Heiliges Jahr der Barmherzigkeit

Auch die Basilika in Altenstadt ist Ablasskirche

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Pfarrer Karl Klein am Portal zur Basilika, die im Jahr der Barmherzigkeit eine der Ablasskirchen im Bistum Augsburg ist.

Altenstadt/Wies – Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus ausgerufen hat, steht bei den 28 Ablasskirchen in der Diözese Augsburg die Basilika in Altenstadt ganz oben. Das romanische Gotteshaus ist auf einem Flyer des Bistums an erster Stelle genannt – noch vor Andechs, der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg und vor dem Dom. Was mit dem Alphabet zu erklären ist. Und: Im Pilgerbuch mit Wegen zu fünf Wallfahrtskirchen ist auch die Wies bei Steingaden aufgeführt.

 „Jede Sünde hat eine soziale Komponente“: So beschreibt es Monsignore Gottfried Fellner. Damit meint der Wiespfarrer die Folgen dessen, wenn jemand Gott, sich selbst oder andere Menschen in Worten oder Tagen verletze. Denn Schrammen würden bleiben. Aber Schuld werde vergeben. Dieses Thema in der heutigen Zeit verständlich zu machen, sei „eine feinfühlige Aufgabe“.

Mehr Beichtzeiten

In der Wies sei wenige Wochen nach Eröffnung des Heiligen Jahres spürbar, dass die Zahl der Beichten zunehme. So schildert es Pfarrer Gottfried Fellner. Daher würden die Beichtzeiten ausgeweitet – meist auf eine Stunde vor Gottesdiensten. Passé sei bei den Gläubigen freilich das Thema Ablass. Der Begriff würde von vielen Christen distanziert betrachtet. Aber der Ablass sei eine Form der Buße – unabhängig davon, dass er im späten Mittelalter missbraucht worden war.

Die Fastenfreitage vor Ostern stünden heuer unter dem Titel der Barmherzigkeit, blickt Monsignore Fellner voraus. Auch die anschließenden Impulse im Pilgersaal seien darauf ausgerichtet. Die Barmherzigkeit ist zudem das Leitwort für das Triduum zum Tränenfest. Dazu ist am Samstag, 18. Juni, abends eine Eucharistiefeier für Kranke und Behinderte mit Krankensalbung vorgesehen. Und am Sonntag, 19. Juni, zelebriert um 10 Uhr Erzbischof Koch aus Berlin das Pontifikalamt in der Wies. In dieser Kirche sei im Gnadenbild des Gegeißelten Heilandes wie auch im gesamten Bildprogramm das Thema Barmherzigkeit erlebbar.

Da sträubt sich etwas

„Beim Wort Ablass sträubt sich vermutlich in vielen Leuten etwas“, bekennt Pfarrer Karl Klein aus Altenstadt. Ihm selber sei es auch so ergangen. Damit meint er die Erinnerungen an den Ablasshandel, an die Zeit, „als man meinte, die Gnade Gottes kaufen und verkaufen zu können“, was einer der großen Kritikpunkte Martin Luthers war.

Doch Papst Franziskus lasse, so erklärte es Pfarrer Klein von der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt neulich im Pfarrbrief, in seinem Schreiben den Missbrauch des Ablasses hinter sich und gebe ihm einen neuen Sinn. Es gehe um die Beseitigung der Folgen von Schuld, betont Klein, der Prodekan im Kapitel Weilheim-Schongau ist und Anfang 2016 schon in Rom weilte.

Notwendig für die Gewinnung eines Ablasses ist die Pilgerfahrt und das Durchschreiten der Heiligen Pforte – in Rom, im Dom zu Augsburg oder in einer der Ablasskirchen wie in Altenstadt. Dazu kommt das Beten des Glaubensbekenntnisses, das Nachdenken über die Barmherzigkeit Gottes, die Beichte und die Mitfeier der Messe.

„Wichtig und aktuell“

Das Wort Barmherzigkeit mag althergebracht klingen und für junge Menschen schwierig zu verstehen sein, bekundet Bernhard Schöner, der Dekanatsjugendseelsorger im Bereich Schongau. Doch der Inhalt sei „wichtig und aktuell“. Die Barmherzigkeit werde in einem der regelmäßigen Jugendgottesdienste thematisiert und ebenso beim Jugendwochenende im Herbst am Klösterl am Walchensee. Den Begriff Ablass, der vorbelastet sei, umgehe er in der Jugendarbeit, fügt Schöner hinzu. Doch es sei schon angezeigt, sich mit den „Nachwirkungen der Schuld“ zu befassen. Dazu gehöre auch die Wiedergutmachung.

Im Jahr der Barmherzigkeit sollen innerhalb der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt, wo Schöner Gemeindereferent ist, auch Angebote mit Familien auf dieses Thema abgestimmt werden. Sehen, wo Not herrscht Auf die Frage, was das Jahr der Barmherzigkeit für engagierte Laien in der Kirche bedeute, antwortet Christine Grünewald vom Pastoralrat: „Dass wir die Augen offen halten und sehen, wenn Menschen in Not sind.“ Und sie ergänzt: „Barmherzigkeit heißt für mich aber auch, dass wir die Sorgen und Ängste aller Menschen ernst nehmen sollen. Doch in erster Linie stehe Barmherzigkeit für Vergebung.

Johannes Jais

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