Stadtrat durchkreuzt Investorplan

Keine Asylbewerber in der Schongauer "Sonne"

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Steht seit vier Jahren leer: der Gasthof Sonne am Lindenplatz.

Schongau – Seit 2009 steht der Gasthof Sonne am Lindenplatz in Schongau leer und zum Verkauf. Zwischenzeitlich für Seniorenwohnungen im Gespräch, ist nun ein neuer Investor an die Stadt herangetreten. Sein Plan: die Unterbringung von Asylbewerbern.

Leerstehende Gebäude sind nicht unbedingt das, was sich Stadtplaner in besten Innenstadtlagen wünschen. Umso erfreuter dürfte man bei der Stadt Schongau gewesen sein, als sich Ende März ein Investor für den seit vier Jahren ungenutzten und zum Verkauf stehenden alten Gasthof Sonne meldete. Doch die Begeisterung verfolg schnell, als der Anrufer dem Bauamt sein Vorhaben erläuterte: eine Asylbewerberunterkunft für 42 Personen.

Immer wieder haben sich Stadtrat und Verwaltung in den vergangenen Jahren Gedanken über die städtebaulichen Ziele für die Altstadt gemacht. Attraktiver soll sie werden, für Geschäftsleute wie auch für den Bürger. Angedacht und in der Planung sind dafür etwa die Neugestaltung des Marienplatzes, der Wein- und Münzstraße. Ideen soll auch der City-Manager liefern, der demnächst seine Arbeit aufnimmt. Da kam das Vorhaben eines Investors, im Gasthof Sonne 42 Asylbewerber unterbringen zu wollen, alles andere als gelegen.

Denn es konterkariere eben jene Ziele, die die Stadt in der Altstadt verfolge, erklärte Bauamtsmitarbeiter Michael Wölfle in der jüngsten Stadtratssitzung. Dem Lindenplatz komme dabei eine besondere Bedeutung für den Tourismus zu mit seinen drei Einzeldenkmälern, zu denen neben dem Gasthof, der Polizeidienerturm und das Gebäude mit der Hausnummer fünf zählt. Eine Anlage für soziale Zwecke, wie sie der Investor betreiben will, sei zudem nicht „gebietsverträglich“, argumentierte Wölfle, da sich der „Lebensrhythmus“ der Asylbewerber von den Anwohnern unterscheide. 

Auch Stadtbaumeister Ulrich Knecht lehnte das Vorhaben ab. Eine derartige Einrichtung „am zentralsten Platz in 1a-Lage widerspricht all unseren Bemühungen und führt zu einer massiven Beeinträchtigung des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens in Schongau“, betonte er. Außerdem riskiere man künftige Fördergelder für die Stadtentwicklung. Um dem entgegenzuwirken, schlugen Wölfle und Knecht die Aufstellung eines Bebauungsplans sowie den Erlass einer Veränderungssperre für das Quartier vor. 

Aus allen Fraktionen erntete der Vorschlag Zustimmung, die Sonne hielt kein Rat für geeignet. Für Helmut Schmidbauer ging er noch nicht weit genug. Statt sich nur auf das Gebiet Lindenplatz zu beschränken, regte der CSU-Stadtrat an, den Geltungsbereich des Bebauungsplans auszuweiten. „Ich bin schon lange dafür, an neuralgischen Punkten mit der Bauleitplanung in Vorleistung zu gehen.“ 

 Auch Ilona Böse hielt das alte Gasthaus für keinen geeigneten Standort, mahnte aber auch zur sozialen Verantwortung. „Wir können nicht immer nur diskutieren, wenn es darum geht, ein Gebäude abzulehnen“, sagte sie mit Blick auf die strittige Unterbringung von Asylbewerbern im ehemaligen Forsthaus in der Lechvorstadt. Ins gleiche Horn stießen Bettina Buresch und Nina Konstantin von der Alternativen Liste. 

 Michael Eberle (CSU) wunderte sich im Hinblick auf die Diskussion in der Lechvorstadt, dass plötzlich der Lebensrhythmus der Asylbewerber eine Rolle spiele – was Knecht allerdings gleich relativierte. „Im Vordergrund stehen die städtebaulichen Aspekte.“ 

Wie viele seiner Kollegen wünschte sich Hans Hartung (CSU) die Zeiten zurück, als die Sonne noch als Herberge diente. „Gerade für den Radtourismus wären preisgünstige Unterkünfte wünschenswert“, sagte er. Mit dem Bebauungsplan, den der Stadtrat einstimmig beschloss, ist der Weg dahin frei. Ob sich allerdings ein Betreiber findet, ist offen wie eh und je. 

Christoph Peters

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