Bundesentscheid "Unser Dorf hat Zukunft"

Böbing im Ausnahmezustand

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Böbings Bürgermeister Peter Erhard und Landrat Friedrich Zeller empfingen die Kommission am Gemeindehaus, ehe es auf die große Besichtigungsrunde ging.

Böbing – Der vergangene Montag war ein Tag, den die Böbinger so schnell nicht vergessen werden: Erst nahm die Bundeskommission des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ Böbing drei Stunden lang genau unter die Lupe. Das Protokoll ereignisreicher Stunden in Wort und Bild.

11 Uhr: Der Himmel ist grau, die kurvige Straße nach Böbing nass und es regnet: Der Wetterbericht, der genau das vorhergesagt hatte, scheint aus-nahmsweise rechtzubehalten. Kein bayerischer weiß-blauer Bilderbuch-Himmel, stattdessen kaltes Schmuddelwetter: Ob sich die Jury davon beeinflussen lässt? Bürgermeister Peter Erhard kommentiert die Bedingungen trocken: „Staubfrei ist’s“. Dann eilt er schnellen Schritts den Autofahrern entgegen, die am Gemeindehaus noch verzweifelt einen Parkplatz suchen und winkt sie vehement in eine Seitenstraße. 

11.10 Uhr: Die Böbinger Blaskapelle stellt sich auf, um der Jury ordentlich den Marsch zu blasen. Einige schützen sich mit Schirmen gegen den Regen, der Rest vertraut lieber auf den Trachtenhut. Immer mehr Böbinger versammeln sich. 

11.28 Uhr: Zwei Minuten zu früh biegt der Reisebus mit der Bundeskommission an Bord um die Ecke. Er hält, die Türen öffnen sich: Das Zeichen für die Musiker, loszulegen. Erhard begrüßt die 20 Jurymitglieder einzeln per Handschlag. Dann geht’s der Blaskapelle hinterher zum Gemeindehaus. 

11.35 Uhr: Der Bürgermeister greift zum Mikro, begrüßt die Kommission. Dann ergreift Landrat Friedrich Zeller das Wort. Er spricht vom „Landkreis des Wassers“, womit er allerdings die Gewässer und nicht das Nass von oben meint. Er schwärmt vom traumhaften Blick aufs Hochgebirge, nach dem sich die Jury allerdings vergebens wendet – in den Wolken sind die Berge noch nicht einmal zu erahnen. Kommissionsleiter Michael Pelzer nimmt’s mit Humor. Er sei wie seine Kollegen etwas übernächtigt, was daran liege, dass sie gestern Nacht die Wettbewerbsbroschüre noch auswendig gelernt hätten, erklärt er. „Jetzt wollen wir schauen, ob das auch alles stimmt.“

Böbing: "Unser Dorf hat Zukunft"

11:50 Uhr: Die Karawane zieht los – allen voran der Bürgermeister mit zwei Männern, die wie bei einer Prozession eine Lautsprecheranlage an einem Holzgestänge tragen. Flugs hatten Erhard und sein Team zuvor noch blau-weiße Schirme an die Jury-Mitglieder verteilt – wenn schon der Himmel die Landesfarben vermissen lässt. Die erste Station ist nach wenigen Metern erreicht. Vor der Schule darf Gerhard Hofauer vom Veteranen-Verein über das Kriegerdenkmal aufklären. Dann bleiben zwei Minuten, um Schule und Bücherei zu besichtigen, ehe es weitergeht zum Kirchplatz. 

12.06 Uhr: Dort dreht sich alles um das Vereinsleben im Dorf. 28000 Stunden haben Ehrenamtliche in die Vereinsunterkünfte investiert, erfährt die Jury – eine Zahl, die ihren Eindruck nicht verfehlt. Anschließend schwärmt Franz Hückl junior vom umfangreichen Angebot für Jugendliche. „Wir brauch’n hier deshalb koane Disko und koan Alkohol und Drogen.“ Die Anwesenden müssen lachen ob so viel Tugendhaftigkeit. Dann zählt Gemeinderat Robert Eder die Eckdaten der Nahversorgung auf. Arzt, Lebensmittelgeschäft, Café, Bäckerei: Alles da, was man zum Leben braucht. 

