Schongauer Sommer Chef zieht Bilanz

Historischer Markt: Lieber Volksfest- als Marienplatz

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Bis zu 3500 Besucher drängten sich vor der Bühne, um Bands wie The Sandsacks live zu sehen.

Schongau – Der Schongauer Sommer ist vorüber. Am Montag baute Manfred Wodarczyk gemeinsam mit seinen Helfern die letzten Überbleibsel des historischen Marktes ab, der dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Volksfestplatz stattgefunden hatte. Der KREISBOTE sprach mit dem Veranstalter über zehn Tage Ausnahmezustand vor den Toren der Altstadt.

Herr Wodarczyk, der historische Markt ist vorbei, die letzten Zelte werden gerade abgebaut. Wie ist Ihnen da zumute? 

Wodarczyk: „So ganz ist es noch nicht vorbei, der Stress bleibt mir noch eine Weile erhalten. Die Buchhaltung muss erledigt werden, die üblichen Nachwehen des Schongauer Sommers.“ 

Der Markt hat heuer wegen der Baustelle am Marienplatz zum ersten Mal auf dem Volksfestplatz stattgefunden. Wie fällt Ihr Fazit aus? 

Wodarczyk: „Rundum zufrieden. Ich habe fast ausschließlich positive Rückmeldungen von Besuchern und Fieranten bekommen. Viele waren vollkommen überrascht von der Atmosphäre hier unten. Zu Spitzenzeiten hatten wir mehr als 5000 Besucher, dennoch ist alles friedlich abgelaufen.“ 

Nächstes Jahr stünde der Marienplatz wieder zur Verfügung. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, ob der Markt dann wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückkehrt? 

Wodarczyk: „Ja. Eine Rückkehr wird es nach den Erfahrungen der letzten Tage nicht geben. Natürlich bietet die Altstadt mit ihrer historischen Kulisse ein wunderbares Flair. Aber da der Marienplatz ja jetzt für viel Geld hergerichtet wird, wird man bestimmt nicht wollen, dass er mit Nägeln und Heringe der Zeltbefestigungen gleich wieder Schaden nimmt.“ 

Das klingt, als wären Sie auf die Verantwortlichen der Stadt nicht gut zu sprechen. Dabei wird sogar die Infrastruktur des Marienplatzes im Rahmen der Sanierung verbessert. Das war ja immer ein Kritikpunkt von Ihnen. 

Wodarczyk: „Da hat aber keiner einmal Rücksprache mit Veranstaltern gehalten, wie es denn praktikabel wäre. So wie jetzt die neuen Hydranten stehen, ist es sehr schwierig, die Stände auszurichten.“ 

Haben Sie in den letzten Tagen mit Bürgermeister Falk Sluyterman gesprochen? 

Wodarczyk: „Während des Marktes gab es kein Gespräch, auch wenn ich gehört habe, dass er da war. Ich hoffe, er konnte sich selbst ein Bild machen von der Kulisse und wie viele Besucher die Stadt durch den Schongauer Sommer kostenlos bekommt. Ich würde mir wünschen, dass er auf die Tourist Info zugeht und wir in Zukunft konstruktiv zusammenarbeiten.“ 

Die Geschäftsleute in der Altstadt dürfte Ihre Entscheidung, am Volksfestplatz zu bleiben, nicht freuen. Viele Besucher, die von außerhalb kommen, werden den Weg hinauf nicht auf sich nehmen. 

Wodarczyk: „Ich habe 13 Jahre lang mit dem Schongauer Sommer Leben in die Altstadt gebracht, was natürlich auch den Geschäften gut getan hat. Aber es gab dennoch immer viel Ärger und Steine, die mir in den Weg gelegt wurden. Nie hat auch nur einer sich mit einer Spende für den Verein beteiligt. Stattdessen wurde sich beklagt, dass die Schaufenster verbaut würden. Diesen Stress habe ich diesmal nicht gehabt. Von daher interessiert mich das nicht.“ 

Was spricht außer diesem Umstand noch für den Volksfestplatz? 

Wodarczyk: „Wie schon gesagt haben wir hier nicht die Probleme mit der Befestigung der Zelte. Durch die Teer- und Kiesfläche ist der Markt deutlich einfacher aufzubauen. Abends hat der Standort sein ganz eigenes Flair, da fühlt man sich wie im Wald. Die Fläche für die Gastronomie konnten wir größer gestalten. Und mit dem Lech und der Möglichkeit, eine Bühne in den Hang hinein zu errichten, bietet sich noch viel Potential.“ 

Bei einer Premiere kann noch nicht alles perfekt laufen. Was gilt es nächstes Mal besser zu machen? 

Wodarczyk: „Wir werden definitiv 2015 für mehr Beleuchtung sorgen. Das war ein Kritikpunkt der Besucher. Auch beim Regen- und Sonnenschutz wird sich etwas tun. Ich denke da an einen zweiten großen Schirm. Und auch mit weiteren Fieranten bin ich im Gespräch.“ 

Vor dem historischen Markt haben Sie die Mittelalter-Kultband Corvus Corax für ein Konzert ins Eisstadion geholt. Der Zuschauerzuspruch hielt sich in Grenzen. Hat Sie das enttäuscht? 

Wodarczyk: „Leider waren in der Tat zu wenig Besucher da, um die Kosten zu decken. Aber das ist bei kulturellen Events immer schwierig. Vielleicht lag es daran, dass wir eine Woche später auf dem Markt ebenfalls viele gute Bands da hatten. Für mich persönlich war es ein Riesen-Fest und auch die Besucher, die da waren, waren hellauf begeistert.“ 

In diesem Jahr haben Sie auf ein Theater- oder Festspiel verzichtet. Wird es das nächstes Jahr wieder geben? Vielleicht die Hexe? Viele fänden das toll. 

Wodarczyk: „Die Hexe ist sicher ein Thema, aber nicht für 2015. Ich habe immer gesagt, dass sich die Stadt da mehr beteiligen muss. Es gab ein Gespräch mit dem Bürgermeister, aber spruchreif ist noch nichts. Vielleicht schaffen wir es 2017.“ 

Wäre es dann eine Überlegung, den historischen Markt am Volksfestplatz und das Festspiel in der Altstadt abzuhalten? 

Wodarczyk: „Natürlich kann man so etwas überlegen. Das ist aber auch eine Kostenfrage. Ich tendiere außerdem dazu, die beiden Veranstaltungen zeitlich zu trennen. Jede für sich ist schließlich ein Besuchermagnet.“ 

Bislang ist der Eintritt zum historischen Markt frei. Wird sich das ändern? 

Wodarczyk: „Mir war es immer wichtig, dass sich alle wohlfühlen. Natürlich kann man über einen kleinen Obulus als Eintritt nachdenken, um die hohen Kosten abzufedern. Der darf aber keine Abzocke sein. Derzeit überlegen wir erst einmal, den Bierpreis von 3,50 auf vier Euro anzuheben. Da würde sicher jeder Verständnis für haben."

Interview: Christoph Peters

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