Festliche 500-Jahr-Feier in Hohenpeißenberg

Jubiläum als Chance und Auftrag

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Reinhard Kardinal Marx segnete die von Michael Pratsch geschaffenen Holzstele am unteren Bergparkplatz.

Hohenpeißenberg – Vier Tage lang wurde in Hohenpeißenberg ausgiebig das 500-jährige Gemeinde- und Wallfahrtsjubiläum gefeiert. Höhepunkt war am Wochenende der Besuch von Kardinal Reinhard Marx beim Festgottesdienst in der Wallfahrtskirche „Mariä Himmelfahrt“.

Weit über tausend Gläubige zogen am Sonntag-Vormittag auf den Hohen Peißenberg, darunter auch zahlreiche Vereins- und Trachtengruppen aus dem Jubiläumsort sowie den umliegenden Gemeinden. Per Kirchenzug ging es vom Pröbstelsberg zur Wallfahrtskirche, die derzeit saniert, für seine Eminenz, dem Erzbischof von München und Freising, aber „liturgiegerecht hergerichtet“ wurde, wie Bürgermeister Thomas Dorsch beim anschließenden Festakt im Bierzelt scherzte. 

Für Marx war es der erste Besuch auf dem heiligen Berg – „und dann gleich so eine Erfahrung“, schwärmte der gebürtige Westfale über das Ambiente. Die Jubiläen von Wallfahrt und Gemeinde, sprich „das geistliche und irdische Wohl der Menschen“, seien untrennbar miteinander verbunden. 

Mehrere Trachtenabordnungen wie der "Lechgau Trachtenverband", die "Schloßbergler" aus Schongau (schwarze Standarte) und die "Illachtaler" aus Rottenbuch zogen am Sonntag-Vormittag zur Wallfahrtskirche auf den Hohen Peißenberg.

Doch der Kardinal richtete in seiner Predigt auch mahnende Worte an die Gläubigen. Das Jubiläum müsse demnach als „Chance“, und „Auftrag“ verstanden werden. Die Wallfahrtsgeschichte als bloße Chronikauflistung nutze wenig, vielmehr müsse sie „Ermutigung“ sein, das Leben als Christ aktiv zu gestalten. Die Wallfahrtskirche dürfe nicht zum Museum verkommen, sondern müsse ein Ort des lebendigen Glaubens sein. 

Die Geschichte, so der Kardinal, müsse deshalb weitergeschrieben werden, und zwar nicht allein durch die Sanierung der Kirche, sondern vor allem durch „die Renovierung unser Herzen“. „Wenn man die Landschaft hier sieht“, fragte Marx provokant, „wie kann man da nicht glauben, wie kann man da Atheist sein?“ 

Nun, wie viele „Ungläubige“ sich trotz der eindringlichen Kardinalsworte unter die Festgemeinde am Sonntag wagten, ist nicht überliefert. Der evangelische Pfarrer Dr. Rainer Mock jedenfalls sprach beim späteren Festakt in seinem ökumenischen Grußwort, „von einem der katholischsten Feste, die ich bisher mitgemacht habe“. 

Pfarrer Hans Speckbacher verwies wiederum auf die zunehmende Anziehungskraft des Hohen Peißenberg. Seitdem die Gnadenkapelle renoviert sei, habe die Bedeutung der Wallfahrt noch einmal einen kräftigen Schub erhalten. „Viele kommen, um etwas mit sich auszumachen oder um etwas zu suchen“, erzählte Speckbacher. 

„Freude dem, der hierher kommt“ und „Friede dem, der hier verweilt“ verspricht den Pilgern am unteren Parkplatz die Holzstele, die von Marx nach dem Festgottesdienst feierlich gesegnet wurde. Der von Künstler Michael Pratsch mit der Kettensäge und in 130 Arbeitsstunden bearbeitete „Jubiläumsbaum“ erzählt von den für die Ortsgeschichte bedeutenden Plätzen und Gebäuden. „Der Baum steht sinnbildlich für die Wurzeln der Hohenpeißenberger“, so Bürgermeister Dorsch.

Bernhard Jepsen

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