Interims-Heimleiter Günther Scherer im Interview

Schongauer Heiliggeist-Altenheim: "Es wird kein 'Weiter so' geben"

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Der Augsburger Günther Scherer in seinem Büro im Heiliggeist-Altenheim.

Schongau – Ein Heimleiter für drei Monate? Was ungewöhnlich klingt, ist seit Februar Realität im Schongauer Heiliggeist-Altenheim. Günther Scherer heißt der Mann, der die Zeit überbrücken soll, bis die Stadt einen endgültigen Nachfolger für Armin Ambrosch gefunden hat, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausfüllen kann. Der Kreisbote sprach mit dem 62-jährigen Augsburger, der über langjährig Erfahrung als Heimleiter verfügt, über seine neue Rolle, schlechte Test-Ergebnisse und die Zukunft des Altenheims.

Herr Scherer, Sie sind seit gut vier Wochen im Amt. Haben Sie sich schon eingelebt? 

Scherer:„Ja, auch wenn man als Interimsheimleiter keine Schonfrist hat. Da muss man von Beginn an in die Gänge kommen. Ich glaube aber, das mir das gelungen ist.“ 

Ihr Vertrag läuft nur drei Monate. Was bewegt jemanden, so eine Stelle anzutreten? 

Scherer:„Da will ich mit einer rhetorischen Gegenfrage antworten: Was hindert einen 62-Jährigen, ein kurzfristiges Engagement anzunehmen? Mich hat die Aufgabe gereizt, meine Ideen einbringen zu können. Dass sich hier etwas bewegen lässt, habe ich festgestellt, als ich im vergangenen Jahr ein Gutachten über das Heiliggeist-Altenheim erstellt habe. Daher habe ich, nachdem die Stadt mit dem Angebot auf mich zugekommen ist, nicht lange gezögert.“ 

Sie sind also sozusagen der Feuerwehrmann, der das Altenheim wieder auf Kurs bringen soll. 

Scherer: „Ich würde mich eher als Einsatzleiter bezeichnen, um im Bild zu bleiben. Ich schaffe die Möglichkeiten, dass prüfungssicher gearbeitet werden kann.“ 

Wie würden Sie die aktuelle Situation des Altenheims beschreiben? 

Scherer: „Fakt ist, es wird kein „Weiter so“ geben, wir müssen hier die Zukunft in die Hand nehmen. Das Potential ist da, die Einrichtung sowohl attraktiv für die Schongauer Bürger als auch als Arbeitgeber zu gestalten und gleichzeitig finanziell über die Runden zu kommen. Ohne hohe Investitionen wird das allerdings nicht gehen.“

Dass sich etwas ändern muss, hat spätestens die Untersuchung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung im vergangenen August gezeigt, als das Heim die miserable Note 2,4 einfuhr. Der bayernweite Schnitt liegt bei 1,4. 

Scherer:„Ich will da keinem Mitarbeiter irgendeine Schuld geben. Das passiert, wenn die Führungskräfte fehlen. Da brechen Strukturen auseinander, die für eine hohe Qualität entscheidend sind. Krankheitsbedingt hatte das Haus seit 2008 nur sporadisch eine Pflegedienstleitung, 2014 fiel auch noch der Heimleiter aus. Alles hing seitdem allein an Verwaltungsleiterin Frau Seichter. Das war eine unlösbare Aufgabe.“ 

Im Dezember hat der MDK noch einmal vorbeigeschaut, da war das Ergebnis mit 1,9 zumindest ein wenig besser.

Scherer: „Das stimmt, doch der Hinweis war auch da eindeutig. Die Strukturen müssen nachhaltig verbessert werden. Da hat die Stadt dann reagiert und so bin ich ins Spiel gekommen. Vor fünf Jahren stand ich mit einer anderen Einrichtung an der selben Stelle. Da hat es vier Jahre gedauert, bis das Heim wieder bei der Note 1,0 angelangt war.“ 

Was sind die dringendsten Maßnahmen? 

Scherer:„Wir müssen die Qualität erhöhen. Die genauen Schritte werde ich demnächst mit den Mitarbeitern festlegen. Mein Ziel ist es, bei der nächsten Prüfung den bayerischen Durchschnitt zu erreichen. Das ist sportlich, aber ich bin überzeugt, dass es zu schaffen ist.“ 

Was haben Sie bereits angeschoben? 

Scherer: „Ich habe mich natürlich in den ersten Tagen umgesehen und mit den leitenden Mitarbeitern gesprochen. Ich habe klar gemacht, dass ich Leistung erwarte.“ 

Wie haben sie reagiert? 

Scherer:„Ich hatte den Eindruck, dass sie darauf gewartet haben, dass endlich einer sagt, wie es weitergeht.“ 

Was muss im Altenheim langfristig geändert werden, um es fit für die Zukunft zu machen? 

Scherer: „Es muss sicher kräftig in das Gebäude investiert werden. 25 Jahre Betriebsdauer haben da ihre Spuren hinterlassen. Dann muss man sich überlegen, ob der jetzige Pflege-auftrag in seiner Gesamtheit noch sinnvoll und finanziell darstellbar ist. Da hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Ich könnte mir in Zukunft mehr betreutes Wohnen vorstellen oder spezielle Formen wie die Unterbringung von Demenzwohngruppen.“ 

Immer wieder taucht die Frage auf, ob die Stadt die Einrichtung weiterbetreiben oder sie nicht besser an einen privaten Träger abgeben sollte. Was sagen Sie dazu? 

Scherer:„Tatsächlich wird vielerorts eine solche Trennung angestrebt. Ob sie hier sinnvoll ist, kann ich nicht beurteilen. Dazu habe ich zu wenig Informationen. Ich weiß nur, dass sich etwas ändern muss, wenn die Einrichtung wirtschaftlich bleiben soll.“

Ihr Vertrag endet Ende April. Hat es schon Gespräche über eine eventuelle Verlängerung gegeben? 

Scherer: „Die Heimleiter-Stelle ist genau wie die der Pflegedienstleitung ausgeschrieben. Da werden wir demnächst mit der Sichtung Bewerber beginnen. Sollten wir da bis Ende April nicht zu einem positiven Abschluss kommen, kann ich mir durchaus vorstellen, länger zu bleiben, wenn das gewünscht ist. Die Einrichtung ist mir bereits jetzt ans Herz gewachsen.“

Interview: Christoph Peters

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