12.22 Uhr: Das nächste Ziel ist die Kirche, unüberhörbar tönt die Orgel. Josef Manhart liefert einen Abriss der Geschichte des Gotteshauses. Die Teilnehmer sind froh, dass sie sich ein wenig im Trockenen aufwärmen können. Fernsicht vom ehemaligen Friedhof Fehlanzeige. Immerhin regnet es nicht mehr. 

12:47 Uhr: Am Gasthof Alte Post vorbei geht es weiter zum Bosch-Hof, wo die Kommission Produkte aus der Region schnabulieren darf. Volltreffer. 

13 Uhr: Über schmale Fußwege führt Erhard die Gruppe weiter Richtung Feuerwehrhaus, wo „etwas besonderes wartet“. DIe Gewerbetreibenden haben die Halle in Beschlag genommen und präsentieren ihre Geschäfte. Zum ersten Mal gibt’s Bier und natürlich wieder Häppchen. Jurymitglied Alois Weber nutzt die Chance, um sich vom Praxisteam von Dr. Mohr den Blutdruck messen zu lassen. Schon nach zehn Minuten ist die Stippvisite vorüber. Erhard dankt für den „Riesen-Aufwand“. 

13.44 Uhr: Über den Kindergarten St. Hedwig – der Regen hat wieder eingesetzt – und das Neubaugebiet erreicht der Zug das denkmalgeschützte Pfarrheim. Hier darf der Obst- und Gartenbauverein über die „Öko-Nische mitten im Ort“ berichten, ehe der ehemalige Wiespfarrer Georg Kirchmeir aus tiefstem Herzen Werbung für Böbing betreibt. Er sei überglücklich, hier wohnen zu dürfen, sagt er. „Ich komme mir manchmal vor wie im Paradies“. Pelzer nickt eifrig. Die Worte hinterlassen Eindruck. 

13.56 Uhr: Die Gruppe ist zurück am Gemeindehaus. Erhard zieht zufrieden eine erste Bilanz. Der Wettbewerb habe sich schon jetzt gelohnt, man habe gemeinsam viel erreicht, lobt er. Mittlerweile sind auch jene Kommissionsmitglieder zurück, die den Außenbereich des Dorfs begutachtet haben. Kein Zuckerschlecken bei diesem Wetter. Ganz schön eisig sei es gewesen, berichtet Matthias Hett von der Naturschutzbehörde des Landratsamtes. 

14.10 Uhr: Es tröpfelt immer noch, weshalb alle froh sind, als das Gemeindeoberhaupt den Versammlungsraum im Scheiberhaus als finale Station ausgibt. Dort wartet Brotzeit und Kuchen auf die Teilnehmer. Die Singkinder des Trachtenvereins geben ein eigens gedichtetes Lied zum Besten, das sich natürlich um das Dorfleben dreht. Anschließend platteln die jungen Trachtler, was das Zeug hält. Noch einmal ergreift Erhard das Wort, sieht im Wettbewerb die Chance der Dörfer, sich gegen die großen Zentren zu behaupten. Dann überreicht er den Jury-Mitgliedern ein Brotzeitbrett samt Honig und Schnaps als Präsent – natürlich sind es Produkte aus der Region. Beides werde zum richtigen Ergebnis führen, fügt er augenzwinkernd hinzu. Die Beschenkten lachen. Sie wissen: Es werden nicht die letzten Aufmerksamkeit bleiben. 23 Dörfer liegen noch auf ihrer Reise. Böbing war erst der Anfang. Allerdings ein „sehr positiver“. Das verrät Pelzer dann doch noch.

Christoph Peters

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