seinem Vize Manfred Schwaiger, die sich auf 4800 Arbeitsstunden beläuft. Von den mehr als 22000 gefahrenen Kilometer ganz zu schweigen. Ein Einsatz, der nun vergebens ist, nachdem vor knapp zwei Wochen das Schreiben des bayerischen Kultusministeriums mit der Stellungnahme der Unesco auf den Tisch der Bürgerwind GmbH flatterte. 

Darin heißt es, dass „die Erlaubnis zur Errichtung der geplanten Windräder verweigert werden sollte“. Denn würde sich das Welterbekomitee mit der Causa befassen, könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Wieskirche im Fall einer Genehmigung der Windkraftanlagen auf die „Liste des gefährdeten Welterbes“ gesetzt und im schlimmsten Fall von der Welterbeliste gestrichen würde“. 

Die Haltung der bayerischen Staatsregierung hierzu ist eindeutig, wie die Bürgermeister aus Rottenbuch, Steingaden, Peiting und Böbing unterstrichen. Laut dem bayerischen Landesentwicklungsprogramm LEP soll alles unterlassen werden, was einen derartigen Status gefährden könnte. 

Noch Anfang Juni habe man, so Krecu, den Antrag auf die immissionsschutzrechtliche Genehmigung mit den vollständigen Unterlagen beim Landrats-amt abgegeben. Darin habe man selbst einen der vier Standorte gestrichen, um eine neue, spezielle artenschutzrechtliche Prüfung zu vermeiden. Dieser liegt nahe einer bedeutenden Uhu-Population sowie nahe an der Wohnbebauung. 

Das Landratsamt habe am 3. Juli die sachliche Richtigkeit und Vollständigkeit der Unterlagen bestätigt. Damit hätte man innerhalb eines Vierteljahres mit der Baugenehmigung rechnen können, so Krecu. Wäre da nicht am 22. Juli eben jenes Schreiben eingetroffen, dessen schlechte Nachrichten die 62 privaten Gesellschafter, vorwiegend Grundstückseigner und Landwirte, in einer Gesellschafterversammliung erfuhren. 

Sowohl Denkmal-, als auch der Naturschutz seien jeder für sich ein ausreichendes Kriterium für einen Ablehnungsbescheid gewesen, dessen sei man sich immer bewusst gewesen, betonte Krecu. Da man nicht wisse, gab er seiner Hoffnung Ausdruck, in welchem Stadium der Prüfung die Unesco ihr Statement abgegeben habe, werde man den Antrag vorerst nicht zurückziehen, sondern diesen nur ruhen lassen. 

Man versuche nun, „sich keine Chance zu verbauen“, so Krecu. Allerdings ist die Bürgerwind GmbH finanziell am Ende, man müsse wahrscheinlich das Kapital der GmbH auflösen. 

Dass der Denkmalschutz ein Weg für die Politik ist, die Windkraft zu verhindern, vermuten die beteiligten Bürgermeister. So fand vor allem Wildsteigs Rathauschef Josef Taffertshofer, deutliche Worte. „Die Ingenrieder (Windräder) sieht man von der Wieskirche aus, unsere nicht“, schimpfte er. Und bezog sich darauf, dass weder die geplanten Räder in Köpfing noch an den Bergwiesen von der Wieskirche aus zu sehen sind. Allerdings die im benachbarten Ostallgäu. 

Und hier sehen die beiden CSU-Bürgermeister, auch Peter Erhard aus Böbing, das Problem. Von Anfang an habe man bei der genehmigenden Behörde, die Pläne an die Icomos, den internationalen Rat für Denkmalpflege, und damit direkt an die Unesco, weitergeleitet. Während dies im Ostallgäu nicht passiert sei. Ob sich die Unesco eingeschaltet hätte ohne direkte Aufforderung durch die Behörde, sei fraglich. 

Derzeit versucht die Bürgerwind Planungs-GmbH Kosten zu minimieren und sich alle Chancen offen zu halten. Als nächste Schritte sei eine Gesellschafterversammlung im Herbst und ein Gespräch im Landratsamt geplant, außerdem wolle man ein Positionspapier einreichen.

Oliver Sommer

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