Besichtigung der Gnadenkapelle rundet Seehofers Landkreisbesuch ab

Zwischen High Tech und Rokoko

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Ein bisschen Beistand von oben schadet im Wahlkampf bestimmt nicht – Horst Seehofer (re.) besichtigte die frisch renovierte Gnadenkapelle. Auch Generalsekretär Alexander Dobrindt (li.) lauschte den Erklärungen von Bürgermeister Thomas Dorsch.

Hohenpeißenberg – Horst Seehofer kam, für einen Spitzenpolitiker ungewöhnlich, überpünktlich. Als er sich in Begleitung von Regierungspräsident Christoph Hillenbrand und Vertretern der Staatskanzlei am Observatorium vorfahren ließ, nahm ihn der Präsident des Deutschen Wetterdienstes in Empfang.

Die geladenen Gäste, darunter Kommunalpolitiker und Wissenschaftler aus der Region, erlebten einen gut gelaunten Ministerpräsidenten, der das persönliche Gespräch suchte. „Macht der Beruf Spaß?“, fragte er den Observatoriumsleiter Dr. Wolfgang Fricke, der ihm erstaunt zur Antwort gab: „Ja, sieht man das nicht?“ Als einige Wissenschaftler erklärten, nicht in München studiert zu haben, witzelte Seehofer: „Wie kann man es zulassen, dass die Elite aus Aachen kommt?“ Ob Bayern bei der Energiewende „alles richtig macht“, wollte der Gast wissen und erfuhr Zustimmung aus dem Kreise der Wetterforscher. Am Ausstieg aus der Atomenergie, vergaß Seehofer nicht zu betonen, führe kein Weg vorbei. 

Seit 1781 wird an der ältesten Bergwetterstation der Erde das Wetter lückenlos aufgezeichnet. Heute ist das Observatorium Hohenpeißenberg eine international vernetzte, moderne Forschungsstätte und eine von zwölf Klimareferenzstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Beobachtet wird rund um die Uhr. Über einen Radarverbund werden deutschlandweit die Niederschlagsechos erfasst. Die Daten, berichtete Prof. Dr. Gerhard Adrian, Präsident des DWD, werden zur Vorhersage gefährlicher Unwetter genutzt. Das Wetterradar ist so empfindlich, dass es in 120 Kilometer Entfernung in einem Kubikmeter Luft einen Regentropfen erkennen kann. Das Radarnetz wird gerade modernisiert. „Die Energiewende ist auch für den Wetterdienst ein spannendes Thema“, bestätigte Adrian, bei Fragen des Klimawandels arbeite der DWD eng mit der bayerischen Staatsregierung zusammen. 

 Observatoriums­chef Fricke ging in seinem Rückblick auch auf Wetterrekorde ein: „2011 war mit 9,6 Grad Jahresmitteltemperatur eines der wärmsten Jahre in unserer Messreihe.“ Unter den vielen Präsenten, die Seehofer an seinen Besuch des Observatoriums erinnern sollen, war ein Kugelschreiber aus Hohenpeißenberg. Nicht ohne Grund, wie Bürgermeister Thomas Dorsch zugab: Denn für die Restaurierung der Wallfahrtskirche wird noch dringend Geld gebraucht. Dorsch hofft auf einen Zuschuss aus der Landesstiftung. Der Ministerpräsident könne seine Zusage ja gleich mit dem Kugel- schreiber schriftlich fixieren, schlug Dorsch schelmisch vor. Heiter soll das Wetter bei Seehofers Geburt gewesen sein, belegen die Aufzeichnungen des Observatoriums. Darauf schlagfertig der Ministerpräsident: „Mein Leben ist bisher nicht ganz wolkenlos verlaufen.“ Als ihm Landrat Friedrich Zeller einen prächtigen Pfaffenwinkel-Bildband überreichte, versprach Seehofer, die darin beschriebenen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. „Aber noch nicht im Herbst.“ Denn da will Seehofer ja bekanntlich wieder zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt werden. Von Maria Hofstetter

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