Dreizehn Hektar zum Sonne tanken

So soll die geplante Photovoltaikanlage im Norden Schongaus aussehen. Grafiken: Vollast

2022 soll auch in Bayern endgültig Schluss sein mit der Atomkraft. Dann geht das letzte Kernkraftwerk Isar II vom Netz. So sieht es das Gesetz vor, welches die Bundesregierung im Juli beschlossen hat. Damit mit dem Ende der Kernenergie nicht das Licht ausgeht, sollen in den nächsten Jahren die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden. Die Stadt Schongau könnte auf ihrer Flur schon bald einen Beitrag dazu leisten. Im äußersten Norden will eine Schwabsoier Firma eine dreizehn Hektar große Freiflächenphotovoltaikanlage errichten. Es wäre die größte ihrer Art im Schongauer Land.

Schon 2009 hatte sich der Schongauer Stadtrat mit dem Thema Photovoltaik befasst und sich für ein Standortkonzept ausgesprochen, um einen Wildwuchs solcher Anlagen zu verhindern. Als im Sommer 2010 jedoch die Vergütung für Freiflächenanlagen auf Ackerflächen ausgelaufen sei, habe man das Konzept erst einmal wieder zurückgestellt, blickte Stadtbaumeister Ulrich Knecht in der jüngsten Stadtratssitzung zurück. Denn in Frage kommen seitdem nur noch privilegierte Flächen wie etwa entlang von Autobahnen und Eisenbahnen. Letztere, nämlich die Bahnlinie zwischen Schongau und Landsberg, ist nun in den Fokus der Vollast GmbH aus Schwabsoien gerückt. Das Unternehmen, das bereits mehrere Photovoltaik-Projekte verwirklicht hat, plant eine Anlage, die sich über dreizehn Hektar nördlich der B17 östlich und westlich entlang der Bahnlinie erstreckt und im Optimalfall rund fünf Megawatt Strom erzeugen soll. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 1600 Vier-Personen-Haushalten. Die beantrag-te Lage zähle zu den wenigen möglichen Flächen, erklärte Knecht, der sich dabei auf das vorläufige Ergebnis des mittlerweile fast fertigen kommunalen Standortkonzepts berief. Der Stadtbaumeister gab zu, selbst kein Fan solcher Anlagen zu sein („Mir gefallen die schwarzen Teppiche in der Landschaft nicht“), gleichwohl könne sich die Stadt ihrem Beitrag zum Atomausstieg nicht entziehen. Dies sahen auch Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) und die Mehrheit der Stadträte so. Allerdings musste sich Vollast-Geschäftsführer Tobias Mader, der die geplante Anlage den Gremiumsmitgliedern im Detail präsentierte, dennoch einige kritische Anmerkungen gefallen lassen. So wollte Siegfried Müller (ALS) das Unternehmen verpflichten, keine Module aus China zu verwenden, eine Forderung, die laut Mader jedoch nicht zu erfüllen ist, da die Anlage ansonsten zu teuer würde. Hans Hartung (CSU) warnte vor der hohen Blendgefahr für die Altenstadter Fallschirmjäger, was der Geschäftsführer damit zu entkräften versuchte, dass andere Anlagen bereits ohne Probleme in der Nähe von militärischen Flughäfen in Betrieb seien. Für „zu gigantisch“ befand dagegen Helmut Schmidbauer (CSU) das geplante Bauwerk. Er befürchtete, dass der Flächenverlust die Pacht für die Bauern in die Höhe treiben könnte. Ein wichtiger Punkt war den Räten die Gewerbesteuer, die laut Mader normalerweise an die Gemeinde geht, in der sich der Sitz des Unternehmens befindet – in diesem Fall Schwabsoien. Man könne sich allerdings darauf einigen, dass die Einnahmen im Verhältnis 70 zu 30 geteilt würden. Dies sei ein „absolutes Muss“, erklärte SPD-Fraktionschef Robert Bohrer. Wie Mader am vergangenen Dienstag auf Anfrage des KREISBOTEN mitteilte, ist man bereits einen Schritt weiter. Da ein Büro in Schongau die Verwaltung der Anlage übernehmen werde, könne der Sitz der Solarparkgesellschaft in Schongau gewählt werden, so der Geschäftsführer. „Dadurch entfallen 100 Prozent der Gewerbesteuer auf Schongau.“ Kosten entstehen der Stadt durch den Bau im übrigen nicht. Denn alle anfallenden Aufwendungen im Rahmen des Verfahrens sowie das Risiko trägt Maders Firma. Die Stadträte nahmen das Projekt erst einmal zur Kenntnis. Bereits in der nächsten Sitzung am kommenden Dienstag könnte allerdings eine endgültige Entschei-dung fallen.

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