Asyl-Situation im Landkreis bleibt angespannt

Vorerst keine Flüchtlinge in der  Berufsschulturnhalle

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Diese Fluchttüren hat der Landkreis in der vergangenen Woche in der Schongauer Berufsschulturnhalle einbauen lassen.

Schongau – Erst die Weilheimer, dann die Penzberger und jetzt auch die Schongauer Sporthalle: Als in der vergangenen Woche Arbeiter mit schwerem Gerät den Wänden der Schongauer Berufsschulturnhalle zu Leibe rückten, um Fluchttüren einzusetzen, schossen die Gerüchte über eine bevor-stehende Unterbringung von Aslybewerbern ins Kraut. Stimmt nicht, dementierte Landrätin Andrea Jochner-Weiß jetzt am Mittwoch bei einem eilig einberufenen Pressegespräch – zumindest „nicht in nächster Zeit“.

Die Schongauer Halle ist wie ihr Pendant in Penzberg Teil des sogenannten Notfallplans der Regierung von Oberbayern. Dieser wurde kürzlich für letztere aktiviert, sie dient seit Ende Juni als Erstaufnahmeeinrichtung für insgesamt 136 Flüchtlinge. Weil dies gerade erst geschehen ist, rechnet Landrätin Andrea Jochner-Weiß nicht damit, dass der Schongauer Halle alsbald ein ähnliches Schicksal droht. „Ich gehe davon aus, dass die Kapazität heuer nicht mehr gebraucht wird“, sagte sie. 

Ihre Hand ins Feuer legen will sie dafür freilich nicht, denn die zukünftige Entwicklung zu prognostizieren ist schwer bis unmöglich. „Wenn plötzlich viele Flüchtlinge auf einmal in München ankommen, kann der Turnus natürlich schneller sein“, so Jochner-Weiß. 

Hinzu kommt, dass auch der Landkreis schnell Plätze benötigen könnte, sollten die Kapazitäten der vorhandenen Unter-künfte nicht mehr ausreichen, um den wöchentlich eintreffenden Strom an zugeteilten Asylbewerbern unterzubringen. Schon jetzt ist die Weilheimer Sporthalle, die als erste Anlaufstelle dient, mit 57 Personen voll belegt. „Wir wollen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“, betonte die Landrätin mit Blick auf den Einbau der Fluchttüren in die Schongauer Halle. Auch Betten und Schränke stünden bereits bereit, um im Fall der Fälle schnell reagieren zu können. 

Bevor aber der Landkreis auf die Sporthalle zurückgreift, sollen Flüchtlinge erst einmal in der Ammermühle unterkommen. Das gerade erstandene Gebäude bei Rottenbuch sei zum Teil bereits bezugsfertig, sagte Jochner-Weiß. „Sie dient uns als Puffer, bis die Regierung von Oberbayern die Gemeinschaftsunterkunft im Oktober in Betrieb nimmt.“ Auch in der neuen Gemeinschaftsunterkunft in der Pöllandtsraße in Schongau gibt es noch Kapazitäten. Dort sind aktuell 39 von 50 Plätzen belegt. 

Die Asyl-Situation war am Montag auch Thema einer eigens einberufenen Bürgermeisterdienstbesprechung. Darin appellierte Jochner-Weiß an die Stadt- und Gemeindechefs, solidarisch zusammenzustehen. Gleichzeitig forderte sie die Bürgermeister auf, sich bis nach den Sommerferien Gedanken über die Unterbringung von Asylbewerbern in ihrer Stadt oder Gemeinde zu machen. 

Als Beispiel nannte die Landrätin gemeindeeigene Wohnungen und Grundstücke, auf denen der Landkreis weitere Unterkünfte errichten könnte. Dieser Appell gilt besonders für jene 21 Kommunen, die bislang noch gar keine Flüchtlinge aufgenommen haben. Auch wenn sie keine Anhängerin einer festen Quote sei, gebe diese einen Anhaltspunkt, was den einzelnen Orten zuzumuten sei. „Wir reden von einem Prozent der Einwohner in diesem und zwei Prozent im nächsten Jahr“, so die Landrätin. 

Allein heuer hat der Landkreis 741 Flüchtlinge aufgenommen. Bis zum Jahresende sollen noch einmal rund 500 dazukommen, sollte sich die aktuelle Prognose bewahrheiten. Das bedeutet im Schnitt Woche für Woche rund 20 neue Asylbewerber, für die es ein Dach über dem Kopf bereitzustellen gilt. Derzeit verfügt der Landkreis über 71 dezentrale Unterkünfte. Mehrere Großprojekte sind in der Planung, etwa in Peiting, Altenstadt und Penzberg. 

Die zusätzlichen Plätze dürften die Situation vorübergehend entspannen, die Hände in den Schoß legen, könne man allerdings nicht, weiß auch die Landrätin. „Die Flüchtlingswelle wird am Ende des Jahres nicht vorbei sein. Wir stehen erst am Anfang.“ Zumal sich das nächste Problem bereits abzeichnet: Bereits jetzt leben 43 anerkannte Asylbewer-ber noch immer in den eigentlich für Flüchtlinge mit laufendem Verfahren reservierten Unterkünften des Landkreises. Sie finden keine eigene Wohnung.

Christoph Peters

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