Im Grunde eine Glaubensfrage

Ein Verkehrsplaner wird den Verkehrsfluss, die Parkplatzsituation und die Möglichkeit einer Fußgängerzone am Marienplatz untersuchen. Hierauf einigte sich der Stadtrat, wenn auch nicht einhellig und nach ausführlichen Diskussionen, in der vergangenen Sitzung

. Wer gedacht hatte, das Thema Marienplatz sei nach Jahren des Hin- und Her und der Ungewiss- heiten inzwischen weit gediehen, konnte sich in der letzten Stadtratssitzung vom Gegenteil überzeigen. Zwar hatte Stadtbaumeister Ulrich Knecht im Oktober vergangenen Jahres ein Konzept erarbeitet, das damals bei den Räten auf breite Zustimmung stieß, doch erneut machten einige Stadträte keinen Hehl daraus, dass sie mit der jetzigen Situation durchaus zufrieden sind. Allen voran plädierte Heinrich Forster von der SPD nachdrücklich für den Erhalt des Marienplatzes „in situ“ und verwies auf den Bürgerentscheid im vergangenen Jahr, bei dem sich die Bürger eindeutig gegen eine Fußgängerzone auf dem Marienplatz ausgesprochen hatten. Gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, dass es nicht sein dürfe, dass durch den Arbeitskreis, der sich wiederholt mit dieser Thematik beschäftigt habe, der Bürgerbeschluss unterlaufen werde. „Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann mach´ ich einen Arbeitskreis“, resümierte Forster. Zudem, so betonte der Genosse, solle man das Geld besser für andere Dinge verwenden als für einen Verkehrsplaner, der den Stadtsäckel mit rund 23000 Euro belasten würde. In die gleiche Kerbe schlug Peter Blüml (CSU), der sowohl Bedenken hinsichtlich einer „halben Fußgängerzone“, als auch in Richtung Verkehrsplaner äußerte. Auch Hans Loth von den Unabhängigen Wählern zog eindeutig Position: „Bei einem Verkehrsplaner kommt auch nicht das gelbe vom Ei raus“, sagte dieser und Michael Eberle von den Christsozialen schob nach: „Der Marienplatz in Schongau ist eine Glaubensfrage“. Ganz klar für die Einsetzung eines Verkehrsplaners sprach sich Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl aus: „Ich möchte nicht alle Beschlüsse der letzten Monate wieder ändern“, sagte das Stadtoberhaupt und betonte: „Was wir nun tun sind für uns ganz wichtige Dinge und deshalb müssen wir das ganz genau planen.“ An einem Verkehrsplaner führe kein Weg vorbei, so Gerbl. Licht ins Dunkel brachte Städteplaner Klaus Immich. Der Architekt, der für Schongau ein Konzept für die Altstadt erarbeiten soll, unterstrich, wie wichtig die Mitarbeit eines Verkehrsplaners bei der Gesamtplanung sei. „Die begleitende Tätigkeit eines Verkehrsplaners halte ich für äußerst sinnvoll“, sagte Immich, der beklagte, dass er in Schongau bisher kein einziges Verkehrskonzept gesehen habe. „Jede Straße sieht hier gleich aus, man kann überall mit dem Auto fahren und ein Parkraumkonzept mit unterschiedlichen Parkzeiten sucht man vergeblich“, befand der Planer. Dabei habe er gute Erfahrungen mit Verkehrsplanern gemacht, denn diese seien Spezialisten, während Städteplaner Allrounder seien, die dieses Metier nicht beherrschten. „Sie kommen da nicht aus. Der unterstützende Fachmann ist einfach nötig“, fasste Immich zusammen. Dies stieß bei Vizebürgermeister Paul Huber auf wenig Verständnis, der zudem mit den Diskussionen im Gremium sehr unzufrieden war. Es habe bereits mehrere Konzepte gegeben, die sich aber nicht bewährt hatten, so Huber. Doch es half nichts. Mit 13 zu sieben Stimmen votierte der Stadtrat für die Einsetzung eines Verkehrsplaners, auch wenn dieser einiges kosten wird.

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