Kehrtwende in Peiting

Über 100 Flüchtlinge in die alte Kürschnerei

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Das ehemalige Fabrikationsgebäude: Es steht auf einem Grundstück zwischen Seestraße und Hauser Straße, ist wegen der Einfriedung von außen kaum einzusehen.

Peiting – Die alte Kürschnerei im Osten Peitings, die der in Sachsen wohnenden Familie Meerstein gehört und in der früher Pelze hergestellt wurden, wird zur großen Unterkunft für Asylbewerber umgebaut. Mehr als 100 Flüchtlinge sollen dort nach den Vorstellungen des Landkreises untergebracht werden. Die Gewerbeimmobilie befindet sich auf einem nahezu komplett eingefriedeten Grundstück zwischen Hauser Straße und Seestraße.

 Im Januar soll die Baugenehmigung seitens der Regierung von Oberbayern vorliegen, blickt Kreiskämmerer Norbert Merk im Gespräch mit dem Kreisboten voraus. Danach sollen die notwendigen Umbauten am einstöckigen Gebäude erfolgen, zu dem auch eine Wohnung auf der Ostseite gehört. Die Gebäudehülle bleibt unverändert. Ab April soll die Unterkunft mit Flüchtlingen belegt werden.

Das Thema Brandschutz, das sonst oft großen Aufwand mit sich bringe, sei dort relativ einfach in den Griff zu bekommen. Dies bekundeten Gunter Kirsch und Georg Beck vom Landratsamt, die im Peitinger Gemeinderat in das Thema einführten. Kirsch ist Planer für Liegenschaften des Landkreises; Beck ist für die Akquise von Großunterkünften (ab 30 Personen) zuständig.

Eigentümer in Sachsen

Kreiskämmerer Merk bestätigt, dass die leerstehende Immobilie dem Landratsamt zur Vermietung angeboten worden ist. Unsere Redaktion wollte vom Eigentümer Näheres erfahren. Beim Anruf in Sachsen erklärte die früher lange in Peiting wohnende Erika Meerstein, mit dem Thema sei ihr Sohn Maximilian befasst. Dieser sei erst nächste Woche zu erreichen. Die Meerstein GmbH hat nach der Wende in Sachsen einen Betrieb aufgebaut.

Die Anmietung der Immobilie im Osten der Gemeinde bedeutet eine Kehrtwende. Die schon genehmigten zwei Asylbewerberunterkünfte an der Erlachstraße und an der Ecke Jägerstraße/Uhrerskreuzweg – in beiden Einheiten sollten jeweils 40 Personen aufgenommen werden – werden vorerst nicht errichtet. Dies hat auch damit zu tun, dass die Kosten für die Gebäude in Holzständer-Bauweise (dies war ein Wunsch der Marktgemeinderäte) laut Ausschreibung zirka vier Millionen Euro betragen.

Freilich heißt dies nicht, dass an diesen beiden Standorten generell keine Unterkünfte mehr für Asylbewerber errichtet werden. Das Baurecht bestehe nach wie vor, betont Marktbaumeister Jochen Rohrmoser gegenüber unserer Redaktion. Dieses sei vier Jahre gültig, ergänzt Kreiskämmerer Merk, der selbst Gemeinderat in Peiting ist. Jedoch ist es Ziel, die Wiese an der Erlachstraße für sozialen Wohnungsbau freizuhalten, der sowohl für anerkannte Asylbewerber als auch für heimische Familien gedacht ist.

Die Planung, die Gunter Kirsch und Georg Beck vom Landratsamt bei der Sitzung des Marktgemeinderates vorstellten, sieht eine Maximalbelegung mit 114 Personen vor. 98 Flüchtlinge könnten in der ehemaligen Pelzfabrikation und 16 weitere in der angrenzenden Wohnung des Betriebsleiters untergebracht werden.

Bis zu 18 in einem Raum

Kritik entzündete sich während der Aussprache, die mehr als eine Stunde dauerte, an der Art der Belegung. So sind Schlafräume mit bis zu 18 Betten vorgesehen. Ein Kompromissvorschlag kam von CSU-Fraktionschef Peter Ostenrieder. Er verwies darauf, dass bei einem Nein des Gemeinderates zu dieser Planung das Einvernehmen wohl eh durch Landratsamt beziehungsweise Regierung ersetzt werde.

 Ostenrieder schlug 98 Asylbewerber als Maximum für die Gewerbeimmobilie mitsamt der Wohneinheit vor. Im Gebäude müsste zudem dringend ein Schulungsraum berücksichtigt werden. Außerdem meinte der Fraktionssprecher, dass die Schlafräume verkleinert, Wände und Türen eingezogen werden sollten. Worauf es keine Antwort gab: Ob abgetrennte Zimmer noch ein Fenster haben oder wenigstens an der Decke ein Oberlicht eingezogen werden kann.

Neun Gemeinderäte folgten dem Vorschlag von Peter Ostenrieder. 16 Gemeinderäte waren freilich dagegen und stellten sich hinter die Argumentation von Bürgermeister Michael Asam. Der Rathauschef argumentierte, der soziale Frieden müsse erhalten werden, man dürfe auch den Helferkreis nicht überfordern. Zudem habe man in den vergangenen Monaten in Peiting immer um kleine Einheiten gekämpft. In der geplanten Unterkunft an der Seestraße seien es aber „zu viele Menschen auf einem Fleck“.

Ein Redner in der Diskussion, bei der sich mehr als ein Dutzend Räte zu Wort meldeten, war Gerhard Heiß. Die neuerliche Entwicklung mit der Unterkunft an der Seestraße sehe er nur als Bestätigung dafür, dass man im sozialen Feld „gut verdienen kann“. In Peiting stünde der ehemalige Gewerbebetrieb leer, weil der Eigentümer nach der Wende die Produktion in die ehemalige DDR verlagert habe – und dabei staatliche Fördergelder eingestrichen habe.

Johannes Jais

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