Faschingsumzug in Schongau

„Da geht ordentlich die Post ab"

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Beim Nachtfasching in Hohenfurch schunkelte sich die Schongauer Faschingsgesellschaft auf ihrem Wagen schon einmal für das Heimspiel am morgigen Sonntag warm.

Schongau – Es ist der Höhepunkt im Schongauer Fasching: Am morgigen Sonntag schlängeln sich ab 14 Uhr wieder zahlreiche bunt geschmückte Wagen und Fußgruppen beim Umzug der Narren durch die Altstadt. Wochenlang hat Siegfried Müller, 39, mit seinem Team die Spaß-Veranstaltung vorbereitet. 

Herr Müller, morgen ist der große Umzugtag. Sind Sie aufgeregt? 

Müller: „Aufgeregt ist das falsche Wort. Mir geistern eher alle möglichen Sachen durch den Kopf und ich hoffe, dass ich nichts vergessen habe.“ Lustig können die letzten Tage für Sie ja nicht gewesen sein, eher richtig stressig, oder? Müller: „Das stimmt. Sie waren definitiv von Stress geprägt. Ich habe die Woche auch nur eineinhalb Tage gearbeitet. Die restliche Zeit hatte ich Urlaub, um den Umzug vorzubereiten.“

Wie viele Gruppen und Wagen bekommen die Zuschauer morgen denn zu sehen? 

Müller: „Derzeit haben sich 31 angemeldet. Das kann sich aber auch noch ändern. Wenn einer morgen mit seinem Wagen dasteht und mitfahren möchte, dann quetschen wir den schon noch irgendwie dazwischen.“ 

Sind Sie zufrieden mit der Beteiligung?

 Müller: „Sagen wir es so: Es war schon mal besser, aber auch schon schlechter. Man muss bedenken, dass hinter so einem Wagen wahnsinnig viel Arbeit steckt und es auch ein großer finanzieller Aufwand ist. Deshalb bin ich schon zufrieden.“

 Derzeit wird vielerorts über die hohen Auflagen der Behörden geschimpft. Mancherorts haben erboste Wagenbauer ihre Teilnahme an Umzügen deswegen abgesagt. Ein Problem auch in Schongau? 

Müller: „Die Auflagen sind nicht neu. Wir hatten schon vor zwei Jahren einen runden Tisch mit Landratsamt, Polizei und TÜV. Dabei haben wir einen vernünftigen Weg gefunden. Die Vorschriften gehen jedes Jahr an die Wagenbauer raus. Probleme haben jetzt vor allem jene Veranstalter, die das in der Vergangenheit nicht so sehr verfolgt haben.“ 

Auf welche Highlights können sich die Besucher morgen freuen?

 Müller: „Die meisten Wagen waren schon beim Hohenfurcher Nachtfaschingszug zu sehen. Aber unser Höhepunkt ist mit Sicherheit die große Bar am Marienplatz. Da geht nach dem Umzug ordentlich die Post ab.“ (lacht)

 Im vergangenen Jahr hat Hans Schwarz, der 40 Jahre die Aufstellung und Durchführung des Umzuges organisiert hatte, sein Amt niedergelegt. Wie groß war das Loch, das er hinterlassen hat?

 Müller: „Nach so langer Zeit ist ihm der Rückzug natürlich gegönnt gewesen. Zumal er in den vergangenen Jahren andere in seine Aufgaben eingearbeitet hatte. Den Papierkram hatte sowieso schon ich übernommen. Aber ganz weg ist der Hans freilich nicht. Er steht mir immer noch mit Rat und Tat zur Seite, ich kann ihn jederzeit anrufen.“ 

Besucher, die zum ersten Mal nach Schongau kommen, um den Umzug zu verfolgen, dürften überrascht darauf reagieren, dass sie dafür Eintritt bezahlen müssen. Haben Sie keine Sorge, manch einen dadurch abzuschrecken?

 Müller: „Nein. Wir haben hier schon immer Eintritt verlangt, der mit 3 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder außerdem beileibe nicht hoch ausfällt. Wir finanzieren so den Umzug, denn die Teilnehmer erhalten je nach Umfang und Aufwand einen Teil des Geldes.“

 Sie sind jetzt seit zehn Jahren Präsident der Schongauer Faschingsgesellschaft. Dabei haben Sie einst selbst energisch betont, nie einem Faschingsclub beitreten zu wollen. Hätten Sie gedacht, dass Sie mal zum Oberspaßvogel werden?

 Müller: „Überhaupt nicht. Ich habe mir das immer gern angeschaut, aber dass ich mal Prinzenpaare aussuche und 40 Auftritte in einer Faschingssaison besuche – Wenn mir einer das vor 20 Jahren gesagt hätte, ich hätte geantwortet: Du spinnst.“

Am Aschermittwoch ist Kehraus. Drei Monate Narrenzeit liegen dann hinter Ihnen. Werden Sie froh sein, dass der Spaß dann erstmal vorbei ist?

 Müller: „Sicher. Egal, wie schön oder lang die Saison war: Am Aschermittwoch bin ich immer froh, dass ich mich wieder auf andere Sachen konzentrieren kann. Das dauert dann aber doch meist mehrere Wochen, bis alle Nacharbeiten erledigt sind.“ Interview: Christoph Peters

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