Barbaraglocke kehrt zu ihren bergmännischen Wurzeln zurück

"Der Kreis schließt sich"

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„St. Barbara, ora pro vobis“ (Heilige Barbara, bete für uns) steht auf der Glocke, die von Rudi Hochenauer (re.) und Helfern ins Fundament einjustiert wurde. Die Josephsglocke wurde der Bundeswehrkaserne in Pöcking übergeben, die beiden anderen sind für das Kloster Andechs und eine Familienkapelle reserviert.

Hohenpeißenberg – Sie war bis zu ihrem Ausbau vor einem Jahr die größte der vier Turmglocken in der Wallfahrtskirche auf dem Hohen Peißenberg und wurde zuletzt in einer Bauhofhalle zwischengelagert. Nun läutet die Barbaraglocke wieder, wenn auch nicht mehr im kirchlichen Dienst.

Vergangene Woche rückte ein großer Autokran in der Hohenpeißenberger Glückauf-Straße an, um den 1,85 Tonnen schweren Stahlkörper in sein neues Fundamentgerüst neben dem Eingang zum ehemaligen Hauptstollen hinein zu heben. 

Für die zu Ehren der Schutzpatronin geweihten Barbaraglocke war es eine Rückkehr zu ihren bergmännischen Wurzeln. Als sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Bochum gegossen wurde, waren es Bergleute aus dem Ort Hohenpeißenberg, die maßgeblich zu ihrer Finanzierung beigetragen hatten. „Die Glocke kommt wieder nach Hause zurück. Damit schließt sich der Kreis“, freute sich der stellvertretende Knappenvereinsvorsitzende, Rudi Hochenauer, als die ersten Glockenschläge durch die Hohenpeißenberger Glückaufstraße hallten. 

Der christliche Glaube und die Verehrung der heiligen Barbara seien für die Bergmänner stets von „hohem Stellenwert“ gewesen. „Das prägte in der Vergangenheit und prägt bis heute immer noch nach – wie der Hall der Glocke“, verdeutlichte Hochenauer, der zusammen mit einigen Vereinskollegen, wie „Konstrukteur“ Franz Merkl und „Schweißer“ Bernd Reisner, rund 100 Arbeitsstunden in die aufwendigen Funda- ment­arbeiten investiert hatte. Eingebettet ist die „Aktion Barbaraglocke“ in das Projekt „Schwarzes Gold am Rigi“, das mit 33 000 Euro über das EU-Leaderprogramm unterstützt wird und auch den Ausbau des Hauptstollens als Schaubergwerk beinhaltet.

„Die Barbaraglocke“, betonte Kirsten Hosse von der für das „Leader“-Programm zuständigen Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwinkel, „passt hervorragend in das Regionalkonzept, weil dadurch das kulturelle Erbe aufrechterhalten wird.“ Mit den Bergbau-Museen in Penzberg und Peißenberg sowie dem Hohenpeißenberger Projekt sei ein lückenloses Abbild vom handwerklichen bis zum industriel- len Bergbau in der Region entstanden.  

Auch Bürgermeister Thomas Dorsch sprach von einer „Aufwertung“ für die Rigi-Gemeinde. Der Glockenstandort direkt neben dem Hauptstollen sei ein „wunderschöner Platz“, und außerdem: „Es ist schön, dass die Glocke voll funktionstüchtig ist und läutet. Tote Glocken finde ich ganz schlimm“, merkte der Bürgermeister an. 

Damit das Prunkstück vor schädlichen Witterungseinflüssen geschützt bleibt, will der Knappenverein eine offene Schachthütte drumherum bauen. Zudem sollen vor Ort eine Treppe sowie Parkplätze angelegt und auf dem Hohen Peißenberg ein Info-Pavillon errichtet werden. Nächstes Frühjahr ist laut Hochenauer ein Fest geplant, um die Glocke einzuweihen: „Das haben sich die Helfer vom Knappenverein auch redlich verdient“, ist sich der Vize-Vereinschef sicher.

Von Bernhard Jepsen

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