Nur einer hat’s gewusst

Das ehemalige Forstamt steht seit langem leer. Foto: Peters

Schon seit einigen Wochen wabert ein Gerücht durch die Lechvorstadt, das es in sich hat: Die Regierung von Oberbayern plane, das ehemalige Forstamt Schongau als Asylbewerberheim zu nutzen. Jetzt kam heraus, dass Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) bereits seit Januar über die Pläne informiert ist.

Die Sitzung des Schongauer Stadtrates am vergangenen Dienstag war fast schon zu Ende, als Stadtbauamtsmitarbeiter Michael Wölfle noch ein Blatt Papier an die Anwesenden verteilte. Es handelte sich dabei um einen offenen Brief von Thomas Maurer, dessen Eltern unmittelbar neben dem ehemaligen Forstamt in der Lechvorstadt wohnen. In dem Schreiben, das vom 9. Mai datiert ist, wendet sich Maurer an die Nachbarn und Anwohner des Forstamtes, um sie über die geplante Nutzung des Gebäudes als Asylantenunterkunft zu informieren. Er habe zufällig davon erfahren und daraufhin bei der Stadt Schongau nachgefragt. Dort habe ihm Hauptamtsleiter Bernd Liebermann mitgeteilt, dass der „Stadt Schongau keine diesbezüglichen Informationen vorliegen“. Brisant wird es allerdings im nächsten Absatz: Denn da schreibt Maurer, dass Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl in einem Privatgespräch (nicht mit ihm) jedoch schon eingeräumt haben soll, über solche Pläne bereits länger Bescheid zu wissen. Zur Überraschung der Stadträte gab Gerbl am Dienstag zu, tatsächlich bereits seit Januar informiert gewesen zu sein. Der Regierungsvizepräsident habe ihm in einem Gespräch mitgeteilt, dass die Regierung von Oberbayern das ehemalige Forstamt für eine Unterkunft in Betracht ziehe, sagte Gerbl. Da jedoch noch keine Entscheidung gefallen sei, habe er sich entschlossen, damit nicht an die Öffentlichkeit zu treten. Nicht einmal Liebermann habe er eingeweiht, was dessen Antwort erkläre. „Die Leute werden durch so etwas nur verrückt gemacht“, begründete Gerbl sein Vorgehen. Bei den Ratsmitgliedern rief Gerbls Verschwiegenheit allerdings blankes Entsetzen hervor. „In der Lechvorstadt rumort es, die Leute haben Angst vor einer Abwertung ihrer Grundstücke“, sagte Peter Blüml. Der CSU-Stadtrat lebt selbst in der Lechvorstadt und hatte schon Anfang Mai bei Gerbl nachgefragt, was an dem Gerücht dran sei. Besonders ärgerte Blüml, dass der Bürgermeister nicht einmal den Stadtrat eingeweiht habe. „Überall wird etwas gegen solche Pläne unternommen, nur hier wird es auf die leichte Schulter genommen.“ Zumal Schongau mit seinem Asylbewerberheim in der Dießener Straße bereits seinen Beitrag leiste. Unterstützung erhielt Blüml von UWV-Stadtrat Michael Motz. „Ich bin nicht der Meinung, dass man solche Informationen zurückhalten muss. Bei mir steht das Telefon nicht mehr still, wir müssen die Leute informieren“, kritisierte er. CSU-Fraktionschef Michael Eberle betonte, dass man auf keinen Fall weiter warten dürfe. Man müsse jetzt überlegen, wie ein derartiges Heim an dieser Stelle zu verhindern sei. „Und dabei spielt natürlich auch eine Rolle, welche Rückmeldung die Stadt an die Regierung gibt.“ Noch sind die Planungen nicht weit fortgeschritten. Wie Peter Aumann, Leiter der Abteilung Hochbau im Staatlichen Bauamt Weilheim, auf Anfrage des KREISBOTEN mitteilte, gebe es derzeit vom Freistaat noch keinen konkreten Auftrag, das altersschwache Gebäude auf seine Eignung hin zu untersuchen. „Ob es überhaupt in Frage kommt, hängt auch davon ab, ob es bessere sprich wirtschaftlichere Alternativen gibt.“

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