Gravierende Auswirkungen

Die Grafik zeigt ganz oben den Hohenfurcher Brunnen samt dem geplanten Wasserschutzgebiet. Grafik: Stadt Schongau

Wasser ist ein hohes Gut und daher besonders schützenswert. Doch was tun, wenn der Schutz des kostbaren Nass plötzlich mit wirtschaftlichen Interessen kollidiert? Mit dieser Frage sahen sich die Schongauer Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung konfrontiert. Denn die Gemeinde Hohenfurch möchte ihr Wasserschutzgebiet auf Schongauer Flur deutlich erweitern, was große Nachteile für das geplante Gewerbegebiet Nord der Stadt mit sich bringen könnte. Das, so waren sich die Räte einig, könne man nicht hinnehmen. Sie lehnten den Antrag einstimmig ab.

Auch Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) lehnte den Plan der Nachbargemeinde ab, wenngleich ihm das innerlich nicht leicht gefallen sein dürfte. Denn ausgerechnet Gerbl war es gewesen, der zu seiner Zeit als Hohenfurcher Bürgermeister das Projekt auf den Weg gebracht hatte. Schon damals, 2007, war der Vorstoß am Widerstand Schongaus unter Bürgermeister Friedrich Zeller gescheitert. Es sei eine Aufforderung des Wasserwirtschaftsamtes gewesen, der er gefolgt sei, erklärte Gerbl seine einstiges Bestreben. Jetzt allerdings, versicherte er, vertrete er allein die Interessen von Schongau. Zweifel daran hegte indes keines der Gremiumsmitglieder. Vielmehr teilten sie Gerbls Ansicht, dass eine Ausweitung des Wasserschutzgebietes bis fast zum Krankenhaus und der Bahnlinie nach Landsberg nicht in Frage komme. Gleich eine ganze Reihe von Gründen, die dagegen sprechen, führte Michael Wölfle vom Stadtbauamt an. Obwohl das Schutzgebiet in diesem Bereich nur in die niedrigste Kategorie 3b falle, seien die Auswirkungen für die Stadtentwicklung „gravierend“, betonte Wölfle. Dies liegt an den vielfältigen Einschränkungen. Regenwasser müsse wie Abwasser entsorgt werden, Grabungen von mehr als drei Meter Tiefe seien nicht erlaubt, was gegen Tiefgaragen spräche, ebenso wenig Bohrungen, die tiefer als einen Meter reichen. Die Liste, die Wölfle aufzählte, schien nicht enden zu wollen. Sein Fazit: Sollte das Wasserschutzgebiet genehmigt werden, „könnte es uns passieren dass Gewerbetreibende vor den vielen Auflagen zurückschrecken.“ Ergo: Das geplante Industriegebiet hätte sich damit erledigt. Für Stadtrat Stephan Hild (UBV) ist das keine Option. Ein Nein könne „nur in aller Schärfe“ ausfallen, sagte er: „Wir müssen es Hohenfurch so schwer wie möglich machen.“ Schließlich sei das betroffene Areal ein „entscheidendes Gebiet“ für die Zukunft der Stadt. Seine Idee, dies durch Einschlagen erster Pflöcke zu untermauern, musste Wölfle allerdings abschlägig bescheiden. „Wir haben ja noch keinen Bebauungsplan und keine Gebäude, also auch keinen Bestandsschutz.“ Eine andere Alternative, die Wölfl den Räten präsentierte, gefiel da schon besser. Hohenfurch könne an das Schongauer Wasssernetz angeschlossen werden, sagte er, dies habe die Gemeinde bereits untersuchen lassen. Kostenschätzung für die 2,5 Kilometer lange Leitung: 700000 Euro. Eine Summe, die laut technischem Werksleiter Walter Frömmrich in der Realität durchaus niedriger ausfallen könnte: „Mit 300000 Euro sollte man hinkommen.“ Hohenfurchs Bürgermeister Guntram Vogelsgesang kann dem Vorschlag allerdings wenig abgewinnen. Zum einen sei es besser, wenn die Wasserversorgung aus unterschiedlichen Brunnen sicher gestellt werde, gibt er zu bedenken. Zum anderen „müssten wir dann für jeden Liter zahlen.“ Wie das Verfahren am Ende ausgeht, lässt sich jetzt noch nicht absehen. Ein Beispiel aus der Nachbarschaft dürfte die Schongauer Räte allerdings beunruhigen. 2010 klagte die Kreisstadt Weilheim gegen die Ausweitung des Wasserschutzgebietes der Gemeinde Wielenbach – und verlor.

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