6000 Besucher beim Faschingsumzug in Schongau

Von Fußball-Gaudi bis Sony-Leak

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„Das Solarstudio pleite geht, Bohlen nicht mehr auf der Bühne steht“: Die Altenstadter Landjugend spottete über das Pop-Duo Modern Talking.

Schongau – Ein fröhlich radelnder Bürgermeister, der Strom für die Weihnachtsbeleuchtung liefert, ein bayerischer Wurstfabrik-Besitzer hinter schwedischen Gardinen und waschechte Gardemädels, die in schönster Karnevals-Manier die Beine fliegen ließen: Für die Unterhaltung der rund 6000 Besucher war am Sonntag beim Faschingsumzug in der Schongauer Altstadt bestens gesorgt. Nach der großen Party am Marienplatz feierten die Narren noch bis spät in die Nacht in den umliegenden Kneipen weiter.

Jedes Jahr ist der Faschingsumzug samt anschließender Party am Marienplatz der Höhepunkt der Faschingssaison in Schongau. Davon machte auch der diesjährige Faschingssonntag keine Ausnahme. Mehrere tausend verkleidete Zuschauer säumten die Straßen der Altstadt, um staunend zu verfolgen, was sich die Teilnehmer des Umzugs heuer so hatten einfallen lassen. Und das war allerhand. 

Sowohl Wagenbauer als auch Fußgruppen hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um die Themen des letzten Jahres amüsant und teils kritisch aufzuarbeiten. Natürlich durfte da der Gewinn des Fußball-Weltmeister-Titels nicht fehlen, dem sich nicht nur die Epfacher Narren auf ihrem in schwarz-rot-gold gehaltenen Wagen annahmen. 

Wenig zimperlich gingen die Burggener mit dem erfolglosen Wetten Dass-Moderator Markus Lanz um. Der baumelte als leblose Puppe gleich mal am Medien-Strick, nachdem er den TV-Dino bekanntlich nicht vor seinem Untergang hatte retten können. Ordentlich sein Fett weg bekam auch Uli Hoeneß. Dem ehemaligen Bayern-Präsident, der im vergangenen Jahr wegen Steuerhinterziehung zu einert Haftstrafe verurteilt worden war, waren gleich zwei Wagen gewidmet – inklusive waschechter Zelle und Würstchenbude. 

Faschingsumzug in Schongau

Selbst die Weltpolitik wurde nicht ausgeklammert. „Ukraine, Syrien & Irak - egal, Hauptsache der G7-Gipfel wird ’n’ schöner Tag“, prangte in großen Lettern auf einem als Schloss Elmau dekorierten Wagen. Für Wladimir Putin blieb da nur die Zuschauer-Rolle. Gar nicht sehen will Südkoreas Diktator Kim Jong-un dagegen die Sony-Filmsatire „The Interview“. Der Hacker-Angriff auf das Filmstudio und die Drohungen des erzürnten Diktators weidete ein weiterer Wagen süffisant aus. 

Und was machte Bürgermeister Falk Sluyterman beim ersten Faschingsumzug in seiner Amtszeit? Er radelte, was das Zeug hielt. Die Junge Union hatte sich die Posse um die Schongauer Weihnachtsbeleuchtung zur Brust genommen und das Stadtoberhaupt kurzerhand zur Öko-Stromerzeugung per Pedalkraft aquiriert. Sluyterman nahm’s mit Humor, kein Wunder, war die Geschichte bekanntlich doch noch gut ausgangen. 

Nach dem Umzug schlug die Stunde der Garden und Königspaare auf der Bühne vor dem Ballenhaus. Sie unterhielten das Publikum mit Tänzen, ehe anschließend ein DJ dem Partyvolk am Marienplatz mächtig einheizte. Auch in den Kneipen und Geststätten der Altstadt hatten die Narren ihren Spaß. Bis tief in die Nacht dauerte es, bis auch der Letzte sich auf den Heimweg machte.

Christoph Peters

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