Schongauer Stadträtin fordert Gedenkstätte im Heilliggeist-Klosterhof

Rosen für die "Hexen"

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Eine Statue erinnert im Ballenhaus an die Schongauer Hexenprozesse.

Schongau – Es ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Stadt Schongau. Zwischen 1589 und 1592 fand in der Lechstadt der größte bayerische Hexenprozess statt. Nun fordert eine Stadträtin eine Gedenkstätte.

 Für 63 unschuldige Frauen bedeutete er grausame Folter und den Tod. Damit dieser traurige Teil der Stadtgeschichte nicht in Vergessenheit gerät, beantragte ALS-Stadträtin Bettina Buresch 63 Rosenstöcke im Heiliggeist-Klosterhof zu pflanzen. Im Stadtrat war man ob des Vorschlags allerdings geteilter Meinung. Seit 14 Jahren beschäftigt sich Buresch mit dem Thema Hexenprozess. Zwar sei ihr bewusst, dass es bereits eine kleine Tafel am ehemaligen Faulturm und eine kleine Statue im Ballenhaus gebe, die an das Ereignis erinnere, erklärte die Stadträtin. „Aber das ist alles sehr dezent. Ein lebendiger Rosengarten wäre viel spektakulärer.“ Zumal Bureschs Vorschlag nicht nur die 63 Rosenstöcke beinhaltete, sondern auch, dass diese durch Schilder mit den Namen der hingerichteten Frauen ergänzt werden sollten. „Dadurch wird einem die Zahl der Opfer viel bewusster.“ Sie habe im Vorfeld mit vielen Leuten gesprochen und überall Zustimmung erhalten, berichtete sie. Auch Autor Oliver Pötsch, dessen Henkerstochter-Romane zum Teil in der Region spielen, zeigte sich laut Buresch begeistert von der Idee: „Es ist Aufgabe der Stadt, an das grausame Unheil zu erinnern“, zitierte Buresch aus einem Brief des Autors. Der Prozess sei ein Alleinstellungsmerkmal für Schongau. Viele Touristen kämen deswegen in die Lechstadt. Ein derartiges Denkmal würde von ihnen „honoriert werden“. Helmut Schmidbauer konnte dem Vorschlag dagegen nichts abgewinnen. Man habe bereits 1989 ein Denkmal im Ballenhaus aufgestellt, erinnerte der Kreisheimatpfleger. „Zwei Denkmäler zur selben Sache sind nicht angemessen.“ Allerdings räumte Schmidbauer ein, dass die Statue in einer Wandnische des Cafés „sehr gut versteckt“ liege. „Mein Vorschlag wäre, sie in den Klosterhof zu versetzen.“ Hans Hartung (CSU) sah es ähnlich und erinnerte auch an die hohen Pflegekosten der Rosenstöcke. Stadtgärtner Klaus Thien schätzte den jährlichen Unterhalt auf 3 200 Euro pro Jahr. Buresch bezweifelte die Zahlen und betonte noch einmal die Möglichkeit, die Namen der hingerichteten Frauen anbringen zu können, die durch die Prozessakten alle bekannt seien. „Das wäre sehr individuell.“ Dem stimmte auch Robert Bohrer (SPD) zu, den der Vorschlag an die Stolpersteine für jüdische Holocaust-Opfer erinnerte. Wieder war es Schmidbauer, der einen Einwand hatte. Es seien längst nicht alle Namen bekannt, widersprach er. Außerdem sei eine Statue allemal besser als ein Beet, „das verlottert ausschaut“. Michael Eberle (CSU) sprach gar von einem „Wettlauf der Denkmäler“, während der Brunnen am Sonnengraben seit Jahren vor sich hingammele.Auch wenn Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) den Vorschlag grundsätzlich positiv sah, „3 200 Euro Pflegeaufwand sind auch mir zu viel“, gab er den Gegnern der Idee Recht. Er schlug stattdessen vor, im neuen Jahr Gespräche mit allen Beteiligten zu führen, um eine Lösung zu finden. Dem stimmte das Gremium einstimmig zu.  Von Christoph Peters

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